Vorkommnisse in Fürth: Jahn kritisiert Polizei

Der SSV Jahn Regensburg nimmt Stellung zu den Vorkomnissen beim Auswärtsspiel in Fürth. Die Mitteilung des Vereins im Wortlaut:

Rund um das Auswärtsspiel der Profimannschaft des SSV Jahn bei der SpVgg Greuther Fürth kam es am vergangenen Samstag zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Jahnfans, über die an diversen Stellen bereits medial berichtet wurde. Nachdem zwischenzeitlich im Austausch mit verschiedensten Stellen eine intensive Aufarbeitung der Vorgänge stattgefunden hat, schildert der SSV Jahn auf Grundlage der ihm vorliegenden Informationen nachfolgend seine Sicht auf die Geschehnisse.

Vorweggestellt ist festzuhalten, dass der SSV Jahn Regensburg jedwede Form von Gewalt, Diskriminierung und Rassismus entschieden ablehnt. Fußballspiele sollen friedliche, freudvolle Sozialisationsanlässe für Menschen aller Altersklassen, sozialen Schichten, Kulturen und Religionen sein. Letzteres auch gänzlich unabhängig von den Farben, für welche die einzelnen Zuschauer jubeln. Diese Position des SSV Jahn umfasst ausdrücklich nicht nur das Stadionerlebnis selbst, sondern auch die An- und Abreise der Zuschauer zu den Spielen, obgleich An- und Abreise nicht unmittelbar im Einflussbereich der beteiligten Fußballclubs liegen. Voraussetzung ist ein entsprechend friedliches, respektvolles, sozial angemessenes Verhalten der Fußballfans selbst, gleichzeitig aber auch ein angemessener, fairer Umgang mit den Fußballfans durch die Clubs und alle sonstigen beteiligten Gruppen, allen voran auch die zuständigen Sicherheitsträger. Für ein derartiges Auftreten aller Beteiligten setzt sich der SSV Jahn aus tiefer Überzeugung ein.

Aus der eigenen, sowohl bei Heim- als auch Auswärtsspielen zumeist sehr konstruktiven, Zusammenarbeit mit den Sicherheitsträgern heraus, ist sich der SSV Jahn der Komplexität von deren Aufgabe, gerade in emotional aufgeheizten Situationen, absolut bewusst. Meist lassen sich potentielle und tatsächliche Konfliktsituationen durch die umsichtige Anwendung der zur Verfügung stehenden Sicherheitsmaßnahmen, mitunter auch mit der gebotenen Härte, zum Wohle der Sicherheit aller Beteiligten vermeiden bzw. auflösen.

Beim Auswärtsspiel des SSV Jahn bei der SpVgg Greuther Fürth müssen dem von der Polizei eingesetzten Unterstützungskommando (USK) der Wille und die Bereitschaft für eine friedliche Durchführung der Fußballveranstaltung jedoch abgesprochen werden. Provokationen und Aggressionen wurden vom USK nicht nur nicht vermieden, sondern teils sogar geschürt.

Diese Feststellung stützt sich auf die teilnehmenden Beobachtungen der für die Fanarbeit zuständigen Mitarbeiter des SSV Jahn, auf jene des Fanprojekts Regensburg sowie auf zahlreiche Nachrichten, welche der SSV Jahn seit Samstag proaktiv und unabhängig voneinander von beteiligten Personen bzw. Beobachtern erhalten hat. Die Gruppe dieser Augenzeugen setzt sich dabei heterogen zusammen. Sie reicht vom Jugendlichen, über die Familienmutter bis hin zum Hochschullehrer und Amtsträger. Video- und Bildnachweise stützen die Schilderungen überdies. Sowohl bei der Anreise als auch später im Umfeld des Stadions wurde den Jahnfans seitens des USK mit unverhältnismäßiger Härte und Aggression begegnet. Im Detail sollen die Vorkommnisse an dieser Stelle nicht beschrieben, sondern vielmehr wesentliche Verfehlungen skizziert werden:

  • Unterbindung eines aufgrund vergangener Jahre ritualisierten Fußmarsches von Mitgliedern der aktiven Jahn Fanszene vom Bahnhof zum Stadion der SpVgg Greuther Fürth ohne hinreichende Kommunikation durch Drängen der Jahnfans in Shuttle-Busse unter teils intensivem Schlagstockeinsatz und Inkaufnahme von Verletzungen bei den Jahnfans
  • Undifferenzierter Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray gegen vor dem Gästeblock wartende Mitglieder der aktiven Jahn Fanszene sowie den Gästeblock während des Spiels verlassende Jahnfans unabhängig von Alter und Geschlecht der Jahnfans
  • Ablehnung einer deeskalierenden Zusammenarbeit mit dem Fanbeauftragten des SSV Jahn und den Mitarbeitern des Fanprojekts Regensburg

In Summe gelangt der SSV Jahn daher auf Grundlage der ihm vorliegenden Informationen zu der Ansicht, dass das unverhältnismäßige Handeln des USK in erheblichem Maße zur Eskalation einer bis zur Ankunft in Fürth vollkommen friedlichen Fansituation beigetragen hat.

Weiter weist der SSV Jahn Pauschalverurteilungen seiner gesamten Fanszene oder einzelner Gruppierungen in klarer Abgrenzung zu friedlichen Jahnfans zurück. Diese Stigmatisierung ist mit Blick auf den ständigen Austausch des SSV Jahn mit seiner aktiven Fanszene, aber auch aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre nicht gerechtfertigt. Eine derartige Stigmatisierung darf daher auch nicht den Sicherheitsträgern für die Planung von Einsätzen oder deren Beurteilung (wie beispielsweise im bereits am Samstag veröffentlichten Polizeibericht) zugrunde liegen. Vielmehr gilt es vereinzelte Übertritte zu verfolgen und natürlich auch entsprechend zu ahnden, um letztlich eine faire Behandlung aller Beteiligten (Sicherheitsträger und Fans) und deren Sicherheit zu gewährleisten.

Dementsprechend fordert der SSV Jahn die zuständigen Stellen dazu auf, die Geschehnisse rund um das Auswärtsspiel bei der SpVgg Greuther Fürth lückenlos aufzuarbeiten und daraus abzuleitende Schritte zu ergreifen. Insbesondere gilt es das Vorgehen des USK im speziellen Fall, aber generell mit Blick auf mehrere vergleichbare Ereignisse rund um Fußballspiele in den vergangenen Jahren auf den Prüfstand zu stellen. Zu diesem Zweck geht dieses Schreiben auch dem Bayerischen Innenminister zu.

Beim Spiel in Fürth anwesende Zuschauer, die durch Beobachtungen oder anderweitige Belege zur Aufklärung der Vorfälle beitragen können, bittet der SSV Jahn über fanbeauftragter@ssv-jahn.de um Kontaktaufnahme.