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Verkehrskollaps: IHK-Verkehrskonferenz

Regensburgs täglichen Stau nannte Vizepräsident Peter Esser bei der IHK-Verkehrskonferenz „die Kehrseite der prosperierenden Wirtschaft in der Boomregion. Am Dienstag begrüßte er an die 80 Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung. Regensburg muss umgehend Lösungen finden, um die angespannte Verkehrssituation zu entlasten, waren sich die Beteiligten einig. Landrätin Tanja Schweiger und Oberbürgermeister Joachim Wolbergs unterstützten den Vorstoß der Wirtschaft.

„Mitarbeiter sind Teil des Staus“

Als Stimme der Wirtschaft formulierten der Vorsitzende des IHK-Verkehrsausschusses Manfrad J. Fichtl und Wilhelm Meierhofer Standortleiter der Siemens AG Siemens die Forderungen der Unternehmen an Politik und Verwaltung. Fichtl und Meierhofer beziehen sich auf eine IHK-Umfrage bei den so genannten Big 7. BMW, Osram, Infineon, Krones, Maschinenfabrik Reinhausen, OSRAM und Siemens nannten als Hauptprobleme: „Die Güterlogistik gerät zunehmend ins Stocken“ und „Die Mitarbeiter sind Teil des Staus“. Ein unattraktiver ÖPNV gebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oft gar keine andere Chance, als sich selbst hinters Steuer zu setzen. Allein bei den Big 7 arbeiten 30.000 Menschen. Durch Einpendler wächst Regensburg täglich um die Hälfte. Was nicht mitgewachsen ist, ist die Verkehrsinfrastruktur. Der sechsspurige Ausbau der A3 bis Barbing ist eine zentrale Forderung, die sich aber erst mittelfristig umsetzen lässt. Das gilt auch für den Umbau zu einem leistungsfähigen Autobahnkreuz. Eine zentrale IHK-Forderung lautet: „Die Sallener Regenbrücke als Alternative zum Tunnel muss bald zur Verfügung stehen. Erst dann kann die Renovierung des Pfaffensteiner Tunnels beginnen. Ohne diese Alternative steuern wir auf den Verkehrsinfarkt zu“, bringt Fichtl, selbst Logistikunternehmer, die Verkehrssituation in der Donaustadt auf den Punkt. „Wir haben einen Logistikschwerpunkt Neutraubling, aber keine geeignete Einfädelspur in die Autobahn.“ Das verdeutliche einmal mehr die ungleiche Entwicklung von Wirtschaft und Infrastruktur.

Lösung: Attraktiver ÖPNV

Die Hürden des Bundesverkehrswegeplans verhindern rasche Lösungen, erläuterte Karl Wiebel, Ministerialdirigent beim Verkehrsministerium in München. Gemeinsam mit Landrätin und Oberbürgermeister hätte man sich auf realisierbare Pakete geeinigt, berichtete IHK-Geschäftsführer Dr. Alfred Brunnbauer von der IHK-Verkehrskonferenz. Schlüsselthema dabei: Der Mitarbeitertransport. Der RVV mit seinen sternförmigen, auf den Regensburger Hauptbahnhof ausgerichteten Linien, verkenne tatsächliche Verkehrsströme von Menschen, die etwa in Lapperdorf wohnen und im Regensburger Westen arbeiten. Die IHK fordert tangentiale Lösungen. Ein attraktiver ÖPNV habe oberste Priorität. Der OB bestätigt: „Wir haben bisher nur in bestehenden Buslinien gedacht. Das muss aufgebrochen werden.“ Als nächstes werden IHK, Stadt und Landkreis einen gemeinsamen lang-, mittel- und kurzfristigen Plan für den Großraum Regensburg vorlegen.
pm