© UKR

Transplantationen: Regensburger Zentrum veröffentlicht Zahlen

Noch diese Woche wird eine Entscheidung des Bundestags zur Neuregelung des deutschen Organspendesystems erwartet. Hierzu veröffentlicht das Universitäre Transplantationszentrum Regensburg seine Zahlen. Dabei sind bereits erste Zeichen in Richtung einer positiven Entwicklung erkennbar.

Rund 9.000 Menschen waren Ende 2019 deutschlandweit noch auf den Wartelisten für ein neues Organ registriert. Diese Zahl gibt aber nicht die tatsächliche Tragweite wieder. Noch weitaus mehr Personen würden ein Organ benötigen, schaffen es aber aufgrund ihres schlechten Gesundheitszustands erst gar nicht auf die Warteliste oder müssen wieder abgemeldet werden. Professor Dr. Bernhard Banas, Leiter des Regensburger Transplantationszentrums am Universitätsklinikum Regensburg (UKR), erklärt: „Jährlich versterben viele Tausende, denen man medizinisch durch eine Transplantation sehr gut helfen könnte. Die Ursache dieses Problems ist, dass immer noch zu wenige Menschen in Deutschland zu Lebzeiten Position zur Organspende beziehen. Unsere Rate an Organspendern beträgt nur ein Drittel dessen, was in vielen europäischen Nachbarländern bereits Standard ist.“ Allerdings sind derzeit erste positive Tendenzen erkennbar. So erhielten im Regensburger Transplantationszentrum im Jahr 2019 51 Patienten eine neue Niere, im Vergleich zu 34 Nierentransplantationen im Vorjahr eine deutliche Steigerung.

Bei den Nierentransplantationen, die im vergangenen Jahr am UKR durchgeführt wurden, erhielten drei Patienten gleichzeitig eine Bauchspeicheldrüse, bei jeweils einem Patienten wurde zeitgleich mit einer Niere auch ein Herz bzw. eine Leber transplantiert. „Aufgrund sehr langer Wartezeiten für Organtransplantationen haben es die Transplantationsmediziner in den letzten Jahren zunehmend mit sehr kranken Patienten zu tun, die jede Transplantation zu einer interdisziplinären Herausforderung machen,“ konstatiert Transplantationschirurg PD Dr. Jens Werner aus der Klinik und Poliklinik für Chirurgie des UKR.

Spenderzahlen konsolidieren sich

Die weiteren Regensburger Transplantationszahlen bewegen sich in etwa auf dem Niveau der Vorjahre. So konnten am Transplantationszentrum des UKR 2019 fünf Herzen (2018: 10), 42 Lebern (2018: 47) und 3 Bauchspeicheldrüsen (2018: 2) transplantiert werden. Diese Zahlen gehen auch mit den aktuell von der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) veröffentlichten Werten einher. Demnach haben sich die Spenderzahlen nach Jahren des Rückgangs in den letzten beiden Jahren ungefähr konsolidiert. Insgesamt spendeten 2019 bundesweit 932 Personen postmortal ihre Organe, 2018 waren es 955. In Bayern stehen 136 Organspendern 2019 128 im Jahr 2018 gegenüber.
„Wir gehen davon aus, dass sich die positive Tendenz unter anderem auf die zunehmende öffentliche Diskussion zurückführen lässt, die nach dem Gesetzesvorstoß des Bundesgesundheitsministeriums zur Neuregelung des Organspendesystems entstanden ist. Außerdem beginnen die ersten strukturellen Maßnahmen zu greifen, die mit der Änderung des Transplantationsgesetzes zum April 2019 in Kraft getreten sind,“ so Professor Banas. „Die positive Entwicklung im Bereich der Nierentransplantationen am UKR ist nicht zuletzt auf das große persönliche Engagement aller beteiligten ärztlichen und nicht-ärztlichen Mitarbeiter sowie die sehr enge und professionelle interdisziplinäre Zusammenarbeit zurückzuführen“, ergänzt PD Dr. Daniel Zecher, internistischer Programmverantwortlicher für die Nierentransplantation am UKR.

Entwicklung der letzten Jahre macht einen gesellschaftlichen Strukturwandel nötig

Die positive Tendenz, die sowohl das Regensburger Transplantationszentrum als auch die DSO aktuell verlauten lassen, kann jedoch nicht über die problematische Entwicklung der letzten Jahre im Bundesgebiet hinwegtäuschen: Deutschland war 2018 mit 11,3 Organspendern je 1 Million Einwohner Schlusslicht in Europa. Zum Vergleich: In Spanien waren es 48 Spender je 1 Million Einwohner. Der eklatante Spendermangel führt in Deutschland zu inakzeptabel langen Wartezeiten. Während die mittlere Wartezeit auf eine Niere für bis 65-jährige Erwachsene 2017 in Deutschland bei über sieben Jahren lag, betrug die Wartezeit in allen übrigen Mitgliedstaaten des Eurotransplant-Verbundes weniger als vier Jahre. 2019 mussten Patienten in Regensburg sogar im Mittel 9,2 Jahre auf eine Spenderniere warten. Bundesweit stehen von 90.000 Dialysepatienten nur noch 8.000 Patienten auf der Warteliste für eine Nierentransplantation, da viele Patienten aufgrund ihres schlechten Gesundheitszustands nicht mehr auf eine Transplantation hoffen können.
„Das zum April 2019 vom Deutschen Bundestag verabschiedete Gesetz zur Verbesserung der Zusammenarbeit und der Strukturen bei der Organspende zeigt zwar erste Wirkung, konnte diese negative Entwicklung aber noch nicht wesentlich beeinflussen. Daher liegt unsere große Hoffnung auf der von Bundesgesundheitsminister Spahn initiierten Debatte zur Widerspruchslösung, über die am 16. Januar 2020 im Deutschen Bundestag abgestimmt wird. Im Sinne der Regensburger Patienten unterstützt das Universitätsklinikum Regensburg die Einführung der Widerspruchsregelung vorbehaltlos. Damit soll ein nachhaltiger gesellschaftlicher Strukturwandel einhergehen, bei dem sich Jeder in gesunden Zeiten mindestens einmal mit dem Thema auseinandersetzen und für sich eine aktive Entscheidung treffen sollte“, resümiert Professor Banas.

Pressemitteilung