Prächtige Rösser und Zugpferd Seehofer beim Berchinger Rossmarkt

Unzählige Pferdeäpfel auf dem Straßenpflaster und mehr als 20 000 Besucher. Bei strahlendem Sonnenschein stahl auf dem Berchinger Rossmarkt den prachtvoll geschmückten Rössern nur einer die Schau: Das Zugpferd Ministerpräsident Horst Seehofer bei seiner Festrede.

Berching (dpa/lby) – Schon vor Tagen hatten sich die mehr als 60 Pferdehalter mit ihren gut 120 Pferden auf den Berchinger Rossmarkt vorbereitet. Sie hatten ihre Rösser gebadet und deren Mähne geflochten. Die Tiere sollten hübsch sein für die gut 20 000 Besucher beim größten eintägigen Wintervolksfest in Bayern am Mittwoch. Am frühen Mmorgen war dann noch Zeit für letzte Schönheitsdetails. «Wir sind seit vier Uhr auf den Beinen und haben die Mähnen entflochten und gebürstet», sagte Klaus Luber aus Untermässing (Landkreis Roth) kurz nach dem Auftrieb der Pferde. Prachtvoll glänzt die 1,20 Meter lange blonde Mähne seines Haflingerhengstes Ander in der winterlichen Sonne auf dem Marktplatz.

Nur einer stahl den Pferden die Schau. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) malte den Freistaat in seiner Festrede in den schillernsten Farben. Keine Region in Europa stehe so gut da, wie Bayern. Der Freistaat habe mit Abstand die höchste Wirtschaftskraft, die höchste Zahl an sozialversicherten Beschäftigten und praktische keine Jugendarbeitslosigkeit.

Zudem konnte sich Seehofer einen Seitenhieb auf Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) nicht verkneifen. Dieser habe ihm bei den Diskussionen um den Länderfinanzausgleich stets kokett gesagt: Berlin sei arm, aber sexy. «Seit einiger Zeit sagte ich ihm: Bayern ist reich, aber nicht blöd», kontert der Ministerpräsident.

So sei die Klage gegen den Länderfinanzausgleich auch eine gute Tat, die Ungerechtigkeit zu beenden, begründete Seehofer. Schließlich zahle Bayern alleine die Hälfte ein. «Wer die Hälfte des Länderfinanzausgleichs bezahlt, dem gehört auch die Hälfte der Bundesrepublik Deutschland», sagte Seehofer unter kräftigem Applaus. Mit den fast vier Milliarden Euro, die der Freistaat einzahle, könne noch viel mehr für Bildung, Kindergärten und die Infrastruktur im ländlichen Bereich getan werden.

Solch markante Aussagen kamen in der Feiertagsstimmung in Berching, dort sind zum Rossmarkt alle Geschäfte und Betriebe geschlossen, gut an. Während der fast einstündigen Rede vergaßen viele Besucher sogar die eigentlichen Hauptdarsteller und wirklichen Zugpferde.

Nur die vier gewaltigen französischen Kaltbluthengste von Albert Graf aus Richthofen bei Neumarkt scheren sich nicht viel um die politischen Reden. Stolz und prächtig stehen sie mit ihrem handgefertigten Geschirr und einem Stockmaß von 1,80 Meter nur wenige Schritte vom Ministerpräsidenten entfernt. Deren Vorteile liegen in anderen Bereichen. «Sie holen bis zu 16 Meter lange Baumstämme aus dem Wald und sind zu zweit in der Lage, einen Schlitten mit 75 Zentnern zu ziehen», sagte sein Besitzer stolz.

Albert Graf weiß, dass der Rossmarkt heutzutage nur noch eine Schau und ein Volksfest ist. Der Pferdemarkt in der oberpfälzischen Stadt geht auf eine jahrhundertealte Vorschrift zurück, die von Pferdebesitzern verlangte, ihre Tiere für Untersuchungen vorzuführen.

 

 

dpa 06.02.2013