Nichtraucherschutz könnte 71 Leben retten

Anlässlich des Weltnichtrauchertags am 31. Mai 2014 veröffentlicht das Universitätsklinikum Regensburg (UKR) aktuelle Zahlen zu Erkrankungen, die in Verbindung mit dem Rauchen stehen. Im Einzugsgebiet des UKR erkranken jedes Jahr 1.933 Menschen neu an Lungenkrebs. Für 1.421 dieser Fälle bedeutet dies eine tödliche Prognose.

Lungenkrebs gehört zu den häufigsten Krebsarten in Deutschland. Hauptsächlicher Risikofaktor ist das Rauchen. Bei rund 90 Prozent der Männer und 60 Prozent der Frauen mit Lungenkrebs kann dieser auf das aktive Rauchen zurückgeführt werden. Aber auch Passivrauchen erhöht das Risiko. Bei fünf Prozent der Lungenkarzinome, die im Einzugsgebiet des UKR jährlich neu entdeckt werden, liegt ihre Ursache im Passivrauchen. Auf die zum Tode führenden Lungenkrebsfälle umgerechnet, bedeutet dies in konkreten Zahlen, dass durch konsequenten Nichtraucherschutz jährlich 71 Todesfälle allein in der Region Ostbayern vermieden werden könnten.

Aktuell rauchen circa 30 Prozent der deutschen Bevölkerung im Alter von 18 bis 79 Jahren. Rauchen ist ein bedeutender Risikofaktor für viele schwerwiegende Krankheiten, wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Lungenerkrankungen. Laut einer Statistik des „Jahrbuches Sucht“ der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V.  sterben pro Jahr bis zu 120.000 Menschen in Deutschland an den Folgen des Rauchens. Eine Zahl, die fast die Einwohnerzahl von Regensburg umfasst.

 

Bedeutung des Nichtraucherschutzes für die Gesundheit

Was konsequenter Nichtraucherschutz bewirken kann, zeigen Studien aus dem europäischen Ausland. In der Schweiz gilt seit 2010 ein Rauchverbot in allen öffentlichen, geschlossenen Räumen und am Arbeitsplatz. Eine  im Auftrag des Gesundheitsministeriums im Kanton Genf durchgeführte Studie zieht nach den ersten Jahren positive Bilanz. Die Krankenhauseinweisungen von Personen mit chronischen Lungenerkrankungen reduzierten sich um 46 Prozent, bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen um zehn Prozent.

Diese positiven Ergebnisse werden auch von einer Studie aus Irland bestätigt, wo bereits seit 2004 ein generelles Rauchverbot in geschlossenen, öffentlichen Räumen und an allen Arbeitsplätzen herrscht. Im Untersuchungszeitraum von sieben Jahren (2000 – 2007) konnte ein Rückgang der Sterberaten von circa 13 Prozent festgestellt werden. Bei Schlaganfällen wurden 32 Prozent weniger Sterbefälle registriert, bei chronischen Lungenerkrankungen reduzierten sich die Zahlen um 38 Prozent. Ausschlaggebend für die positiven Ergebnisse war die Reduktion des Passivrauchens.

 

Lungenkrebszentrum: Therapie und Prävention

Tabakrauch enthält knapp 50 krebserregende Substanzen. Besonders anfällig für diese ist die Lunge, in der sich Lungenkarzinome ausbilden. „Lungenkrebs ist eine der gefährlichsten Tumorerkrankungen. Tückisch ist, dass sich Symptome unspezifisch und häufig erst in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium zeigen. So werden Karzinome oft sehr spät entdeckt“, beschreibt Professor Dr. Christian Schulz, Oberarzt in der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II des UKR, die schwerwiegende Erkrankung.

Am Universitätsklinikum Regensburg wurde daher eigens ein Lungenkrebszentrum eingerichtet, in dem ein interdisziplinäres Team aus verschiedenen Fachbereichen, wie der Pneumologie oder der Thoraxchirurgie, eng zusammenarbeitet. „Im Zentrum können wir nah am konkreten Problem des Patienten Verbesserungen in der Therapie erzielen und diese möglichst schnell zur Verfügung stellen. Die Zusammenarbeit mit Ärzten aus verschiedenen Fachdisziplinen ermöglicht es uns, gemeinsam aus allen verfügbaren Behandlungsformen die individuell beste Therapie für den Patienten auszuwählen“, erläutert Professor Schulz die Vorteile der Zentrumsstruktur.

Kostenlose Früherkennungsuntersuchungen für gesetzlich Versicherte gibt es bislang nicht. Die beste Prävention ist, das Rauchen gar nicht erst anzufangen oder es aufzugeben. Auch hierbei unterstützt das Lungenkrebszentrum mit speziellen Rauchfrei-Programmen. Die Kosten für professionelle Angebote zur Rauchentwöhnung werden häufig von den Krankenkassen übernommen oder bezuschusst.

 

pm / SC