Klimawandel: Bayern braucht neue Strategie gegen Dürre

Durch die Corona-Krise treten andere Probleme derzeit in den Hintergrund. So auch der Klimawandel. Bayern braucht eine neue Strategie gegen die Dürre, denn im Freistaat muss besser mit Wasser gehaushaltet werden. 

 

Zur Sicherung der Trinkwasserversorgung und zum Schutz gegen Dürren auch in der Landwirtschaft muss der Freistaat Bayern seine Wasserstrategie neu an den Klimawandel anpassen. „Der regenarme und viel zu warme April zeigt noch einmal deutlich: Wir brauchen Antworten auf den Klimawandel und die damit verbundene zunehmende Trockenheit. Mit einem Masterplan machen wir unsere Strategie für Wassersicherheit in Bayern fit für die Zukunft“, sagte Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) der Deutschen Presse-Agentur in München. Die von Trockenheit besonders betroffenen fränkischen Regionen stünden dabei im Fokus.

„Oberstes Gebot ist: Das Lebensmittel Wasser muss für ganz Bayern dauerhaft, in ausreichender Menge und hoher Qualität zur Verfügung stehen. Die nachhaltige Bewirtschaftung der Wasserressourcen ist die Herausforderung der Zukunft. Die Nutzung des Grundwassers als Trinkwasser für die Menschen hat dabei immer Vorrang“, betonte Glauber. Gerade in der aktuellen Corona-Krisenzeit zeige sich, dass eine zuverlässige Versorgung mit Wasser ein entscheidendes Gut sei.

Im Kern besteht die Strategie aus drei Säulen, für deren Umsetzung in Summe 50 Millionen Euro für die kommenden zwei Jahre hinterlegt wurden: Priorität hat die bayernweite Versorgung mit Trinkwasser sowohl auf Basis regionaler Kapazitäten als auch durch die Förderung von Verbundleitungen zwischen den Wasserversorgungsgebieten. „Der Freistaat hat für 73 Anträge zum Bau von über 300 Kilometern Verbundleitungen Zuwendungen von mehr als 35 Millionen Euro zugesagt“, erklärte Glauber. Durch die Vernetzung der Trinkwassersysteme könne das Grundwasser bestmöglich verteilt werden. Derzeit würden in den Regierungsbezirken die Wasserversorgungsbilanzen aktualisiert – Kosten fünf Millionen Euro.

Die zweite Säule widmet sich der von Trockenheit besonders betroffenen Landwirtschaft. „Hier brauchen wir kluge Projekte, die die Wasserressourcen schonen und die Bewässerung in der Fläche bestmöglich sicherstellen“, sagte Glauber. Das Umweltministerium fördere etwa 18 nachhaltige und umweltgerechte Bewässerungskonzepte mit knapp zwei Millionen Euro. Noch in diesem Jahr sollten daraus erste Pilotprojekte begonnen werden. Das Umweltministerium finanziere die Baukosten zur Hälfte. Zudem würden mit dem Agrarministerium neue nachhaltige Bewässerungsstrategien für die Landwirtschaft entwickelt.

Die dritte zielt auf den Schutz des natürlichen Wasserhaushalts, etwa in Wäldern, Mooren oder Feuchtflächen, aber auch im Bereich der Stadtnatur ab. „Jeder Bürger kann durch einen bewussten Umgang mit Trinkwasser die Vorräte schonen“, sagte Glauber. Es helfe schon, wenn bei der Gartenbewässerung die Pflanzen nur morgens oder abends und nicht in der Mittagszeit gegossen würden.

Um die Gewässersituation in den Flüssen Nordbayerns zu sichern, hat der Freistaat frühzeitig ein Überleitungssystem von der Donau in den Main gebaut. Betrieb und Unterhaltung kosten jährlich sechs Millionen Euro. Mit Hilfe dieses Systems wird Wasser aus der Donau nach Franken geleitet und die Abflusssituation in Trockenzeiten in den Flüssen Rednitz, Regnitz und Main deutlich verbessert. Die Überleitung stützt auch die Grundwasservorkommen in Nordbayern. Seit Inbetriebnahme der Überleitung im Jahr 1993 flossen 3,5 Milliarden Kubikmeter Wasser aus dem Donauraum nach Nordbayern, das entspricht dem doppelten Volumen des Ammersees.

Durch den Klimawandel sind abnehmende Niederschläge im Sommerhalbjahr und länger anhaltende Trockenphasen auch in Bayern häufiger zu erwarten. Die Folgen sind vor allem in Franken und hier insbesondere in der Region zwischen Nürnberg und Bamberg spür- und messbar. Das Winterhalbjahr war zu trocken. Die Niederschläge zwischen November und April lagen vor allem in Nordbayern deutlich unter den Vorjahressummen. Größere Engpässe bei öffentlichen Wasserversorgungsanlagen gebe es derzeit aber nicht.

 

dpa