IHK: Oberpfalz ist Marktplatz Tschechiens

„Tschechische Kunden – Chancen für Handel und Tourismus“ lautet der Titel der aktuellen IHK Regensburg-Studie, die am Donnerstag im Mode-Erlebnis-Kaufhaus Frey vorgestellt wurde. Sie stützt sich auf Erhebungen und Analysen der BBE Handelsberatung und zeigt, dass 46 Prozent der Westböhmen zum Einkauf oder zur Freizeit in die Oberpfalz kommen und damit dem Oberpfälzer Einzelhandel jährlich ca. 95 Millionen Euro aus dem Nachbarland zufließen. Rund 53 Millionen Euro und somit gut über die Hälfte des Umsatzes entfallen allein auf den Landkreis Cham. Insbesondere die Städte Furth im Wald und Cham punkten durch ihre günstige Verkehrsanbindung nach Tschechien und ihr breites Einzelhandelsangebot. Dass sich diese Ausgaben nicht alleine auf die mit dem Kfz erreichbaren Fachmarkzentren entfallen, sondern auch Fachgeschäfte und Gastronomiebetriebe in der Innenstadt profitieren, bestätigen knapp 65 Prozent der befragten Innenstadtbesucher.

Es ist in erster Linie die Angebotsqualität, die tschechische Kunden in die Oberpfälzer Einzelhandels- und Tourismusbetriebe lockt. Lebensmittel- und Drogeriewaren, aber auch Schuhe und Bekleidung führen die Listen auf dem Einkaufszettel der tschechischen Kunden. Bei den touristischen Attraktionen stehen vor allem Feste und Märkte, Stadtbummel sowie die Oberpfälzer Erlebnisbäder und Thermen hoch in der Gunst der böhmischen Nachbarn. Es überrascht wenig, dass das Oberpfälzer Freizeit- und Tourismusangebot von den tschechischen Besuchern überwiegend als gut bzw. sehr gut bewertet wird. Ausbaumöglichkeiten gibt es hierbei vor allem im Freizeit- und Gastronomieangebot. Dies ist jedoch weniger ein vorhandenes Angebots- als vielmehr ein Informationsdefizit. Vereinfacht gesagt: Die tschechischen Kunden können das Freizeitangebot oftmals gar nicht beurteilen, weil sie es aus dem eigenen Land nicht kennen. Die Informationskanäle der tschechischen Kunden zu kennen, ist für Marketingstrategien in der Oberpfalz ausgesprochen wichtig. Über 60 Prozent der tschechischen Kunden bereiten ihren Besuch in Deutschland via Internet oder Bekannte vor. Prospekte und Zeitungen spielen dagegen eine untergeordnete Rolle als Informationsmedium.

Wenn 46 Prozent der Westböhmen das bayerische Einzelhandels- und Freizeitangebot nutzen, tun das gleichzeitig mehr als die Hälfte nicht. „Dieses Potenzial gilt es durch gezielte Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen sowie eine Willkommenskultur in der gesamten Dienstleistungskette von der Ortseinfahrt bis hinein in den Laden, die Gaststätte, das Hotel oder die Freizeiteinrichtungen anzusprechen“, resümiert IHK-Handelsexperte Dr. Matthias Segerer. „Die Akzeptanz von Kreditkarten oder das Schnüren von Kombipaketen für Einkauf und Freizeit sind nur zwei von vielen weiteren Handlungsempfehlungen, die innerhalb eines Workshops mit Experten aus Einzelhandel und Tourismus erarbeitet wurden. Diese und viele weitere Maßnahmen können jedoch nur umgesetzt werden, wenn alle Akteure vor Ort dieses Thema gemeinsam aufgreifen und kooperieren“, ergänzt Helmut Hagner, Geschäftsführer der Frey Handelskette und Mitglied des IHK-Handelsausschusses.
MF