Gewalttat in Hanau: Regensburger unter den Toten

Bei einem mutmaßlich rechtsradikalen und rassistischen Anschlag hat ein Deutscher im hessischen Hanau neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen. Anschließend soll der 43-jährige Sportschütze seine 72 Jahre alte Mutter und sich selbst getötet haben. Wie sich im Laufe des Abends herausgestellt hat, ist ein Regensburger unter den Toten. 

Regensburg/ Hanau: Regensburger unter Opfern

 

Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) sagte am Morgen in Wiesbaden, der Generalbundesanwalt ermittle wegen des Verdachts einer terroristischen Gewalttat.

Der Mann habe eine "zutiefst rassistische Gesinnung" gehabt, sagte Generalbundesanwalt Peter Frank am Donnerstag in Karlsruhe. Das habe die Auswertung von Videobotschaften und einer Art Manifest auf dessen Internetseite ergeben. Die Todesopfer seien zwischen 21 und 44 Jahre alt gewesen und hätten Migrationshintergrund gehabt. Der Täter habe sechs weitere Menschen verletzt, einen schwer.

 

Einer der Todesopfer ist ein 34-jähriger türkischstämmiger Regensburger. Das hat der Bruder des Toten gegenüber verschiedenen Medien bestätigt. Laut dem Bruder sei der 34-Jährige vor drei Jahren nach Hanau gezogen und habe sich dort beruflich selbstständig gemacht. Am Tatort sei dieser nur zufällig gewesen. 

 

Mahnwache am Alten Rathaus in Regensburg

Die Jusos in Regensburg hatten für 19:30 Uhr zu einer Mahnwache vor dem alten Rathaus aufgerufen. Viele Menschen waren dorthin gekommen, um den Opfern von Hanau zu gedenken und ein Zeichen gegen den Rechtsterrorismus zu setzen. 

© Stefan Christoph

 

Auch die türkisch islamische Gemeinde Ditib Regensburg trauert um den Verstorbenen von Hanau.

 

Die deutsch-türkische Nachrichtenzeitschrift "Regensburg Haber" hat auf ihrer Facebookseite ein Video eines Überlebenden gepostet. Dazu heißt es, dass Geld gesammelt werde, um eine Trauerfeier für den Toten in Regensburg zu organisieren und ihn anschließend in die Türkei zu überführen. 

 

Was ist passiert?

Der mutmaßliche Todesschütze Tobias R. kommt laut den Behörden aus Hanau. Gegen 22.00 Uhr am Mittwochabend eröffnete er in einer Shisha-Bar das Feuer. Danach schoss er in einer weiteren Bar und einem Kiosk um sich. Der türkische Botschafter in Berlin teilte mit, unter den Todesopfern sei mindestens ein türkische Staatsbürger. "Drei oder vier" Opfer könnten die doppelte Staatsbürgerschaft besitzen. Zuvor war von fünf türkischen Bürgern die Rede gewesen.

Nach der Tat habe der mutmaßliche Täter in der eigenen Wohnung erst seine Mutter und dann sich selbst erschossen. Der 43-Jährige habe die Waffen legal besessen. Nach Auskunft der zuständigen Kreisbehörde hatte er 2013 eine waffenrechtliche Besitzerlaubnis bekommen, in seiner Waffenbesitzkarte seien zuletzt zwei Waffen eingetragen gewesen. Er sei Mitglied im Schützenverein Diana Bergen-Enkheim gewesen, sagte Thilo von Hagen, Sprecher des Deutschen Schützenbundes (DSB).

Der Todesschütze hat wohl allein gehandelt, bislang liegen keine Hinweise auf einen weiteren Täter vor.

 

Todesschütze hatte zuvor Videos veröffentlicht

Der mutmaßliche Täter hat vor dem Verbrechen mehrere Videos veröffentlicht. Ein Hinweis auf eine bevorstehende Gewalttat in Deutschland ist darin nicht enthalten. Der Mann spricht in in einem der Videos in fließendem Englisch von einer "persönlichen Botschaft an alle Amerikaner". Der Clip wurde offensichtlich in einer Privatwohnung aufgenommen.

Darin sagt der Mann, in den USA existierten unterirdische Militäreinrichtungen, in denen Kinder misshandelt und getötet würden. Dort würde auch dem Teufel gehuldigt. Amerikanische Staatsbürger sollten aufwachen und gegen diese Zustände "jetzt kämpfen". Er behauptet auch, Deutschland werde von einem Geheimdienst gesteuert. Außerdem äußert er sich negativ über Migranten aus arabischen Ländern und der Türkei.