Freie Wähler: „Bildung braucht Zeit“

Nur durch einen Erfolg des Volksbegehrens zum G9 könne man eine Reform des seit zehn Jahren kritisierten gymnasialen Schulsystems erreichen, waren sich alle Podiumsdiskussionsteilnehmer im Prüfeninger Schlossgarten einig. Stadt- und Kreisverband der Freien Wähler hatten zu dieser Veranstaltung eingeladen, um das Thema kurz vor Beginn der Eintragungsfrist in den Rathäusern von allen Seiten zu beleuchten. Zu Gast waren neben FW-Bildungssprecher Günther Felbinger auch die Lehrervertreter Horst Bogner (BLLV) und Norbert Schedlbauer (bpv) sowie Elternvertreter Hans-Peter Landsmann.

Auch wenn im Detail durchaus auch unterschiedliche Ansichten vertreten wurden, waren sich alle in einem Punkt einig: eine Reform des vor zehn Jahren unter der Ära Stoiber im Schnellverfahren eingeführten achtjährigen Gymnasiums ist dringend erforderlich. Landrätin Tanja Schweiger, die das Thema noch als Abgeordnete angestoßen hatte, vermisst angesichts der intensiven achtjährigen Schulzeit die Möglichkeit, viele Interessen und Engagement auch außerhalb der Schule zu entwickeln und gab zu bedenken, dass gerade diese Orientierung auch zum Erwachsenwerden gehöre.

„Das G8 ist zum Teil eine Katastrophe“, umschrieb Landsmann die Erfahrungen der Elternschaft. Anstelle eines „weichgespülten G8“ wollte er den Kindern ebenfalls mehr Zeit geben, um das Pensum schaffen zu können. Neben den Freien Wählern unterstützt auch die BayernSPD die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium.

 

Liegen die Probleme woanders?

Die CSU hingegen bekräftigte bereits Anfang des Jahres, dass sie am Konzept des G8 festhalten wolle. Schon heute biete das achtjährige Gymnasium die Möglichkeit, auf die individuellen Bedürfnisse der Schüler einzugehen: „Wir wollen, dass sich die Schüler, Eltern und Lehrer in den nächsten Jahren ohne Strukturdebatten auf die beste Bildung konzentrieren können“, so Gerhard Waschler, der in der CSU-Fraktion für die Bildungspolitik zuständig ist.

Für eine Randfrage halten dagegen die Landtags-Grünen die Debatte über die Länge der gymnasialen Ausbildung: Stattdessen müssten eine inhaltliche Reform und die Verbesserung der pädagogischen Qualität an Bayerns Gymnasien in den Mittelpunkt rücken, schreibt der stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Thomas Gehring. In eine ähnliche Richtung äußert sich auch der Präsident des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes, Klaus Wenzel: Er appelliert, keine Debatte über die Ausbildungsdauer zu führen, sondern ganz grundsätzlich über das Gymnasium zu diskutieren. „Das Problem ist nicht das G8, sondern das Gymnasium an sich. Schon dem alten G9 fehlte ein durchdachtes didaktisches und pädagogisches Konzept.“

 

Eintragen ab 3. Juli möglich

Die Eintragung zum Volksbegehren läuft derweil am 3. Juli an. Bis zum 16. Juli haben die Bürger des Freistaats zwei Wochen lang Zeit, sich auf den in den Rathäusern ausliegenden Unterschriftenlisten einzutragen. Mindestens zehn Prozent der Wahberechtigten müssen unterschreiben, damit es zu einer Abstimmung beim Volksentscheid kommt. Das wären derzeit also etwas unter einer Million Unterschriften, die benötigt werden.

In der Stadt Regensburg kann man sich in den Bürgerbüros der Stadtverwaltung und in der Kfz-Zulassungsstelle in der Johann-Hösl-Straße eintragen. Das ist immer zu den regulären Öffnungszeiten möglich. Außerdem bieten die Stellen an einem Tag eine längere Öffnungszeit sowie eine Sonntagsöffnung an. Die genaueren Angaben finden Sie in der Bekanntmachtung der Stadt Regensburg zum Volksbegehren. Die Eintragungsmöglichkeiten in allen anderen Städten und Gemeinden erfahren Sie beim für Sie zuständigen Rathaus.

 

SC