Bayern: Weniger Beanstandungen bei Lebensmittelkontrollen

Ungeachtet der Bayern-Ei-Affäre und anderer Lebensmittelskandale: In Bayern sind im vergangenen Jahr weniger potenziell gesundheitsschädliche Lebensmittel und Kosmetika aufgetaucht als im Jahr zuvor. Das geht aus dem neuen Bericht des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hervor, der am Dienstag im Landtag in München vorgestellt wurde.

Demnach beanstandeten die amtlichen Kontrolleure 2015 lediglich 143 von 68 871 Proben wegen möglicher gesundheitlicher Risiken, also etwa wegen Salmonellen oder scharfen Fremdkörpern in Lebensmitteln. Das entspricht einem Anteil von 0,2 Prozent. Zählt man Beanstandungen aufgrund der Zusammensetzung oder Kennzeichnung der Produkte hinzu, gab es Kritik an 6,8 Prozent aller Proben. 2014 waren es 8,0 Prozent.

LGL-Präsident Andreas Zapf betonte in einer Sitzung vom Umwelt- und Gesundheitsausschuss, dass die Zahlen nicht repräsentativ seien für alle Lebensmittel. Sie bezögen sich nur auf die untersuchten Proben.

Zudem wehrte sich Zapf energisch gegen «Tendenzen zur Skandalisierung», wenn es um die Lebensmittelsicherheit gehe. So stellte er infrage, ob nach dem Fund von gesundheitsgefährdenden Bakterien in Wurstwaren der oberbayerischen Firma Sieber die öffentlichen Bewertungen noch angemessen gewesen seien. Wenn hier immer impliziert würde, dass die Behörden schlaff seien oder schlampten, dann ärgere das die Kontrolleure gewaltig, betonte er.

Die SPD blieb bei ihrer Kritik. Wenn es zu Todesfällen komme, dann müsse man alle Register ziehen. «Haben Sie wirklich alle Register gezogen?», fragte der SPD-Verbraucherpolitiker Florian von Brunn.

Nicht im Jahresbericht findet sich zum wiederholten Male der Bayern-Ei-Skandal. Zapf begründete dies damit, dass noch nicht alle Untersuchungen abgeschlossen und noch immer Fragen offen seien – beispielsweise die Ursache von zahlreichen Salmonellen-Erkrankungen in Großbritannien. Eier des niederbayerischen Großbetriebs Bayern-Ei werden bislang für mehrere hundert Salmonellenerkrankungen in ganz Europa und zwei Todesfälle im Sommer 2014 verantwortlich gemacht.

Einige weitere Punkte aus dem neuen LGL-Jahresbericht im Überblick:

– Die Spezialeinheit Lebensmittelsicherheit führte 429 Kontrollen in 375 Betrieben durch. In 31 Fällen waren die festgestellten Mängel gravierend, in 19 Fällen in einem Teilbereich gravierend. Das entspricht in etwa dem Niveau der Vorjahre. Überdurchschnittlich oft waren demnach Gastronomiebetriebe und Bäckereien betroffen.

– Bei Kontrollen in Geflügelgroßbetrieben als Konsequenz aus dem Bayern-Ei-Skandal wurden meist nur geringfügige Mängel festgestellt.

– Das LGL untersuchte erneut 297 Brezn-Proben auf Aluminium – wobei in zwei Drittel der Fälle gezielt Bäckereien ausgesucht wurden, bei denen bekanntermaßen oder wahrscheinlich Aluminium-Bleche verwendet werden. 15 Prozent der Proben wiesen tatsächlich einen zu hohen Aluminium-Gehalt auf – und wurden deshalb als nicht sicheres Lebensmittel eingestuft.

– Bei 2 von 91 Maissaatgutproben wurden gentechnisch veränderte Bestandteile nachgewiesen – diese durften dann nicht ausgesät werden.

dpa