Bayern und Tschechien diskutieren über gemeinsame Bahnlinien

Bayern und Tschechien fordern von der Bundesregierung mehr Anstrengungen für den Ausbau der Schienenstrecken vom Freistaat nach Böhmen. Bayerns Innen- und Verkehrsminister Joachim Herrmann machte heute auf dem ersten gemeinsamen Bayerisch-Tschechischen Bahngipfel in Furth im Wald deutlich: „Nachdem dieses Jahr mit dem Lückenschluss der ICE-Strecke zwischen Bayern und Thüringen das letzte große verkehrliche Einheitsprojekt in Betrieb genommen wird, müssen nun endlich die beiden Eisenbahnstrecken von Nürnberg und München nach Prag im Zweiklang rasch ausgebaut werden.“ Die hochrangig besuchte Veranstaltung, an der neben Bayerns Verkehrsminister auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, Tschechiens Verkehrsminister Dan Tok, die drei Generaldirektoren der tschechischen Staatsbahnen CD, CD Cargo und SZDC sowie Bayerns Bahnchef Klaus-Dieter Josel teilnahmen, brachte neue Verbesserungen. So ist eine nahezu Verdoppelung des Zugangebots zwischen München und Prag bereits ab Ende dieses Jahres besiegelt worden.

Herrmann und Tok verkündeten auf dem Bahngipfel eine unmittelbar anstehende Verbesserung an. So sollen bereits ab dem kommenden Fahrplanwechsel zum 10. Dezember 2017 zwischen den beiden Hauptstädten zweistündliche Verbindungen in jede Richtung angeboten werden. Die Anzahl der Zugpaare erhöht sich dadurch von vier auf sieben. „Das ist ein konkretes Angebot zugunsten der europäischen Touristenhochburgen München und Prag, aber auch für die Pendler und Reisenden entlang der Strecke“, so Herrmann.

Wie Herrmann weiter mitteilte, ist die Elektrifizierung der nördlichen Hauptstrecke von Bayern aus nach Tschechien von Nürnberg über Marktredwitz zur Grenze bei Schirnding inzwischen im Vordringlichen Bedarf. Dennoch mahnte Herrmann Tempo an: „Die DB hat gerade mit der Vorentwurfsplanung für den Abschnitt von Nürnberg nach Marktredwitz begonnen, den sie bis 2019 abschließen will. Für den weiteren Abschnitt bis zur Grenze haben Bund und Bahn neu vereinbart, dass im Grenzbahnhof Schirnding ein viertes Gleis gebaut werden muss.“ Für die Schnittstelle zwischen dem deutschen und tschechischen Netz auf der Strecke von Marktredwitz bis Cheb fordert Herrmann eine schnelle Klärung.

Für die beiden anderen grenzüberschreitenden bayerisch-tschechischen Bahnstrecken, der Strecke von Selb bis Asch und der Waldbahn von Plattling nach Bayerisch-Eisenstein wollen Bayern und Tschechien die SPNV-Angebote weiter optimieren. Langfristig streben beide Länder die Elektrifizierungen auch dieser Regionalstrecken an. Ihre Ziele zur Verbesserung des grenzüberschreitenden Bahnverkehrs zwischen Bayern und Tschechien bis zum Jahr 2030 hielten Herrmann und Ťok in einer gemeinsamen Erklärung zum ersten gemeinsamen Bahngipfel fest. „Es wird Zeit, dass zwischen Bayern und Tschechien mehr Verkehr auf den Gleisen rollen kann. Der Bahngipfel hat dafür Rückenwind geliefert“, so Herrmanns Bilanz.

Herrmann und Ťok wollen außerdem die Fahrzeit für Bahngäste zwischen München und Prag von sechs auf 4 Stunden und 15 Minuten reduzieren. Mit einer eigens dafür beauftragten Machbarkeitsstudie hat Herrmann das Thema angepackt und viele Entscheidungsträger eingebunden. Das Ergebnis hat Herrmann heute auf dem Bahngipfel vorgestellt: „Von den insgesamt elf Varianten der Studie halten wir drei Varianten für sinnvoll und umsetzbar. Die bayerischen und tschechischen Stellen haben hier hervorragend zusammengearbeitet. Grenzüberschreitendes Denken wurde über das Verfolgen nationaler Ansätze gestellt“, so Herrmann. Die Schätzkosten der Varianten bewegen sich zwischen zwei und zweieinhalb Milliarden Euro. Bei allen Varianten sind auf bayerischer Seite neben der Elektrifizierung der Strecke von Regensburg bis zur Grenze zweigleisige Abschnitte zwischen Schwandorf und der Grenze notwendig, um die Zunahme beim Schienengüterverkehr abwickeln zu können. Aber auch auf tschechischer Seite sind zusätzliche Maßnahmen gegenüber dem heutigen Planungsstand notwendig.

Das Gutachten übermittelt Herrmann jetzt dem Bund, damit die aktuellen Bewertungen der Ausbaustrecke zur Grenze hinter Furth im Wald berücksichtigt werden. „Die Studie ist eine Steilvorlage für den Bund. Damit kann er den Streckenausbau im Bedarfsplan Schiene vom Potentiellen in den Vordringlichen Bedarf aufstufen. Dann sind dem Ausbau bis zur Grenze keine Grenzen mehr gesetzt“, betonte Herrmann.

Herrmann und Josel unterzeichneten außerdem eine gemeinsame Absichtserklärung des Freistaats und der DB zu den Ausbauplanungen für die Bahnstrecke zwischen Schwandorf und der deutsch-tschechischen Grenze hinter Furth im Wald. Sobald die Strecke zwischen Schwandorf und Grenze im Bedarfsplan Schiene fest verankert ist, wird der Freistaat die DB Netz mit den Planungen auf diesem Abschnitt beauftragen. Der Startschuss soll 2018 fallen. „Auch wenn wir nicht für die Planungsfinanzierung zuständig sind, machen wir das freiwillig, um das Projekt zu beschleunigen“, so Herrmann.

 

PM/LH