Fr., 26.07.2019 , 10:29 Uhr

Wirtschaft: Bayernwerk setzt auf lokale Energie

Das Bayernwerk will eine neue Energiewelt in Bayern- mit sogenannten Strommärkten in der Region. Bei einem Pressetermin gestern hat der Vorstandsvorsitzende Reimund Gotzel das Projekt vorgestellt. Strom soll dort verbraucht werden, wo er auch produziert wird. Damit soll es unabhängige Stromzellen geben- das Netz muss insgesamt nicht so stark ausgebaut werden. Allerdings geht es laut Bayernwerk trotzdem nicht ganz ohne größere Trassen- schließlich müssen auch Industriebetriebe sicher versorgt werden.

 

Die Pressemitteilung:

Als Energiewende hat man lange Jahre nur den Anstieg regenerativer Energieerzeugung verstanden. Neue Technologien machen nun die Entwicklung lokaler Energiesysteme möglich. In weitgehend selbständigen Energieeinheiten in kommunalem Rahmen leben Menschen von erneuerbarer Energie aus unmittelbarer Nähe. Ein regionales Energienetz verbindet diese Einheiten und stellt die Versorgung auf hohem Niveau sicher. Das Energieunternehmen Bayernwerk hat in einer Pressekonferenz sein Konzept der regionalen Energiezukunft Bayerns vorgestellt.

Nach den Worten des Bayernwerk-Chefs Reimund Gotzel sind es Megatrends wie Digitalisierung oder Dekarbonisierung, die die Energiewende in Deutschland in eine neue Dimension führen. „Während lange der reine Zuwachs an regenerativer Energieerzeugung im Fokus stand, trimmen Mensch und Technologie die Energiezukunft längst in eine neue Richtung“, betonte Gotzel. Der Wunsch nach Klimaschutz und Nachhaltigkeit berge das Verlangen nach Energie aus der Nähe, vor Ort erzeugt und vor Ort genutzt. Die Energiezukunft erfordert laut Reimund Gotzel unterschiedliche Antworten auf unterschiedliche regionale Gegebenheiten und gesellschaftliche Herausforderungen.

 

Neue Energiewelt im ländlichen Raum Bayerns

Das Bayernwerk sehe in seiner unternehmerischen Verantwortung eine sichere, nachhaltige und wettbewerbsfähige Versorgung von Industrie und Großstädten über starke regionale Verteilnetze, neue urbane Lösungen in Form von Arealen oder sogenannten Quartieren in größeren Städten und eine gänzlich neue Versorgungsstruktur in der Fläche Bayerns mit seinen rund 2.000 Gemeinden, Märkten und kleineren Städten. „Dort entsteht nicht weniger als eine neue Energiewelt. Digitalisierung, Speicherentwicklung und intelligente Steuerungskomponenten machen eine lokale Energiewelt möglich, in der die Menschen unter hoher Effizienz weitgehend aus eigenen regenerativen Energiequellen leben. Was dieses System so stark macht, ist nicht nur die Technologie. Es ist die gesellschaftliche Dimension. Im Miteinander organisieren die Menschen ihr Leben mit Energie und können selbst teilhaben. Sie schaffen ein nachhaltiges Lebensumfeld. Klima- und Umweltschutz werden zum Greifen nah. Es ist wie im Hofladen, in dem lokale Energieprodukte aus heimischer Erzeugung angeboten werden. Das macht das System lokaler Märkte besonders attraktiv und stark“, erklärte der Bayernwerk-Vorstandsvorsitzende. Noch sei das ein Zukunftsmodell. Doch die ersten Entwicklungen in bayerischen Kommunen seien gestartet. „Die Weichen sind gestellt, der Zuspruch ist groß. Wir sind überzeugt, dass sich diese dezentralen Strukturen durchsetzen werden. Das ist aus unserer Sicht die Energiezukunft der bayerischen Regionen“, so Gotzel. Heute gehe es in Kommunen beispielsweise darum, den Status quo zu erfassen und transparent zu machen. Dazu habe das Bayernwerk einen Energiemonitor entwickelt, der quellenscharf die aktuelle Erzeugung dem aktuellen Verbrauch gegenüberstelle.

 

Energienetze auf dem Sprung in digitale Welt

Die Vernetzung der Technologien und die Koppelung der Sektoren Energie, Wärme und Mobilität erfordern intensive Entwicklungsarbeit, insbesondere in Zusammenhang mit dem Verteilnetz. Ohne innovative Energienetze ist die Energiezukunft nicht darstellbar. Die neuen Anforderungen für das Netz schilderte Egon Westphal, Technikvorstand des Bayernwerks: „Das Netz ist schon lange mehr als ein reines Transportmittel für Strom. Eine ganze Menge an Anlagen sind heute in unser Netz angebunden. Aktuell über 280.000 dezentrale Erzeugungsanlagen, über 90.000 Wärmepumpen, 75.000 Nachtspeicherheizungen, 1.600 Ladepunkte für E-Mobilität und mehr als 12.000 Speichersysteme. Das hat mit dem Stromnetzbetrieb von gestern nicht mehr viel zu tun“, erläuterte Egon Westphal. Das Bayernwerk stehe mit dem Rollout sogenannter intelligenter Ortsnetzstationen aktuell vor einem großen Schritt in die Welt intelligenter Netze. „Rund 6.000 dieser tonnenschweren Komponenten werden wir in den nächsten Jahren in unser Netz einbauen. Damit machen wir unsere Energienetze transparent, schauen in das Innenleben, steuern und nutzen die Kapazitäten optimal aus. Und auch für die Menschen hat das ganz praktische Folgen. So vermeiden wir zum Beispiel Netzausbau in unseren Kommunen, was insbesondere den Bürgern viele Beeinträchtigungen durch Bauarbeiten ersparen wird“, so Egon Westphal.

 

Digitalisierungsoffensive schafft neue Möglichkeiten

Das Bayernwerk arbeitet laut Westphal in einer großen Vielfalt an Forschung und Entwicklung. Technologische Entwicklungsschritte erfordere zum Beispiel die E-Mobilität. Hier starte das Bayernwerk mit Audi ein umfangreiches Pilotprojekt mit dem Ziel, die Mobilitätswünsche des Fahrzeugnutzers mit den Anforderungen des Netzes durch intelligentes Lademanagement zusammenzuführen. Mit „Predictive Maintenance“ sei man über die Auswertung großer Datenmengen in der Lage, mögliche Fehler im Stromnetz rechtzeitig vorherzusagen und damit drohende Stromausfälle zu verhindern. Unter dem Namen „NEXT“ habe das Bayernwerk eine Digitalisierungsoffensive gestartet, um den eigenen Betrieb zu optimieren und neue Kundenlösungen zu entwickeln. Beispiele seien ein völlig neues Vermessungssystem, Sensorikanwendungen, der Einsatz von „Virtual Reality“ oder mobile Datenerfassungen. Westphal verwies jedoch darauf, dass trotz aller technologischer Entwicklungen Netzbau, Instandhaltung und Erneuerung unverzichtbar bleiben. „Rund 600 Millionen Euro wenden wir dafür in diesem Jahr auf“, so der Technikvorstand.

Pressemitteilung/MF

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