Di., 11.06.2019 , 08:13 Uhr

Wetter: Schwere Gewitter, Verletzte und Schäden in Südbayern

Heftige Gewitter mit Sturmböen, Starkregen und Hagel sind am Montagabend über Südbayern gezogen. Mehrere Menschen wurden durch umstürzende Bäume oder Hagelschlag verletzt. Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst wurden zu Hunderten Einsätzen gerufen.

An mehreren Orten in München und im Großraum München seien wegen Hagels viele Autoscheiben und Dachfenster zu Bruch gegangen, sagten Sprecher von Polizei und Feuerwehr. Häuser stünden wegen der Schäden unter Wasser. Zudem seien zahlreiche Bäume entwurzelt worden, Äste wurden auf Autos oder Straßen geweht. Im Stadtgebiet mit Schwerpunkt im Westen zählte die Feuerwehr gut 550 Einsätze, im Landkreis mehr als 100. Besonders viel los gewesen sei in Garching, Oberschleißheim und Unterschleißheim. Dort wurde das Volksfest nach Angaben eines Sprechers der Leitstelle geräumt – die Besucher kamen vorübergehend in einer Schule unter. Fast überall waren die Gewitter nach wenigen Minuten vorbei.

Mindestens drei Menschen seien nach ersten Erkenntnissen im Bereich Germering und Puchheim leicht durch Hagelschlag verletzt worden, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord. Auf dem Ammersee und dem Starnberger See kenterten mehrere Boote. Der Sprecher berichtete von örtlichem Hagel in Golfballgröße – vereinzelt hätten Anrufer von Tennisballgröße, also von mehr als sechseinhalb Zentimeter Durchmesser, gesprochen.

Nördlich von München erfasste ein Regenradar des Deutschen Wetterdienstes in einer Wolke einen Eisanteil von bis zu acht Zentimetern, wie ein Sprecher am späten Abend erklärte. Was bedeuten könne, dass entweder einzelne Hagelkugeln einen Durchmesser von bis zu acht Zentimetern hatten oder beispielsweise acht Hagelkörner einen Durchmesser von einen Zentimeter hatten. Wie groß die Kugeln tatsächlich waren, die auf dem Boden aufschlugen, sei mit Radargeräten nicht nachvollziehbar. Man sei auf Augenzeugen angewiesen.

Diese berichteten beispielsweise, dass auf der Autobahn 96 nahe des Ammersees tennisballgroße Hagelkörner niedergegangen seien und reihenweise Autos beschädigt hätten. Bei einigen Fahrzeugen wurden Front- und Heckscheiben eingeschlagen, bei anderen Autos Seitenspiegel und Schiebedächer in Mitleidenschaft gezogen. «Eisbrocken schlugen wie Gewehrsalven auf uns ein», sagte eine Autofahrerin aus München. «Wir fuhren von der Autobahn ab, in den Orten lagen vereinzelt Dachziegel auf der Straße. Die Straßen waren grün vor lauter abgerissenen Ästen und Blättern.»

Unwetter wüteten auch vom Ostallgäu bis nach Kempten, wie ein Polizeisprecher sagte. In Bidingen seien ein Siebenjähriger und zwei Männer durch einen umstürzenden Baum verletzt worden. Die Radfahrer hätten Schutz unter einem bereits umgestürzten Baum gesucht, als ein zweiter drauf krachte. Der Bub sei schwer, die Männer leichter verletzt worden, sagte der Sprecher. Im Ostallgäu seien zudem Straßen überschwemmt worden und weitere Bäume auf die Straßen gefallen. Nach wenigen Minuten sei an den meisten Orten das Unwetter durchgezogen.

Die schweren Gewitter wirkten sich auch auf den Bahnverkehr im Großraum München aus. Mehrere Bäume fielen auf die Gleise. S-Bahnen fuhren am frühen Abend zeitweise im gesamten Netz nicht, Züge wurden in Bahnhöfen zurückgehalten, wie aus dem Online-Informationssystem der Deutschen Bahn hervorging. Eine Sprecherin sprach von Ausfällen und Verspätungen von 20 bis 60 Minuten. Zwischen München und Freising fuhren bis in den späten Abend Ersatzbusse statt Züge. Ein Sprecher der Feuerwehr München berichtete von zwei beschädigten S-Bahn-Oberleitungen im Stadtgebiet.

Der Regionalverkehr auf der Strecke München – Landshut wurde nach Angaben der Bahn-Sprecherin eingestellt, weil ein Baum auf den Gleisen lag und eine Oberleitung abgerissen war. Wann dort der Verkehr wieder aufgenommen wird, blieb zunächst unklar.

Die Länderbahn stellte nach eigenen Angaben den Verkehr mit alex-Zügen im Großraum München ein. Züge von Regensburg kommend würden in Landshut wenden und von dort nach Regensburg zurückfahren, hieß es. Die Züge von Lindau/Oberstdorf kommend würden in Geltendorf wenden und von dort wieder zurück fahren. Ersatzverkehr mit Bussen sei wegen gesperrter Straßen nicht möglich gewesen.

Der Deutsche Wetterdienst hatte amtlich vor schweren Gewittern mit Starkregen, Hagel und starkem Wind in in Oberbayern und Schwaben gewarnt. Die Gefahr war für weite Teile des Landes auch noch nicht gebannt. Am Dienstagmorgen könne es in der Westhälfte einzelne Gewitter geben, wie ein Sprecher am späten Montagabend sagte. Zum Abend hin breiteten sich die Gewitter nach Osten aus. Dann sei wieder Hagel mit einem Durchmesser von bis zu drei Zentimetern, Starkregen von bis zu 30 Litern pro Quadratmeter und örtlich Orkanböen um die 140 km/h möglich.

Ein anderer Meteorologe betonte am Nachmittag, dass es kaum möglich sei, genau vorherzusagen, welche Orte von Unwettern getroffen werden. Gewitter mit Hagel, Starkregen und Sturm träten typischerweise sehr lokal auf und träfen mit voller Intensität nur wenige Orte.

Foto: Symbolbild

dpa

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