Di., 27.01.2026 , 11:05 Uhr

Weniger Vögel bei Winterzählung – LBV meldet anhaltenden Rückgang

Trotz eisiger Temperaturen haben in Bayern rund 29.600 Vogelfreundinnen und -freunde an der diesjährigen „Stunde der Wintervögel“ teilgenommen. Gezählt wurden dabei über 626.000 Vögel in mehr als 21.300 Gärten und Parks. Die Zahlen zeigen jedoch einen weiteren Rückgang der beobachteten Tiere – im Schnitt wurden nur 29 Vögel pro Garten erfasst, etwa zwei weniger als im Vorjahr. Auch viele sonst häufige Arten wurden seltener gesichtet. Der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) spricht von einem besorgniserregenden Trend.

Vom 9. bis 11. Januar 2026 hatten Schneefall und Kälte eigentlich gute Voraussetzungen für die Aktion geschaffen. Dennoch blieben viele der erwarteten Wintergäste wie Bergfinken oder Erlenzeisige aus. Damit fehlten große Schwärme, die in den Vorjahren den Durchschnittswert angehoben hatten. LBV-Biologin Dr. Angelika Nelson weist jedoch darauf hin, dass sich auch unabhängig davon ein schleichender Rückgang in der Vogelwelt zeigt – sowohl bei der Anzahl als auch bei der Artenvielfalt.

Lebensräume und Insekten fehlen

Die Ursachen für den Rückgang sind laut LBV vielschichtig. Besonders der Verlust geeigneter Lebensräume und der Mangel an Insekten zur Jungenaufzucht machen vielen Vogelarten zu schaffen. Immer häufiger berichten Teilnehmende von ehemals häufigen Arten, die aus ihren Gärten verschwinden.

Die zehn häufigsten Wintervögel in Bayern

An der Spitze der Rangliste steht wie in den Vorjahren der Haussperling, gefolgt von Kohlmeise und Feldsperling. Die Amsel, die in diesem Winter stark von den Futterstellen profitierte, kletterte auf Platz vier. Es folgen Blaumeise, Buchfink, Elster, Grünfink, Rotkehlchen und Rabenkrähe. Auffällig ist das Fehlen des Bergfinks, der 2025 noch unter den Top Ten war.

Kraniche und Kormorane überraschen Beobachtende

Neben den üblichen Arten sorgten auch ungewöhnliche Sichtungen für Aufsehen: So wurden in Nordbayern fliegende Formationen von Kranichen beobachtet – ein seltener Anblick im Winter. Aufgrund des Kälteeinbruchs zogen diese offenbar kurzfristig weiter nach Süden. Auch Kormorane versammelten sich auf der Suche nach eisfreien Gewässern.

Unerwartete Wintergäste: Wiedehopf, Zippammer und Co.

Für besondere Aufmerksamkeit sorgten vereinzelte Meldungen von Wiedehopf, Zippammer, Bekassine und Brachvogel – allesamt Arten, die normalerweise in wärmeren Regionen überwintern. Besonders der Wiedehopf, ein Insektenfresser mit typischer Federhaube, wurde mehrfach gesichtet, unter anderem mit Fotobeweis aus dem Landkreis Forchheim in Oberfranken. Diese Beobachtungen werfen Fragen zur Anpassung der Vogelarten an den Klimawandel auf.

Nächste Zählung im Mai

Die nächste große Mitmachaktion des LBV und seines bundesweiten Partners NABU steht bereits fest: Vom 8. bis 10. Mai 2026 sind wieder alle Vogelfreundinnen und -freunde aufgerufen, bei der „Stunde der Gartenvögel“ mitzumachen. Dann liegt der Fokus auf den Brutvögeln in Gärten und Parks.

LBV / SP

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