Di., 01.12.2015 , 09:04 Uhr

Was macht eigentlich Benedikt XVI.?

Fast drei Jahre ist es her, dass Papst Benedikt XVI. mit seinem Rücktritt die Welt überraschte. Mittlerweile lebt Joseph Ratzinger zurückgezogen im Vatikan, die öffentlichen Auftritte werden weniger. Doch langweilig wird es dem emeritierten Papst trotzdem nicht.

 

 

In der Öffentlichkeit sieht man Joseph Ratzinger nur noch selten. Seit seinem Rücktritt im Februar 2013 lebt der emeritierte Papst Benedikt XVI. zurückgezogen, tritt kaum noch öffentlich auf. Zwar fehlt dem 88-Jährigen mittlerweile die Kraft für wissenschaftliche Werke oder Reisen - doch langweilig ist sein Leben hinter den Mauern des Vatikans nicht.



Benedikt schreibt Briefe, empfängt Gäste, spielt Klavier und geht viel spazieren. «Es ist gut, wenn man noch eine Aufgabe hat und nicht zur Langeweile verurteilt ist», sagt sein Bruder Georg Ratzinger der Deutschen Presse-Agentur.

 

Im Februar 2013 überraschte Benedikt XVI. mit seinem Rücktritt die Welt. Nach knapp acht Jahren an der Spitze der katholischen Kirche trat er als erster Papst der Neuzeit freiwillig zurück. Seitdem lebt Joseph Ratzinger zurückgezogen, aber über die aktuellen Geschehnisse im Vatikan ist er noch immer gut informiert. «Er hält sich auf dem Laufenden», verrät sein Bruder Georg. «Aber er hat sein Amt abgegeben und will seinem Nachfolger nicht in den Rücken fallen», meint der 91-Jährige. «Es soll nicht zwei Päpste nebeneinander geben.»

Gerade das ist Benedikt besonders wichtig. Bei der Familiensynode im vergangenen Jahr gab es Gerüchte, konservative Kreise versuchten, Benedikt für ihre Interessen zu gewinnen. Die Aktualisierung eines Aufsatzes über die Frage der Zulassung Geschiedener zur Kommunion sorgte ebenfalls für Aufsehen und entfachte eine Debatte über einen «Schattenpapst» im Vatikan. Benedikt selbst nannte die Diskussion «völligen Unsinn». «Ich versuche, so still zu sein wie nur möglich», sagte er der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» vor einiger Zeit.

Von Ratzinger sind ohnehin keine wissenschaftlichen Werke oder gar ein theologisches Vermächtnis mehr zu erwarten. «Seine Arbeitskraft hat nachgelassen», berichtet Georg Ratzinger, der von 1964 bis 1994 Leiter der Regensburger Domspatzen war und in der Domstadt seinen Ruhestand verbringt. «Sie reicht nicht mehr aus, um noch etwas Gewichtiges abzufassen.»


 

Auch Reisen unternimmt das einstige Kirchenoberhaupt nicht mehr, von gelegentlichen Kurzvisiten in der Sommerresidenz Castel Gandolfo abgesehen, wo er dieses Jahr zwei Wochen verbrachte. «Er verlässt Rom nicht mehr», sagt Georg Ratzinger.

Auch im hohen Alter von 88 Jahren ist Benedikt, der zurückgezogen im Kloster Mater Ecclesiae im Vatikan lebt, Frühaufsteher. «Jeden Tag um 7.00 Uhr liest er in seiner Hauskapelle die Heilige Messe», berichtet Georg Ratzinger. Noch vor dem Frühstück betet der frühere Papst das Brevier, das allen katholischen Priestern auferlegt ist. Nach dem Frühstück ist Schreibtischarbeit angesagt. «Er bekommt sehr viele Briefe.» Eine deutsche Ordensschwester hilft bei der Korrespondenz.

 

 

Der Nachmittag ist zunächst für Besuche reserviert. Georg Ratzinger: «Es gibt so viele Anfragen, dass er Schwierigkeiten hat, alle unterzubringen.» Bischöfe, Kardinäle, Wissenschaftler und Staatsmänner wollten den Papst im Ruhestand treffen. Bei der Auswahl hilft Benedikts Privatsekretär, Erzbischof Georg Gänswein, der auch die Audienzen des amtierenden Papstes Franziskus koordiniert.

Danach betet Benedikt bei einem Spaziergang zur Lourdesgrotte in den Vatikanischen Gärten den Rosenkranz. Allerdings machen die Füße nicht mehr recht mit. «Er hat ziemliche Schwierigkeiten beim Gehen», sagt Georg Ratzinger. «Er benutzt deshalb einen Rollator.» Ein Fixpunkt im Tagesablauf sind die Fernsehnachrichten um 20.00 Uhr. Danach zieht sich der emeritierte Papst wieder zurück zum Gebet.

Im vergangenen Jahr meldete sich Benedikt erstmals seit langer Zeit wieder selbst zu Wort. Bei der Verleihung einer Ehrendoktorwürde hielt er im Juli eine Rede und sprach unter anderem über die Bedeutung abendländischer Musik. Denn die Musik spielt auch im täglichen Tagesablauf des emeritierten Papstes noch immer eine große Rolle. Gelegentlich spielt der Musikliebhaber vor dem Zubettgehen ein wenig Klavier - am liebsten Werke von Wolfgang Amadeus Mozart.

Zum Nikolausfest am 6. Dezember darf sich Benedikt wieder über das alljährlich von seinem Bruder geschickte Paket mit Lebkuchen freuen. Beide Brüder mögen Süßes. Vom 28. Dezember bis 6. Januar 2016 - wie immer zum Jahreswechsel - besucht der ältere den jüngeren Bruder. Dann sitzt der studierte Musiker Georg Ratzinger am Klavier: «Wenn ich bei ihm bin, muss ich ihm jeden Tag ein Lied vorspielen.»

dpa

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