Mo., 27.05.2019 , 13:36 Uhr

Waldmünchen: Kreiswerke Cham informierten über Photovoltaik, Speicher und E-Mobilität

Die zentrale Botschaft beim Kreiswerketag in Waldmünchen war Eigenverbrauch, Eigenverbrauch, Eigenverbrauch. Wovon? Bei der Nutzung von Strom aus der eigenen Photovoltaikanlage. Ein sehr interessiertes Publikum verfolgte die Ausführungen des Fachberaters und Projektierers im Bereich erneuerbarer Energien, Dipl. Ing. Hans Urban aus der Gemeinde Haag bei München.

Beim Betrieb von Heim-Photovoltaikanlagen ist es ohne Speicher schwierig, auf einen Anteil von mehr als 30% Eigenstrom im Haushalt zu kommen. Dennoch gibt es Möglichkeiten, den Anteil maßgeblich zu steigern. Um diesen Weg zu gehen, motivierte der Referent die Teilnehmer mit einer spürbaren Begeisterung und vielschichtiger, eigener Erfahrung. Mit einer kurzen Darstellung unserer weltweiten Situation im Klimawandel zog er seinen Faden weiter zur dringenden Notwendigkeit zu einem Umdenken und Handeln in eine möglichst emissionsfreie Energieversorgung, sowohl im privaten Haushalt als auch bei der Mobilität.

Vergleicht man die Umwandlungskette von der über Zeitalter andauernden Entwicklung von Erdöl und Erdgas im Boden über die Handelsketten und Verfeinerung zum häuslichem Brennstoff und dem direkten Weg der Sonnenenergie über ein PV-Modul in Haus, so spricht allein schon die Logik für eine Neuorientierung. Auch die Kosten sind nicht zu verachten: Wird der Strom aus der Steckdose aktuell etwa mit 30ct pro Kilowattstunde bezahlt, so liegen die Kosten für die gleiche Energiemenge aus der eigenen Anlage inzwischen bei 8-10ct. Zudem entsteht eine beachtliche Wertschöpfung in der Region, wenn die Energieversorgung lokal umgesetzt wird.

Nun ist es nicht ganz einfach, in einem normalen Haushalt mehr als 30% des selbst erzeugten Stromes zu verbrauchen. Das liegt daran, dass die Anlage z.B. tagsüber Energie anbietet, aber der Bedarf nicht durchgehend vorhanden ist. Andererseits liegt abends und im Winter ein Bedarf vor, den aber die Anlage kann nicht liefern kann. Um diese Zeitverschiebung auszugleichen, kann ein elektrischer Speicher hinzugefügt werden, der die Energie dann wieder abgibt, wenn sie benötigt wird, in der Regel Stunden später. Dennoch übertrifft auch bei einer gut ausgelegten PV-Anlage die mögliche Produktion den Verbrauch.

Hier bringt Urban die Elektromobilität ins Spiel. Um den Überschuss an Energie nicht ins Netz abzugeben, sondern selbst zu nutzen, kann über ein modernes Lademanagementsystem ein Elektroauto mit Sonnenstrom aufgetankt werden. Nach seinen Berechnungen ist die Kilowattstunde Strom im Elektrofahrzeug etwa 36 ct wert, wenn man die aktuellen Spritpreise zum Vergleich heranzieht. In dieser Kombination kann der Eigenverbrauch aus der Anlage auf 80% und vielleicht sogar darüber hinaus steigen. Im Übrigen sei ein Elektrofahrzeug inzwischen schon nach 10 Jahren günstiger als ein Verbrenner, wenn man die eingesparten Kraftstoffkosten mit hineinrechnet. Die Energie für 100 gefahrene Kilometer kostet aktuell etwa 2 €.

Weiter ging Urban darauf ein, dass es bereits im letzten Jahrhundert vereinzelte Elektrofahrzeuge gegeben hat. Darüber hinaus werden weltweit in immer mehr Städten, auch in Deutschland, Elektrobusse eingesetzt. Die chinesische Stadt Shenzhen hatte bereits Anfang 2018 komplett auf Elektrobusse umgestellt und betreibt allein über 16.000 Fahrzeuge dieser Art.

Im Anschluss moderierte Matthias Wiedemann vom Zukunftsbüro die rege Frage- und Antwortrunde. Hier wurden Themen wie power-to-heat, also Sonnenstrom zur Warmwassererzeugung, angesprochen, ebenso wie die wirtschaftliche Rentabilität von Speichern bis zur steuerrechtlichen Betrachtung der Eigenstromversorgung. Dabei kann jedem Akteur nur geraten werden, sich vorher über steuerliche Möglichkeiten zu informieren.

Einen kurzen Gastbeitrag bot Landrat Franz Löffler, indem er dem Publikum mitteilte, dass im Rahmen des Energiedialogs in der bayerischen Staatsregierung eine neue Speicherförderung für Privathaushalte diskutiert wird und gute Chancen bestehen, dass dieses Jahr noch Gelder dafür zur Verfügung stehen.

Zum Abschluss der Veranstaltung erhielt der Referent für seine anspornenden und fachlich kompetenten und umfassenden Ausführungen ein kleines Dankeschön in Form einer Flasche Kreiswasser. Denn sein grundsätzliches Motto zu diesem Thema ist frei nach Erich Kästner, „es gibt nichts Gutes, außer man tut es“.

 

Pressemitteilung Kreiswerke Cham

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