Fr., 05.10.2018 , 08:15 Uhr

Trockener Sommer bringt kleinere Zuckerrüben - Preise im Keller

Bayerns Bauern sind mit der diesjährigen Zuckerrübenernte nicht zufrieden. Im Norden des Freistaats hat der trockene Sommer die Rüben schlecht wachsen lassen. «Der geringe Regen hat dazu geführt, dass unsere Rüben ab Mai permanent Wassermangel hatten», sagte der Geschäftsführer des Verbandes Süddeutscher Zuckerrübenanbauer, Fred Zeller, der Deutschen Presse-Agentur. Er rechnet damit, dass der Zuckerertrag aus der diesjährigen Ernte 15 bis 20 Prozent geringer sein wird als im Vorjahr. Südlich der Donau habe es mehr Regen gegeben; die Ernte falle dort durchschnittlich aus.

Seit einigen Tagen werden die ersten Rüben aus der Erde geholt und zu den Zuckerfabriken gefahren. Bis Mitte Januar wird dort aus den Rüben der Zucker herausgeholt. In Bayern bauen gut 8000 Landwirte auf etwa 65 000 Hektar Zuckerrüben an. Das sind 15 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Ein Grund dafür ist die Liberalisierung des Zuckermarktes. Seit einem Jahr wird nicht mehr von der Europäischen Union geregelt, wie viel Zucker in Deutschland produziert werden darf. Gleichzeitig gibt es keinen Mindestpreis mehr. Viele nutzten das und bauten ihre Anbauflächen aus.

Im Moment ist der europäische Markt überversorgt. Die Preise sind entsprechend im Keller. «Der Preis pro Tonne Weißzucker liegt bei unter 350 Euro», sagte Zeller. «Für 35 Cent für ein Kilogramm Zucker kann niemand in Europa kostendeckend arbeiten.» Kostendeckend sei die Arbeit für Zuckerfabriken und Landwirte erst ab 450 Euro pro Tonne. In Bayern sollen deshalb im kommenden Jahr die Zuckerrübenflächen wieder um sechs Prozent reduziert werden.

Die Verbraucher profitieren von dem Überangebot. In den Supermärkten sind die Zuckertüten günstiger geworden. Zeller gibt allerdings zu bedenken: «Der Deutsche kauft nur zehn Prozent des Zuckers, den er verzerrt, in Tüten. Der Rest steckt im Essen. Und Schokolade, Eiscreme, Cola und Co. sind nicht billiger geworden.» 37,9 Kilogramm Zucker verzehren die Menschen in Deutschland im Jahr – und damit mehr als der EU-Durchschnitt von 34,7 Kilogramm.

Das eher feuchte Jahr 2017 war für die Landwirte ein sehr gutes Rübenjahr. Wo die Felder heuer zu trocken waren, sind die Rüben entsprechend weniger gewachsen. «Die Anzahl der Rüben pro Hektar ist ungefähr gleich, aber sie sind viel kleiner», sagte Zeller. Die Rüben enthielten zwar viel Zucker, den Größenunterschied gleiche das allerdings nicht aus.

Eine Zuckerrübe besteht seinen Schätzungen zufolge in diesem Jahr etwa zu 20 Prozent aus Zucker, zu 60 Prozent aus Wasser. Das Rübenmark wird in den Zuckerfabriken zu Rübenschnitzeln getrocknet und als Tierfutter verkauft.

dpa

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