Do., 15.04.2021 , 11:41 Uhr

Studienergebnisse: Corona-Dunkelziffer in Tirschenreuth 2020 bei 80 Prozent

Vergangenes Jahr war der oberpfälzische Landkreis Tirschenreuth zeitweise der größte Corona-Hotspot Deutschlands. Bei einer Studie sollte unter anderem die Dunkelziffer der Coronainfektion in der Region erfasst werden. Jetzt wurden die Zwischenergebnisse dieser Studie vorgestellt: In der ersten Hälfte 2020 sind 80 Prozent der Corona-Infektionen unerkannt geblieben. 

Die Dunkelziffer der Sars-CoV-2-Infizierten im Landkreis Tirschenreuth lag in der ersten Jahreshälfte 2020 bei 80 Prozent - zu diesem Ergebnis kommt eine wissenschaftliche Studie, die im Frühjahr 2020 im damaligen Corona-Hotspot Tirschenreuth gestartet worden war. Demnach kamen auf eine Person, bei der eine Infektion mittels Test registriert worden war, vier Personen, die Antikörper aufwiesen und somit infiziert waren, ohne es gewusst zu haben.

Den Berechnungen nach hatten bis Juni 2020 8,6 Prozent der Bevölkerung im Landkreis Tirschenreuth eine Sars-CoV-2-Infektion durchlaufen. Am höchsten war die Dunkelziffer mit 92 Prozent unentdeckter Infektionen in der Altersgruppe der 14- bis 20-Jährigen. Bei den Menschen ab 85 Jahren lag sie bei 41 Prozent.

2,5 Prozent der Infizierten starben zwischen Februar und Juni 2020 an oder mit einer Covid-19-Erkrankung. 0,5 Prozent der Verstorbenen waren jünger als 60 Jahre, 14 Prozent stammten aus der Altersgruppe der 70- bis 79-Jährigen. 45 Prozent der Verstorbenen lebten in Senioren- und Pflegeheimen.

Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass sowohl Alter als auch Betreuungssituation Einfluss auf die Sterberate im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion hatten und die Dunkelziffer unter jüngeren Menschen besonders hoch war. Das stütze die aktuelle Teststrategie, die Jugendliche einbezieht, sowie die bevorzugte Impfung von Menschen ab 70 Jahren und von Personal in Pflege- und Heilberufen.

Per Zufallsprinzip waren für die Studie 6600 Menschen ab 14 Jahren ausgewählt und um Teilnahme gebeten worden, 4200 von ihnen (64 Prozent) hätten mitgemacht, teilten die Studienleiter am Mittwoch mit. In Auftrag gegeben hatte die Studie im vergangenen April das bayerische Wissenschaftsministerium, durchgeführt wird sie von Fachleuten der Universitätskliniken Regensburg und Erlangen. Die Studie läuft noch, weitere Ergebnisse sollen folgen.

Den Angaben nach war Tirschenreuth bis Herbst 2020 bei mehr als 1500 registrierten Infektionen pro 100 000 Einwohnern der am stärksten von Corona betroffene Landkreis in Deutschland. Am Mittwoch war Tirschenreuth nach Zahlen des Robert Koch-Institutes (RKI) mit 94,4 der Landkreis mit der zweitniedrigsten Inzidenz in Bayern. Lediglich der Landkreis Miltenberg hatte mit 76,1 eine niedrigere Inzidenz.

Umfassende Ergebnisse zur Studie finden Sie auf der Homepage des Landkreises Tirschenreuth. 

 

dpa/MB

 

Ein Teil unserer Berichte zum Thema

Regensburg: Studie zur Corona-Dunkelziffer im Landkreis Tirschenreuth
Noch VOR der bayernweiten Ausgangs-Beschränkung hat der Landkreis Tirschenreuth für Mitterteich eine Ausgangssperre erlassen. Die Einwohner durften die Stadt beispielsweise nur noch verlassen, um in die Arbeit zu fahren. Der Grund für die strikten Verbote: auf 100.000 Einwohner gerechnet waren hier die meisten Menschen infiziert. Deutschlandweit!

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