Mi., 10.03.2021 , 18:48 Uhr

Studie zu Pollenflug und Coronavirus verunsichert Patienten

Eine Studie über eine mögliche Erhöhung des Corona-Risikos bei starkem Pollenflug führt bei bestimmten Patienten zu Verunsicherung. Verbände und Einrichtungen berichteten am Mittwoch über viele Anfragen insbesondere von Asthmatikern.

Die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (PID) teilte mit, es habe besorgte Anfragen von Menschen gegeben, die an einem Heuschnupfen oder Asthma leiden. «Allergiker und Nichtallergiker sollten keine Sorgen oder gar Ängste entwickeln, durch den Kontakt mit Pollen in der Außenluft bevorzugt eine Infektion mit Coronaviren zu erleiden», erläuterte die Stiftung.

Telefone und Video-Sprechstunden bei den deutschen Allergologen liefen heiß, seit über die Studie berichtet wurde, sagte der Präsident des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen, Ludger Klimek. «Ich glaube nicht, dass die Studie für die Allgemeinbevölkerung eine Aussage über ein erhöhtes Corona-Risiko bei Pollenflug zulässt.» Bei Pollenallergikern mit geschädigten Schleimhäuten könne das Infektionsrisiko erhöht sein. Bei gut behandelten Allergikern sei dies aber nicht der Fall.

Die in der internationalen Studie unter Leitung von Forschern der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München vorgelegten Daten klängen zunächst überzeugend und höchst beunruhigend, sagte Klimek. Die Pollen seien in der im Fachmagazin «Proceedings of the National Academy of Sciences» («PNAS») veröffentlichten Studie aber nur einer von vielen möglichen Einflussfaktoren auf das Infektionsgeschehen.

Die Forscher hatten Daten zu Pollen und Infektionsraten aus 130 Regionen in 31 Ländern im Frühjahr 2020 analysiert. An Orten ohne Lockdown-Regelungen stieg die Infektionsrate im Schnitt um vier Prozent, wenn sich die Anzahl der Pollen in der Luft um 100 pro Kubikmeter erhöhte. Die täglichen Infektionsraten korrelierten mit der Pollenzahl in Ländern mit und ohne Lockdown.

Allerdings fielen damals Pandemie und Pollensaison vielerorts zusammen. Christian Bergmann von der Charité in Berlin sagte dazu, die Forscher hätten die bestverfügbaren Daten verwendet, aber exakte Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung ließen sich nicht klären.

Klimek und Bergmann verwiesen auf eigene Daten, die nicht nur die erste Welle der Pandemie im Frühling 2020, sondern das ganze Jahr für Berlin, Wiesbaden und München betrachten. Darin hätten sie in der Frühblüher-Saison 2020 einen ähnlichen Zusammenhang zwischen Pollenflug und Infektionszahlen erkannt. «In der zweiten Welle im Herbst/Winter 2020 jedoch steigen die Infektionszahlen sogar noch deutlich stärker und schneller an als in der ersten Welle, jedoch fehlt hier der Pollenflug weitgehend.»

dpa

 

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