Mo., 21.07.2025 , 18:18 Uhr

Starke Handwerkskammer mit überregionaler Strahlkraft

„125 Jahre Handwerkskammern“: Dieses Jubiläum feierten die Mitglieder der Vollversammlung der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz zusammen mit zahlreichen Ehrengästen am Freitag im Rahmen ihrer turnusgemäßen Sitzung.

„Die Aus- und Weiterbildung ist – neben der Selbstverwaltung, Beratung und der Interessensvertretung – ein ganz wesentlicher Pfeiler der vielfältigen Aufgaben einer Handwerkskammer, einer, auf den wir allergrößten Wert legen“,

sagte HWK-Präsident Dr. Georg Haber auf der Festveranstaltung in der Regensburger Kammerhauptverwaltung.

„Wir sehen uns als ,Bildungskammer‘, die unsere Handwerker nicht nur aus- und weiterbildet, sondern die auch bundesweit immer ganz vorne mit dabei ist, wenn es um technische Innovationen geht, beispielsweise mit unserem aktuellen Projekt ,KINO – Künstliche Intelligenz im Handwerk Niederbayern-Oberpfalz‘.“

Vielfältige Aufgaben

In seinem kurzen Blick in die Historie der Handwerkskammern machte Haber deutlich, dass die Kammern im Jahr 1900 auf dem Gebiet des damaligen Deutschen Reichs vor allem deshalb gegründet wurden, weil die Qualität der Ausbildung verbessert und die schrankenlose Gewerbefreiheit eingedämmt werden sollten. Damals wie heute habe es einen enormen Fachkräftebedarf im Land gegeben.

Für die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz stehe die bestmögliche Qualifikation des Handwerkernachwuchses auch heute ganz oben auf der Agenda:

„Handwerk vereint Tradition und Moderne, um unser duales Ausbildungssystem werden wir weltweit beneidet, die Qualität unserer Handwerksausbildung ist sensationell. Kurzum: die Handwerkskammern machen hier einen sehr guten Job. Ihre Einführung vor 125 Jahren hat sich bewährt.“

Die Aufgaben der Handwerkskammern seien im Laufe der Jahre „schier explodiert“. Haber nannte als einige Beispiele das Führen der Handwerks- und der Lehrlingsrolle, die Durchführung von Prüfungen, die Bestellung von Sachverständigen, die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung, Betriebsberatung, Rechtsberatung, Außenwirtschaft und die Interessensvertretung. Vor diesem Hintergrund sei die Fusion der Handwerkskammern Niederbayern und Oberpfalz am 1. Januar 1974 „eine strategisch gute und richtige Entscheidung“ gewesen.

„Sie hat aus uns eine Handwerkskammer gemacht, die weit über die Region hinaus eine Schlüsselstellung einnimmt“,

so Haber.

Starke demokratische Legitimation

Festredner Professor Dr. Martin Burgi, Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, Wirtschaftsverwaltungsrecht, Umwelt- und Sozialrecht an der Ludwig-Maximilians-Universität München, bezeichnete die Handwerkskammern in seinem Vortrag als „hidden champions“.

Burgi wörtlich:

„Die Handwerkskammern sind Orte, in denen sich Staat, Wirtschaft und Gesellschaft immer wieder neu begegnen. Dies unterscheidet sie kategorial von Wirtschaftsverbänden, die in der Regel reine Lobbyverbände sind.“

Ein echtes Alleinstellungsmerkmal der Handwerkskammer als Wirtschaftskammer und Körperschaft des öffentlichen Rechts sei „ferner die Verbindung der Betriebsinhaber mit den Arbeitnehmern in ein und derselben Kammer“:

„Dies verkörpert auf der institutionellen Ebene das, was jeder einzelne Handwerksbetrieb in der täglichen Praxis lebt, nämlich eine soziale und wirtschaftliche Einheit.“

Der Juraprofessor sieht die Wirtschaftskammern in Deutschland „auf europa- und verfassungsrechtlich sicherem Boden“. Auch verfügten sie über eine starke demokratische Legitimation:

„Ihre Verantwortungsträger sind allesamt von der Vollversammlung gewählt worden, diese verabschiedet den Haushaltsplan und entscheidet über die Höhe der Beiträge“.

Die Handwerkskammern, so Professor Martin Burgi weiter, leisteten einen unverzichtbaren Beitrag bei der Aus- und Weiterbildung und somit auch zur Sicherung des Wirtschaftsstandortes Deutschland:

„Konkret können das, was die Hochschulen im Bereich der akademischen Bildung sind, die Handwerkskammern im Bereich der beruflichen Bildung sein – mit allen Konsequenzen für das eigene Selbstverständnis, ihren Aufgabenkreis und dessen Finanzierung. Als Stichwort sei hier nur die Weiterentwicklung der Berufsbildungszentren zu ,Hochschulen für die berufliche Aus- und Weiterbildung‘ oder auch zu ,Berufshochschulen‘ in den Raum geworfen.“

Lob vom Wirtschaftsminister

Lob für die Arbeit der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz gab es bei der Festveranstaltung auch von Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger:

„125 Jahre Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz – das ist ein stolzes Jubiläum. Die HWK ist eine Institution, die das Handwerk in Ostbayern über Generationen hinweg geprägt und gestärkt hat“,

so der Staatsminister. Das Handwerk sei heute mehr denn je Motor für Innovation, Ausbildung und regionale Wertschöpfung.

Auch Aiwanger unterstrich die Innovationskraft der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz:

„Die HWK zeigt, wie digitale Technologien und Künstliche Intelligenz bereits heute zum Alltag vieler Betriebe gehören: mit Projekten wie ‚5G für Handwerk und Mittelstand‘ oder ‚KINO Handwerk‘. Vom intelligenten Chatbot über die automatisierte Lagerhaltung bis hin zu KI-gestützten Prozessanalysen, gerade für kleine und mittlere Unternehmen bietet KI enorme Chancen. Mit dem Digitalbonus, der seit Juli 2024 gezielt auch KI und Robotik fördert, unterstützen wir das Handwerk ganz konkret auf dem Weg in die digitale Zukunft. Wir freuen uns auf die nächsten 125 Jahre High-Tech aus dem Kammerbezirk Niederbayern-Oberpfalz.“

 

PM HWK Niederbayern-Oberpfalz

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