Di., 13.06.2017 , 13:26 Uhr

Sonnwendfeuer werden zu Scheiterhaufen für Tiere

Der längste Tag des Jahres rückt immer näher und mit ihm ein schöner aber auch gefährlicher Brauch. Denn am 21. Juni brennen wieder die sogenannten Sonnenwend- oder auch Johannisfeuer. Gefährlich ist der Brauch für Igel und andere Tiere. Denn: „Viele bedenken nicht, dass der aufgeschichtete Holzhaufen ideale Versteckmöglichkeiten für Kleintiere oder sogar einen sicheren Brutplatz für Vögel bietet. Diese Tiere und ihr Nachwuchs kommen dann jedoch in den Flammen qualvoll ums Leben“, weiß LBV-Igelexpertin Martina Gehret. Der LBV rät daher zur Vorsicht, wenn es um das vorschnelle Anzünden derartiger Totholzhaufen geht.  Hilfreiche Tipps, wie jeder das traditionelle Feuer genießen kann, ohne dass dabei Igel und Co. ihr Leben lassen müssen, gibt es auch auf www.lbv.de/feuer.

Die aufgeschichteten Holzhaufen bieten ideale Lebensbedingungen und Tagesverstecke für Waldeidechse, Waldspitzmaus und Igel. Auch Vögel wie der Zaunkönig, das Rotkehlchen oder die Heckenbraunelle leben und nisten gerne darin. „Die Tiere lieben diese Totholzhaufen, weil sie einem Schlaraffenland gleichen. Für die Insektenfresser tummeln sich darin Nahrungstiere wie Spinnen, Regenwürmer und viele weitere Insekten“, weiß Gehret. Wird dieser Lebensraum verbrannt, ist das mehr als dramatisch, denn die meisten Igel und auch viele andere Tiere flüchten nicht. In der Folge werden sie deshalb oftmals einfach mitverbrannt.

Berücksichtigt man aber ein paar Tipps, kann relativ unbedenklich gefeiert werden. Bereits beim Aufschichten des Brennmaterials kann man einiges richtigmachen. Der Haufen sollte vom Boden aus die ersten 50cm nur locker aufgeschichtetes Material wie dicke Stämme und Äste enthalten. Dies macht es beispielsweise für eine Igelmutter uninteressanter ein Igelnest anzulegen. „Das Brennmaterial sollte außerdem möglichst erst am Tag des Feuers aufgeschichtet oder kurz vor dem Abbrennen nochmals umgeschichtet werden. Das rettet nicht nur Vögeln und Igeln das Leben, sondern auch nützlichen Garteninsekten“, so die LBV-Expertin. Damit sich Tiere erst gar nicht einnisten, kann ein Ultraschallgerät, wie zum Beispiel ein Marderschreck eingesetzt werden. Wird der aufgeschichtete Reisighaufen mit einem Netz oder engmaschigen Zaun versehen, werden zumindest Igel und größere Säuger abgehalten und so gerettet. Als Notfallplan, wenn ein Umschichten nicht möglich ist, sollten die untersten 50cm wenigstens kurz mit einem Gartenschlauch gewässert werden.

Darüber hinaus bieten immer mehr Landratsämter und Städte mittlerweile Informationen und Merkblätter für ein gelungenes Sonnwendfeuer ohne Schaden für die Tier- und Pflanzenwelt. Denn die Rechtslage ist in diesem Zusammenhang durchaus eindeutig: Ist bekannt, dass länger aufgeschichtete Holz- oder Reisighaufen von Tieren als Brut- und Wohnstätte genutzt werden, dürfen diese nicht mehr durch Abbrennen zerstört werden. Denn Wildtiere sind durch das Bundesnaturschutzgesetzt geschützt. „Beobachten genügend Zeugen den Flammentod von Wildtieren, kann es für den Veranstalter teuer werden, denn derartige Ordnungswidrigkeiten können mehrere tausend Euro kosten“, sagt Martina Gehret.

Alle Infos zu Gefahren für Tiere bei Feuern finden Sie auch im Internet unter www.lbv.de/feuer

 

PM/LH

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