Di., 11.07.2017 , 13:24 Uhr

Siemens-Kreise: Turbinen-Transport auf die Krim hat Folgen

Nach dem Bekanntwerden vertrags- und sanktionswidriger Turbinen-Transporte auf die Krim stellt der Elektrokonzern Siemens seine Geschäfte in Russland auf den Prüfstand. «Man muss sicherlich überlegen, was das für die Beziehungen zwischen Siemens und dem Land bedeutet, da kann man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen», hieß es am Dienstag in Unternehmenskreisen. «Das wird sicherlich nicht ohne Wirkungen auf bestehende Konstellationen bleiben.» Es gelte aber besonnen vorzugehen.

Am Vortag hatte Siemens erklärt, dass mindestens zwei von Siemens nach Russland gelieferte Gasturbinen vertrags- und sanktionswidrig auf die Krim weitertransportiert worden seien. «Dieses Vorgehen stellt einen klaren Bruch der Lieferverträge mit Siemens dar», erklärte der Elektrokonzern dazu. Der russische Kunde habe mehrfach schriftlich bestätigt, dass eine Verwendung auf der Krim nicht geplant sei. Jetzt fordere Siemens, dass die Generatoren vertragsgemäß ins südrussische Taman zurückgebracht werden oder der ganze Vertrag rückabgewickelt wird.

Siemens sei an dem Weitertransport der Turbinen auf die Krim nicht beteiligt gewesen, hieß es am Dienstag in Unternehmenskreisen. Man werde «garantiert nicht etwas unterstützen, was eine kriminelle Handlung ist.» Es gebe aber eine «moralische Mitverantwortung».

Die EU erlaubt den Export von Kraftwerken nach Russland, nicht aber auf die von Russland annektierte Krim. Derzeit setzt Siemens noch rund 1,2 Milliarden Euro pro Jahr in Russland um. Der Konzern hatte die Turbinen im vergangenen Sommer geliefert. In dem Vertrag mit den Russen war demnach ausdrücklich festgeschrieben, dass die Turbinen nicht auf die Krim geliefert werden durften. Siemens hat die Untersuchungen einer Task Force auf alle Einheiten und Partner in Russland ausgeweitet. Die Münchner Staatsanwaltschaft prüft, ob Siemens-Verantwortliche gegen Russland-Sanktionen verstoßen haben.

dpa/MF

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