Mo., 17.05.2021 , 09:25 Uhr

Sea-Eye: 172 Menschen im Mittelmeer gerettet - weitere 50 entdeckt

Das Seenotrettungsschiff «Sea-Eye 4» hat nach Angaben der Betreiberorganisation Sea-Eye am Sonntag 172 Migranten von hochseeuntauglichen Holzbooten auf dem Mittelmeer gerettet. Ein Einsatz an einem weiteren Boot mit 50 Menschen stehe noch bevor, teilte Sea-Eye am Sonntagabend mit. Unter den Menschen, die am Sonntag an Bord des Schiffes gebracht wurden, seien Kinder, ein acht Monate altes Baby und eine schwangere Frau.

«Wir mussten 12 Menschen im Hospital behandeln – ein Kind und ein erwachsener Mann mussten länger stabilisiert werden. Glücklicherweise gibt es unter den Geretteten aber keine Schwerverletzten», wurde der Einsatzarzt des Schiffs in der Mitteilung zitiert.

Am Freitag habe die Crew des Schiffs zudem einen Notruf von rund 50 Menschen auf einem kleinen Holzboot weitergeleitet bekommen, das Boot aber nur noch leer gefunden, teilte Sea-Eye weiter mit. Während des Einsatzes habe die Crew ein Frontex-Flugzeug gesichtet und gehe davon aus, dass die Bootsinsassen «auf Veranlassung der EU-Staaten Opfer einer weiteren rechtswidrigen Zurückweisung geworden sind und die Menschen in die Internierungslager Libyens zurückgebracht wurden», erklärte der Sea-Eye-Vorsitzende Gorden Isler.

Das in Rostock umgerüstete Schiff «Sea-Eye 4» des 2015 in Regensburg gegründeten Vereins hatte Anfang des Monats den Einsatz zur Bergung von in Not geratenen Migranten im zentralen Mittelmeer aufgenommen. Der Einsatz wird von United4Rescue, dem Bündnis für die zivile Seenotrettung, und der Hilfsorganisation German Doctors unterstützt.

Nach UN-Angaben starben in diesem Jahr bis Anfang Mai bislang mehr als 500 Menschen beim Versuch, das zentrale Mittelmeer nach Europa zu überqueren. Die privaten Seenotretter kritisieren, dass die libysche Küstenwache Bootsmigranten abfange und zurück in das Bürgerkriegsland bringe, wo ihnen Menschenrechtsverletzungen drohten. Politisch sind die Rettungsaktionen der privaten Organisationen dagegen umstritten.

 

dpa

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