Mi., 22.01.2025 , 12:00 Uhr

Regensburg: UKR-Projekt „Miracle“ erforscht die unsichtbare Last von ME/CFS

Das Universitätsklinikum Regensburg (UKR) startet gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) das Forschungsprojekt „Miracle“, um die Krankheit Myalgische Enzephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome (ME/CFS) besser zu verstehen. Mit einem Gesamtbudget von 2,5 Millionen Euro, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), soll das dreijährige Projekt neue Erkenntnisse über die rätselhafte Erkrankung liefern.

ME/CFS, oft als „Chronisches Erschöpfungssyndrom“ bekannt, führt bei Betroffenen zu extremer, anhaltender Erschöpfung, Schmerzen und massiven körperlichen Einschränkungen. Die Krankheit wurde lange missverstanden oder heruntergespielt. Mit der COVID-19-Pandemie änderte sich das Bild: Immer mehr Menschen entwickeln nach einer Infektion ähnliche Symptome, bekannt als Long-COVID, was die Notwendigkeit intensiver Forschung verdeutlicht.

Innovative Ansätze bei „Miracle“

Das Projekt „Miracle“ widmet sich einem bislang wenig erforschten Bereich – den neutrophilen Granulozyten. Diese Abwehrzellen des Immunsystems sind die häufigsten immunkompetenten Zellen im Körper, jedoch schwer zu untersuchen, da sie nicht kultiviert werden können. Die Forschungsgruppe am UKR, unter der Leitung von Dr. Dr. Alexander Dejaco, baut auf eine 25-jährige Erfahrung in der Erforschung dieser Zellen auf.

„Wir möchten herausfinden, ob neutrophile Granulozyten eine Schlüsselrolle bei ME/CFS spielen“, erklärt Dejaco. Gemeinsam mit der Gesamtleiterin des Projekts, Dr. med. Elisabeth Schieffer vom UKGM, entwickelt das Team innovative Ansätze, um die Krankheit besser zu verstehen.

Besonders bemerkenswert: Auch schwerkranke, bettlägerige Patienten werden in die Studie einbezogen. Über Hausbesuche können Daten von einer Patientengruppe gesammelt werden, die sonst häufig von Studien ausgeschlossen bleibt.

Forschungsschwerpunkte: Zellmechanismen und künstliche Intelligenz

Das Projekt untersucht die zellulären Veränderungen und die zugrundeliegenden Mechanismen, die ME/CFS auslösen. Dazu zählen:

  • Immunologische Prozesse
  • Entzündungsreaktionen
  • Metabolische Abläufe

Am UKGM werden die Ergebnisse mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) analysiert, um Muster und Zusammenhänge zu erkennen. Ein zentrales Ziel ist die Identifikation von Biomarkern – messbaren Merkmalen, die die Diagnose erleichtern und eine zielgerichtete Behandlung ermöglichen könnten.

Warum „Miracle“ so wichtig ist

ME/CFS wird häufig spät oder falsch diagnostiziert, da es bislang keine objektiven Tests gibt. Betroffene kämpfen oft jahrelang mit Fehldiagnosen wie Burnout oder Depression und stoßen nicht selten auf Unverständnis – auch seitens des Gesundheitssystems.

Durch die Identifikation von Biomarkern könnte die Krankheit in Zukunft schneller und präziser diagnostiziert werden. Gleichzeitig bietet das Projekt Hoffnung auf neue Behandlungsansätze, die das Leiden der Betroffenen lindern könnten. „Miracle“ ist damit ein bedeutender Schritt im Kampf gegen eine Krankheit, die viele unsichtbar belastet.

UKR / SP

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