„Tanzen und Taumeln. Die 1950er-Jahre in Regensburg“ beleuchtet eine Zeit zwischen Wirtschaftswunder, gesellschaftlichem Aufbruch und Verdrängung der NS-Vergangenheit.
Die Regensburger Altstadt hatte den Zweiten Weltkrieg vergleichsweise gut überstanden. Trotzdem stand die Stadt vor großen Herausforderungen. Für die einheimische Bevölkerung sowie für Flüchtlinge und Vertriebene fehlten Tausende Wohnungen. Neue Wohnsiedlungen entstanden, unter anderem im Hohen Kreuz.
Gleichzeitig siedelten sich Unternehmen wie Siemens in Regensburg an und schufen neue Arbeitsplätze. Der wirtschaftliche Aufschwung veränderte das Leben vieler Menschen.
Während andere deutsche Städte nach dem Krieg ganze Stadtviertel wiederaufbauen mussten, stellte sich in Regensburg eine andere Frage: Wie konnte die mittelalterlich geprägte Altstadt an eine moderne Gesellschaft angepasst werden?
Viele Gebäude befanden sich in schlechtem Zustand. Menschen lebten auf engem Raum und unter einfachen Bedingungen. Einige historische Häuser wurden instandgesetzt, andere umgebaut oder abgerissen.
Museumsleiter Dr. Sebastian Karnatz erklärt: „In den 1950er-Jahren wurden im Umgang mit der Altstadt die Grundlagen für die spätere Aufnahme Regensburgs in das Welterbe der UNESCO gelegt.“
Mit steigendem Wohlstand hatten die Menschen wieder mehr Geld und Freizeit. Kinos, Tanzlokale, Biergärten und Wirtshäuser wurden ebenso besucht wie Ausflugsziele an der Donau.
Der Milchpilz-Kiosk an der Fürst-Anselm-Allee und das Gloria-Kino entwickelten sich zu beliebten Treffpunkten. Auch die Regensburger Dult gehörte mit Fahrgeschäften, Bierzelten, Musik und Marktständen zu den Höhepunkten des Jahres.
Zunächst blieb das Radio das wichtigste Unterhaltungsmedium. Gegen Ende der 1950er-Jahre kamen die ersten Fernsehgeräte in Regensburger Haushalte. Weil sich nur wenige Familien ein eigenes Gerät leisten konnten, trafen sich Menschen bei Nachbarn oder in Gaststätten zum gemeinsamen Fernsehen.
Die Sonderausstellung beschäftigt sich nicht nur mit Wirtschaftswunder und wachsendem Wohlstand. Sie zeigt auch traditionelle Rollenbilder und thematisiert den schwierigen gesellschaftlichen und politischen Umgang mit dem Erbe des Nationalsozialismus.
Mehr als 100 Objekte aus den Sammlungen der Museen der Stadt Regensburg werden gezeigt. Hinzu kommen Leihgaben des Museums für Konkrete Kunst in Ingolstadt sowie zahlreiche private Leihgaben.
Kulturreferent Wolfgang Dersch sagt: „Die Schau zeigt eindrucksvoll, dass die Bestände des Historischen Museums weit mehr Zugänge zum Erbe der Stadt ermöglichen, als die derzeitige Dauerausstellung vermuten lässt. Sie ist nicht zuletzt auch ein Schritt hin zu einem zeitgemäßen Stadtmuseum für Regensburg.“
Neben historischen Fotografien, Dokumenten und Objekten soll auch das Lebensgefühl der 1950er-Jahre vermittelt werden. Passend zum Titel „Tanzen und Taumeln“ können Besucher die Epoche nicht nur sehen, sondern auch hören und tänzerisch erleben.
„Tanzen und Taumeln. Die 1950er-Jahre in Regensburg“ ist vom 3. Oktober 2026 bis 4. April 2027 im Historischen Museum Regensburg zu sehen.
Geöffnet ist das Museum dienstags bis sonntags von 10 bis 16 Uhr. Der Besuch der Sonderausstellung ist im regulären Museumseintritt enthalten. Jeden ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt kostenfrei.
PM Stadt Regensburg / KH