Do., 12.12.2019 , 11:17 Uhr

Regensburg: Ex-Lebensgefährte von Maria Baumer erneut verhaftet

Die Ermittler wissen nicht, wie Maria Baumer aus Regensburg ermordet wurde. Aber sie wollen wissen, wer die damals 26 Jahre alte Frau umgebracht hat. Über Jahre sammeln sie Indizien, die einem Ermittlungsrichter schlussendlich reichen, ihren ehemaligen Verlobten erneut in Untersuchungshaft zu bringen. Er saß als Verdächtiger in diesem Fall schon einmal hinter Gittern.

Fall Maria Baumer: Ex-Verlobter erneut festgenommen!

Am Donnerstag verkünden Staatsanwaltschaft und Polizei in Regensburg, dass der heute 35 Jahre alte Mann dringend verdächtig ist, Maria Baumer ermordet zu haben. Besonders die erneute Untersuchung der Kleidung und der Haare Baumers sei ausschlaggebend gewesen. Denn in beiden Proben konnten Spezialisten ein starkes Beruhigungsmittel nachweisen, wie Staatsanwalt Thomas Rauscher sagt. Die Ermittler sind überzeugt, dass der Ex ihr das Medikament Lorazepam verabreichte. Wie genau und ob das Mittel Baumer tatsächlich tötete, ist unklar. Das werde sich wohl nie mehr klären lassen, meint Rauscher. Als Krankenpfleger habe er Zugang zu Lorazepam gehabt.

Auch bestimmte Suchbegriffe bei Google belasten den verdächtigen Deutschen schwer, wie der Ermittler weiter ausführt. Der Mann habe am Tag des Verschwindens der jungen Frau an Pfingsten 2012 im Internet nach «der perfekte Mord», die «letale (tödliche) Dosis» und dem Namen des Medikaments geschaut.

Die gesammelten Indizien gegen den 35-Jährigen gehen noch weiter. Einer Bekannten hatte der Pfleger in einem Tee ebenfalls das Medikament Lorazepam verabreicht - in einem Prozess im Jahr 2016 vor dem Landgericht Regensburg kam das zu Tage. Auch ein Spaten, den Ermittler beim Skelett Baumers fanden, belastet den Verdächtigen. Nach Angaben von Rauscher sei dieser baugleich mit einem, den der Mann drei Tage vor dem Verschwinden in einem Baumarkt kaufte.

In den letzten Tagen hatte sich der ehemalige Verlobte nicht zu den Mordvorwürfen geäußert, wie Rauscher betont. In der Vergangenheit habe der Verdächtige die Tatvorwürfe aber stets bestritten.

Am Montag durchsuchten Staatsanwaltschaft und Polizei die Wohnungen des 35-Jährigen, seiner Mutter und seines Bruders, wie sein Rechtsanwalt Michael Haizmann am Donnerstagvormittag der Deutschen Presse-Agentur sagt. Am Mittwoch kam er wieder in Untersuchungshaft, die Behörden bestätigten seine Angaben später. Bei den Durchsuchungen ging es vor allem darum, bislang verschwundene Gegenstände von Maria Baumer zu finden. Besonders für ein Kreuz interessieren sich die Ermittler, das die Frau stets bei sich hatte. Entsprechende Funde hätten die Beamten nicht gemacht, sagt Staatsanwalt Rauscher. Aber Datenträger seien sichergestellt worden.

Jahrelang habe sich in dem Fall nichts mehr getan, sagte Haizmann weiter. Er habe aber schon mit neuen Ermittlungen gerechnet. Nach der ersten Verhaftung seines Mandanten in dem Fall im Jahr 2013 hatte der Rechtsanwalt seine Haftbeschwerde vor allem auf zwei Säulen gestützt. «Es konnte nicht festgestellt werden, ob die Frau umgebracht wurde. Die Umstände ihres Todes sind gänzlich unbekannt», hatte Haizmann damals gesagt. Zudem habe das Motiv gefehlt: «Die beiden hatten eine harmonische Beziehung und wollten heiraten.»

Baumer hatte kurz vor ihrem Verschwinden einen neuen Job angetreten. Zudem war sie eine Woche zuvor zur Landesvorsitzenden der Katholischen Landjugendbewegung gewählt worden. Mit ihrem Verlobten hatte sie zusammengelebt. An dem Tag, an dem die Einladungen zur Hochzeit verschickt werden sollten, verschwand die 26-Jährige und ließ ihr Handy und den Verlobungsring zurück. Der Verlobte stellte schließlich eine Vermisstenanzeige.

«Bei solchen Fällen wird nie aufgegeben», betont der Leiter der Staatsanwaltschaft Regensburg, Clemens Prokop. Ende Februar sollen die Ermittlungen abgeschlossen sein. Die Staatsanwaltschaft schreibt schon an der Anklage.

 

 

 

Der Fall Maria Baumer

Pilzsammler hatten das Skelett von Maria Baumer Anfang September in einem Wald bei Regensburg gefunden. Die 26-Jährige war seit Mai 2012 vermisst worden. Die Todesursache konnte nach Angaben der Polizei nach so langer Zeit nicht mehr festgestellt werden. Der  Verlobte des Opfers war wenig später verhaftet worden.

Allerdings wurde der Verlobte im November 2013 wieder aus der Untersuchungshaft entlassen. Das Landgericht hatte damals einer erneuten Haftbeschwerde entsprochen. Aufgrund einer Neubewertung der Ermittlungsergebnisse war damals kein dringender Tatverdacht mehr gegeben gewesen.

Anfang 2018 hatte die Staatsanwaltschaft dann bekannt gegeben, dass die Ermittlungen im Fall Maria Baumer abgeschlossen seien. Nach wie vor stand nicht fest, wie Maria Baumer zu Tode gekommen war.

 

Ein Teil unserer Berichterstattung:

 

dpa/MF/MS

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