Im Foyer des Landratsamtes Regensburg ist bis zum Jahresende die Ausstellung MONUMENTA KI – Das Denkmal im neuronalen Netz zu sehen. Studierende der Universität Regensburg gingen dabei der Frage nach, wie Künstliche Intelligenz in der Denkmalpflege, in der Bauforschung und für die Vermittlung von Wissen über das Baukulturerbe genutzt werden kann. Die Daten der Denkmalplattform MONUMENTA dienten als Grundlage.
Zur Eröffnung der Ausstellung sagte Landrätin Tanja Schweiger: „Das digitale Pilotprojekt MONUMENTA, das der Landkreis Regensburg federführend umsetzt, ist zukunftsweisend in der Denkmalpflege. Mit der Frage nach den Möglichkeiten der KI sind die Ausstellung und das Projekt MONUMENTA KI besonders am Puls der Zeit“. Weiter sagte sie: „Es ist spannend zu sehen, wo die KI eine sinnvolle Hilfe sein kann und wo sie an ihre Grenzen stößt.“
Gemeinsam mit Prof. Dr. Julian Jachmann, Professor für Architektur und Architekturtheorie an der Universität Regensburg, Dr. Thomas Feuerer, Kulturreferent und Projektleiter von MONUMENTA, sowie Nadine Merk, wissenschaftliche Koordinatorin von MONUMENTA, betrachtete Landrätin Schweiger die KI-generierten Entwürfe bekannter Gebäude im Landkreis Regensburg.
Seit der Einführung von ChatGPT im Jahr 2022 hat sich die Künstliche Intelligenz rasant weiterentwickelt. Moderne KI-Programme können Texte schreiben, Bilder erstellen und bearbeiten sowie Musik und Videos erzeugen. Für Denkmalpflege und Kunstgeschichte eröffnen sich dadurch viele neue Möglichkeiten für Forschung, Lehre und Vermittlung. KI kann etwa helfen, Beschreibungen von Denkmälern zu formulieren, erste Informationen zu einem Bauwerk zusammenzutragen oder geplante Baumaßnahmen an historischen Gebäuden anschaulich darzustellen. Sie kann außerdem komplizierte Inhalte verständlich erklären und Texte und Bilder an unterschiedliche Zielgruppen anpassen.
Im Wintersemester 2025/26 beschäftigten sich insgesamt 14 Studierende der Kunstgeschichte unter der Leitung von Prof. Dr. Julian Jachmann mit dem Einsatz von KI und testeten verschiedene architekturhistorische Fragestellungen. Es entstanden mehrere Einzelprojekte. Als Grundlage dienten Objekte aus dem Landkreis Regensburg, die in der Web-App MONUMENTA vorgestellt werden.
Fragestellung, Vorgehen und Ergebnisse der Projekte sind in der Ausstellung auf Roll-ups dargestellt. Diese waren bereits in der Universitätsbibliothek zu sehen. Das Titelplakat zeigt das Schloss Alteglofsheim, umgeben von einer geschwungenen Architektur im Stil der 2016 verstorbenen Stararchitektin Zaha Hadid.
Ein Programm erstellte selbstständig einen Beschreibungstext für monumenta.de. Dieser war sprachlich überzeugend und gut recherchiert, enthielt jedoch Wiederholungen und setzte aus fachlicher Sicht teilweise fragwürdige Schwerpunkte. Untersucht wurde auch das sogenannte „Halluzinieren“, also das Erfinden falscher Informationen. Die Studierenden erprobten außerdem, wie KI historische Inhalte durch einfache Sprache oder erfundene Dialoge, etwa zwischen einem Denkmalpfleger und einem früheren adeligen Bewohner, lebendiger vermitteln kann.
Weitere Experimente zeigten, wie KI historische Bilder verbessern oder verändern kann. Dabei stellte sich die Frage, ab wann solche Bearbeitungen die ursprüngliche Darstellung verfälschen. Getestet wurden auch ein digitaler Routenplaner für individuelle Denkmalbesichtigungen und eine sprachgeführte Tour durch die Wallfahrtskirche Maria Schnee in Aufhausen.
Ein weiteres Projekt machte deutlich, wie stark KI von typischen Vorstellungen und Klischees geprägt ist. Das Bild einer Pfarrkirche wurde mehrfach von einer KI beschrieben und anhand dieser Beschreibungen neu erzeugt. Mit jeder Wiederholung entfernte sich das Ergebnis weiter vom Original, bis das Gebäude einer comicartigen Friedhofskapelle ähnelte.
Beim Versuch, das Bild eines typischen Bauernhauses aus dem 16. Jahrhundert im Gäubodenstil generieren zu lassen, griff die KI auf eine klischeehafte Vorstellung alpenländischen Wohnens zurück. Das Ergebnis zeigte ein Bauernhaus in einem ganz anderen Baustil, angelehnt an Schweizer Chalets.
Für die Pfarrkirche St. Michael in Neutraubling schlug die KI eine Umnutzung zum Kulturzentrum vor. Bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass Kinder und ältere Menschen in den Entwürfen völlig fehlen. Für das ehemalige Kaufhof-Gebäude am Regensburger Neupfarrplatz entwarf die KI einen Bau mit begrünten Dachterrassen, der an den Turmbau zu Babel erinnert.
Die Ausstellung im Foyer des Landratsamtes ist bis Jahresende zu den Öffnungszeiten zu besichtigen: Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr, Montag und Dienstag zusätzlich von 13 bis 15.30 Uhr sowie Donnerstag von 13 bis 17.30 Uhr.
Die Denkmalplattform MONUMENTA ist als Web-App unter www.monumenta.de abrufbar.
Pressemitteilung Landkreis Kelheim / MF