Vor genau einer Woche ist in München ein Urteil gefallen, das viele überrascht hat: Regensburgs ehemaliger Oberbürgermeister Joachim Wolbergs ist wegen Vorteilsannahme zu über zwei Jahren Haft verurteilt worden. Nach dem Urteil hat sich nur Verteidiger Peter Witting geäußert. Wolbergs hat geschwiegen. Bis jetzt. Denn heute hat er zum Urteil und seiner Zukunft gesprochen.
Joachim Wolbergs würde heute jedem anderen in seiner Situation raten: „Gib auf.“ – und „Hör auf, du kommst da nicht raus“. Heute hat der ehemalige Regensburger Oberbürgermeister deutliche Worte zu seiner eigenen Situation gefunden. Aber er selbst möchte nicht aufgeben.
Er habe kein Vertrauen in den Rechtsstaat mehr. Das Strafmaß sei eines, das sein Leben „quasi beendet“, oder zumindest „radikal verändert“.
Sein Verteidiger Peter Witting hat noch am Tag des Urteils die Revision auf den Weg gebracht – auch wenn er damals schon angedeutet hatte, dass diese auch keinen Erfolg haben könnte.
Revisionen von Verteidigerseite hätten keine hohen Erfolgsaussichten, so Witting. Was es dann noch für Optionen gäbe, war die Frage auf der heutigen Pressekonferenz in Regensburg. „Den Herrn Wolbergs in Haft zu begleiten.“ meint Witting – also falls der BGH seine Revision zurückweisen würde.
Wie geht es für Wolbergs jetzt politisch weiter? Bevor das Urteil rechtskräftig ist sein Stadtratsmandat aufgeben, scheint für ihn nicht in Frage zu kommen. Er werde das Mandat so lange behalten, bis er ins Gefängnis gehe, so Wolbergs heute. Er gehe nicht davon aus, dass bei der Brücke jemand nur im Ansatz darüber nachdenke, dass er sein Mandat aufgeben solle.
Die Reaktionen in der Stadt Regensburg nach dem Urteil seien klar gewesen – außer in den sozialen Medien habe er niemanden getroffen der das Urteil beziehungsweise das Strafmaß verstehe.
Die Stadtgesellschaft stärke ihm den Rücken. „Alle wollen helfen“, sagt Wolbergs. Und fügt an, er sei im Augenblick weitestgehend mit sich selbst beschäftigt.
MF