Di., 03.03.2026 , 11:02 Uhr

Regensburg: Jeder zehnte Arbeitnehmer suchtgefährdet – Caritas setzt klares Zeichen

Bei der Fachambulanz für Suchtprobleme im Caritasverband Regensburg ist die 210-stündige Weiterbildung zum „Betrieblichen Berater für Sucht und psychische Gesundheit“ erneut erfolgreich gestartet.

In Deutschland gilt jeder zehnte Arbeitnehmer als suchtgefährdet. Suchtprobleme machen damit auch vor Werkstoren und Bürotüren nicht halt. Die Folgen sind spürbar: mehr Fehlzeiten, mehr Arbeitsunfälle und sogar Frühverrentungen. Der bundesweite wirtschaftliche Schaden liegt laut Deutscher Hauptstelle für Suchtfragen bei über 30 Milliarden Euro .

Bei der Fachambulanz für Suchtprobleme im Caritasverband Regensburg ist nun erneut die 210-stündige Weiterbildung zum „Betrieblichen Berater für Sucht und psychische Gesundheit“ erfolgreich gestartet.

Sucht betrifft alle Branchen

Abhängigkeit ist eine Krankheit und kann jeden treffen“, sagt Marion Santl, Leiterin der Caritas-Fachambulanz.

Es ist immer wieder beeindruckend, wie motiviert die Teilnehmenden sind, um mehr über Abhängigkeitserkrankungen und psychische Gesundheit zu erfahren. Egal aus welcher Branche, von der Automobilindustrie über den Gesundheitssektor zu kulturellen Betriebe: Alle sind mit Engagement und Herzblut dabei Menschen in ihrem betrieblichen Umfeld zu unterstützen und Präventionsarbeit zu leisten“, erklärt sie.

Die Weiterbildung richtet sich an Teilnehmende aus ganz unterschiedlichen Bereichen – von der Industrie über das Gesundheitswesen bis hin zu kulturellen Einrichtungen.

Alkohol bleibt Hauptproblem am Arbeitsplatz

Studien zeigen deutliche Zusammenhänge zwischen Sucht und Arbeitsleistung: Menschen mit riskantem Konsum sind dreieinhalbmal häufiger in Arbeitsunfälle verwickelt und fehlen 16-mal häufiger als ihre Kollegen. Das bedeutet im Schnitt 25 Prozent weniger Leistung.

Bei jeder sechsten Kündigung spielt Alkohol eine Rolle. Mit 80 Prozent ist überhöhter Alkoholkonsum weiterhin das häufigste Suchtproblem am Arbeitsplatz.

Oft bemerken Kolleginnen und Kollegen Veränderungen zuerst. Das kann die Arbeitsatmosphäre und den Betriebsfrieden erheblich belasten. Gleichzeitig haben Arbeitgeber eine Fürsorgepflicht gegenüber ihren Mitarbeitenden. Je früher Vorgesetzte handeln, desto eher lassen sich Leid, chronische Erkrankungen und zusätzliche Kosten vermeiden. Dennoch wird häufig zu spät reagiert – meist aus Unsicherheit im Umgang mit dem sensiblen Thema.

210 Stunden Weiterbildung mit Zertifikat

Die Weiterbildung zum Betrieblichen Berater für Sucht und psychische Gesundheit umfasst insgesamt 210 Stunden und ist in fünf Module gegliedert. Pro Kurs nehmen in der Regel zwölf Personen teil. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Teilnehmenden ein Zertifikat.

Die Inhalte reichen von Grundlagen zu Abhängigkeiten und psychischen Erkrankungen über Behandlungsmöglichkeiten und das Suchthilfesystem bis hin zu Supervision, Praxisanleitung, Stressmanagement sowie Hospitationen in Facheinrichtungen und Selbsthilfegruppen.

Die Rückmeldungen fallen positiv aus. Auf einem Bewertungsbogen heißt es: „Ich fühle mich aufgehoben, informiert und motiviert für meine berufliche Tätigkeit“.

Pressemitteilung / MF

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