Di., 03.12.2024 , 08:26 Uhr

Regensburg: Erster Spritzenautomat für mehr Sicherheit bei Drogenkonsum

In Regensburg wurde am Anfang dieser Woche ein innovativer Spritzenautomat installiert, der Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen unterstützt. Der Automat befindet sich unter der Galgenbergbrücke und ermöglicht den Betroffenen, rund um die Uhr hygienische Materialien zu erhalten, um das Risiko von Infektionen wie Hepatitis oder HIV zu verringern. Diese Initiative wurde von der Caritas Regensburg finanziert und ergänzt das bereits erfolgreiche Spritzentausch-Angebot.

Ein langer Weg zum ersten Spritzenautomat

Am Montagmorgen wurde der erste Spritzenautomat in Regensburg unter der Galgenbergbrücke installiert. Dieser befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof und nur 200 Meter von der Caritas Fachambulanz für Suchtprobleme entfernt. Marion Santl, die Leitung der Fachambulanz und Referatsleitung für Suchthilfe und Sozialpsychiatrie der Caritas Regensburg, betont, dass es ein langer Prozess war, der bis zur Umsetzung dieses Projekts führte. Seit 2021 arbeitete sie unermüdlich an der Realisierung, die nun auch mit der Unterstützung der Stadtverwaltung realisiert werden konnte.

Warum der Spritzenautomat wichtig ist

Ein Teil der Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen konsumiert Drogen intravenös. Der unsachgemäße Gebrauch von Spritzen, etwa das Teilen von Spritzen oder die Nutzung unsauberer Materialien, erhöht das Risiko für schwere Infektionen wie Hepatitis und HIV. Diese Krankheiten belasten nicht nur die Betroffenen, sondern verursachen auch hohe gesellschaftliche Kosten, wie etwa die teuren Behandlungen für Hepatitis-Erkrankungen, die bis zu 20.000 Euro betragen können. Der Automat ermöglicht es, den Konsumierenden jederzeit Zugang zu sicheren Spritzen und Zubehör zu verschaffen – auch außerhalb der Öffnungszeiten der Fachambulanz.

Ergänzung zum Spritzentausch-Programm

Die Caritas Regensburg betreibt seit 2011 ein erfolgreiches Spritzentausch-Programm in Zusammenarbeit mit der Aids-Beratungsstelle Oberpfalz. Neben der täglichen Abgabe von Spritzen in der Fachambulanz und durch Streetworker ist der Automat eine wertvolle Ergänzung dieses Angebots. Er befindet sich an einem strategischen Standort unter der Galgenbergbrücke, der sowohl zentral als auch abseits sensibler Bereiche wie Schulen und Kindergärten liegt. Der Automat wird regelmäßig von Streetworkern überprüft, um sicherzustellen, dass er einwandfrei funktioniert.

Prävention statt Tabuisierung

Die Caritas Regensburg weist darauf hin, dass der Spritzenautomat keineswegs dazu dient, Drogenkonsum zu fördern. Vielmehr geht es darum, den Menschen mit Suchtproblemen eine sichere und respektvolle Versorgung zu bieten. Kritiker, die befürchten, dass der Automat Jugendliche zum Drogenkonsum anregen könnte, werden von der Caritas zurückgewiesen. „Spritzenautomaten machen Drogen nicht zugänglicher, als sie es ohnehin schon sind“, betont Santl. Statt Tabuisierung sollte die Gesellschaft offen und ehrlich über Suchtprobleme sprechen.

Erfahrungen aus Schwandorf und Ausblick

Die Caritas Regensburg konnte bereits 2022 mit einem ähnlichen Automaten in Schwandorf positive Erfahrungen sammeln. Der neue Spritzenautomat in Regensburg ist ein weiteres Zeichen der Caritas, dass Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen Anspruch auf Unterstützung haben, wie jeder andere Patient auch. „Sucht ist eine Krankheit. Wir tun alles dafür, Betroffenen eine sichere, respektvolle Versorgung zu ermöglichen“, schließt Santl.

Die Fachambulanz der Caritas für Suchtprobleme bietet Betroffenen und ihren Angehörigen umfassende Hilfe bei Sucht- und Abhängigkeitsproblemen. Jährlich suchen über 1400 Ratsuchende die ambulante Suchthilfe in Regensburg auf, die neben der Fachambulanz auch Streetwork und externe Suchtberatungen, wie etwa in der JVA Regensburg, umfasst.

 

 

Caritas Regensburg / TK

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