Mi., 28.07.2021 , 19:24 Uhr

Corona in Bayern

Regensburg: Ende der WICOVIR-Studie - Testergebnisse veröffentlicht

Sechs Monate lief die vom Bayerischen Gesundheitsministerium geförderte Corona-Studie WICOVIR aus Regensburg und Erlangen. Mit Ende des Schuljahres wird die Studie nun beendet und beweist: Gurgel-Pool-PCR-Tests funktionieren flächendeckend, bieten eine frühzeitige Erkennung, sind kinderleicht und sparen Plastikmüll.

Testsystem funktioniert

„Das Ziel der Studie war zu zeigen, dass ein Gurgel-Pool-PCR-System nicht nur funktioniert, sondern auch flächendeckend eingesetzt werden kann“,

erläutert Professor Michael Kabesch, Studienleiter der WICOVIR-Studie aus Regensburg.

„Wir haben mit Forschungslaboren an der Uni Erlangen und bei den Barmherzigen Brüdern / KUNO Klinik St. Hedwig Regensburg begonnen und sind innerhalb von wenigen Wochen stark gewachsen.“ - Professor Michael Kabesch, Studienleiter WICOVIR-Studie

Schließlich testeten mehrere Labore in Franken und der Oberpfalz mit der WICOVIR-Methode, sodass knapp 50.000 Tests pro Woche durchgeführt werden konnten.

Neben der Schultestung, die durch das Modellprojekt bezahlt wurde, wurden auch Kindergärten, Betriebe und Behörden getestet. Insgesamt wurden in Erlangen, Nürnberg, Cham, Tirschenreuth, Schwandorf und Regensburg über eine halbe Million Tests gemacht, davon über 400.000 an Schulen und über 100.000 in außerschulischen Einrichtungen. Diese Tests ergaben ca. 35.000 Pools.

Die Studie zeigt, dass das Testsystem überall funktioniert.

„Mit der zweimaligen Pool-PCR-Testung pro Woche können wir praktisch alle Fälle so früh erkennen, dass es fast nie zu weiteren Ansteckungen in den Schulen oder Betrieben kommt.“ -  Professor Michael Kabesch, Studienleiter WICOVIR-Studie

 

95 Prozent  - Enorm hohe Akzeptanz bei den Schulen

Bevor überhaupt eine Testpflicht bestand, waren über 95 Prozent der Eltern bereit ihre Kinder mit der WICOVIR-Methode zu testen.

„Wir verwenden keine Stäbchen, sondern gurgeln. Das tut nicht weh, ist kindgerecht und wir sind nicht davon abhängig, ob Stäbchen überhaupt auf dem Markt verfügbar sind“,

sagt Thomas Wagner, der Initiator des Erlangener Testzentrums, das an der Universität Erlangen durch Professor Andreas Burkovski betrieben wird. Außerdem werden die Gurgelröhrchen, die individualisiert sind, wieder verwendet.

„Das spart Plastikmüll, von dem es in der Pandemie reichlich gibt“,

so Wagner.

Optimierung des PCR-Testsystems durch Kooperation

Um schnelle Rückmeldezeiten zu erreichen, war es notwendig die PCR-Testsysteme zu optimieren. Das ist in einer Kooperation zwischen der Uni Erlangen, dem Forschungslabor in Regensburg und dem biomedizinischen Zentrum Wien gelungen.

„Für eine erfolgreiche Entwicklung haben wir eng mit den Kolleg:innen in Österreich und Erlagen zusammen gearbeitet. [...] Zudem hatten wir für das Projekt in Regensburg bereits wichtige Vorkenntnisse durch eine Schultestung bei den Regensburger Domspatzen im Herbst 2020.“ - Professor Michael Kabesch, Studienleiter WICOVIR-Studie

Auch der Datentransfer spielte bei der Rückmeldezeit eine entscheidende Rolle.

„Innerhalb kürzester Zeit haben wir verschiedene Labore mit unterschiedlichen Schnittstellen vernetzt und erreicht, dass Schulen und Gesundheitsämter innerhalb von wenigen Stunden nach der Testabgabe ihre Testergebnisse bekommen“,

berichtet Jakob Niggel von MaganaMed, einem auf medizinische Software spezialisierten Unternehmen aus Regensburg, welches das Datentransferkonzept entwickelt hat. Niggel versichert zudem:

„Pooltestungen ermöglichen, dass keine Daten von Testpersonen gespeichert werden.“

Im Lauf der Studie wurden mit der WICOVIR-Testmethode in Schulen insgesamt knapp 30 positive Tests ermittelt. Fast alle Ansteckungen von den in der Schule positiv getesteten Kindern kamen aus dem familiären Umfeld. Im Projekt wurden alle positiven Befunde sofort einer Sequenzierung zugeführt, um Infektionsketten bzw. das Auftreten von neuen Mutanten erkennen zu können.

 

Großer Dank an alle Beteiligten

Entscheidend für den Erfolg des Projekts war die Zusammenarbeit, nicht nur zwischen den Expert:innen, sondern auch vor Ort: Viele Landkreise haben sich für das Projekt interessiert und bei manchen ist es in weniger als vier Wochen gelungen, das Testsystem zu etablieren.

„In Cham beispielsweise gab es eine exzellente Zusammenarbeit mit dem Landkreis, dem Gesundheitsamt und den Schulen. [...] Daraus haben wir unglaublich viel für den Roll-Out des Projektes auch in ländlichen Regionen gelernt.“ - Professor Michael Kabesch, Studienleiter WICOVIR-Studie

Im Laufe des Projekts beteiligten sich außerdem unglaublich viele Ehrenamtliche, studentische Hilfskräfte, Lehrer:innen, Kinderärzt:innen und auch private Labore in Regensburg und der Metropolregion Nürnberg. Die IHK in Erlangen übernahm z. B. die Beratung der beteiligten Betriebe. Im Landkreis Nürnberger Land hatte sich eine Unternehmensinitiative gebildet, die ein eigenes Testlabor für WICOVIR eingerichtet hat. Ein weiteres Testlabor wurde von der DATEV eG gegründet, um einerseits die eigenen Mitarbeitenden zu testen, aber auch um bei der Schul- und Kindergartentestung regional beizutragen.

Das flächendeckende WICOVIR-Modellprojekt wird mit Ende des Schuljahres beendet und soll durch eine Regeltestung ersetzt werden, die ab dem nächsten Schuljahr vom Freistaat Bayern organisiert wird. Auch dieses Konzept in den Grundschulen soll dann auf einer Pool-PCR-Testung basieren, so wie es in WICOVIR erfolgreich gezeigt werden konnte. In der Metropolregion Nürnberg werden die Gurgelpools von zwei im Rahmen dieser Studie entstandenen Privatinitiativen in eigenen Laboren fortgeführt.

 

Infos zur WICOVIR-Studie

Bereits im Februar 2021 schlossen sich zwei Initiativen aus Erlangen und Regensburg zusammen, die vor Ort Gurgel-Pool-PCR-Tests für Corona-Testing entwickelt hatten. Daraus entstand die Studie WICOVIR (WO IST DAS CORONA VIRUS), die ab März auch als Modellprojekt des Bayerischen Gesundheitsministeriums gefördert wurde. WICOVIR ist ein Screening, welches das Virus in großen Menschengruppen schnell identifizieren soll. Das Testen erfolgt dabei in zwei Schritten: Zunächst wird in einem Pool aus bis zu 30 Personen aus einer Klasse oder einem Kurs getestet. Fällt der Test negativ aus, wird beruhigt weiter gelernt. Gibt es eventuell ein positives Ergebnis im Pool, findet innerhalb dieser Gruppe sofort eine Einzeltestung von Rückstellproben statt, um schnell und gezielt Infektionsschutzmaßnahmen einleiten zu können. Für den Test braucht es keinen Abstrich, sondern Wasser, mit dem morgens gegurgelt wird. Proben werden vor Ort in den Schulen gesammelt und gemeinsam getestet – und Ergebnisse gibt es noch am selben Tag.

 

Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg /JM

 

 

Ein Teil unserer Berichte zur WICOVIR-Studie:

Regensburg: Positive Bilanz aus WiCOVIR
Bayernweit haben Schülerinnen und Schüler an der Studie WiCOVIR (Wo ist das Corona Virus?) teilgenommen. Die Experten ziehen nun Bilanz.
Modellprojekt im Landkreis Cham: an 20 Schulen wird gegurgelt
Der Landkreis Cham, das Staatliche Schulamt und 20 Grund- und Mittelschulen des Landkreises sind Projektpartner der Studie „WICOVIR“ (Wo ist das Corona Virus?). Die wird durch den Regensburger Professor Dr. Michael Kabesch, Chefarzt und Klinikleiter der Klinik St. Hedwig wissenschaftlich begleitet.

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