Die Bilanz des vergangenen Winters zeigt, dass das Kälteschutztelefon in Regensburg mittlerweile gut angenommen wird: Insgesamt gingen 154 Anrufe ein. In rund 80 dokumentierten Fällen wurden konkrete Hilfen organisiert – darunter Vermittlungen in Notunterkünfte, die Einbindung von Streetwork oder die Organisation von Notfallpaketen.
Wenn Menschen im Winter im öffentlichen Raum übernachten und gesundheitlich gefährdet sind, zählt oft vor allem eines: dass jemand hinsieht und Hilfe organisiert. Genau hier setzt das Kälteschutztelefon der Caritas Regensburg an. Das Angebot vermittelt zwischen Bürgerinnen und Bürgern, Hilfesystemen und den Menschen selbst – schnell, niedrigschwellig und dort, wo klassische Zuständigkeiten häufig enden.
Für Brigitte Weißmann, Leiterin des Referats Besondere Lebenslagen und verantwortlich für das Kälteschutztelefon, lässt sich die Wirkung des Angebots nicht allein an Zahlen messen:
„Jede erreichte Person, jede Vermittlung in eine Unterkunft und jede verhinderte gesundheitliche Gefährdung zählt. Das Kälteschutztelefon bietet Bürgerinnen und Bürgern eine direkte Anlaufstelle – und betroffenen Personen einen niedrigschwelligen Zugang zu Unterstützung, Beratung und Notunterbringung.“
Das Angebot versteht sich nicht als klassischer Notruf, sondern als Frühwarn- und Vermittlungsstruktur. Hilfe scheitere häufig nicht an fehlenden Angeboten, sondern daran, dass Gefährdungslagen zu spät erkannt oder Hilfen nicht erreicht würden.
Mit Blick auf die kommende Saison sucht die Caritas bereits jetzt weitere Ehrenamtliche und bereitet diese über die Sommermonate gezielt auf ihren Einsatz vor. Angeboten werden qualifizierte Schulungen, fachliche Begleitung, Erfahrungsaustausch und Teamevents. Die Einsätze finden im Winterhalbjahr statt; unterstützt wird bei der telefonischen Annahme von Hinweisen und der Koordination von Hilfen.
Immer wieder stellt sich dabei die Frage, wie mit Menschen umzugehen ist, die Hilfe ablehnen.
„Menschen in einer Notsituation muss Hilfe angeboten werden. Gleichzeitig hat jede Person das Recht, Hilfsangebote abzulehnen“,
sagt Weißmann. Solange keine akute Gefährdung vorliege, werde diese Entscheidung respektiert. Bestehe jedoch der Eindruck einer medizinischen Notlage oder Lebensgefahr, müsse unverzüglich der Rettungsdienst verständigt werden.
Warum es neben Polizei, Rettungsdienst und kommunalen Strukturen zusätzlich ein sozialarbeiterisches Angebot wie das Kälteschutztelefon braucht, erklärt Brigitte Weißmann:
„Polizei und Rettungsdienst haben klar umrissene gesetzliche Aufgaben. Was dazwischen häufig fehlt, ist ein niedrigschwelliger Zugang zu Menschen, die durch viele Raster fallen. Das Kälteschutztelefon schließt diese Lücke zwischen akuter Gefahrenabwehr und sozialer Unterstützung.“
Organisiert wird das Angebot durch das Zusammenspiel haupt- und ehrenamtlicher Mitarbeitender sowie die Zusammenarbeit mit weiteren Einrichtungen.
„Langfristig tragfähig ist das Kälteschutztelefon nur dann, wenn öffentliche Verantwortung, institutionelle Trägerschaft und ehrenamtliche Mitwirkung gut zusammenwirken“,
sagt Weißmann.
Gleichzeitig mahnt die Caritas zu einer realistischen Einordnung: Das Kälteschutztelefon schützt Menschen in akuten Situationen – löst aber nicht die Ursachen von Obdachlosigkeit.
Jeder Kontakt kann eine Tür zu weiterführender Hilfe öffnen. Das Kälteschutztelefon ist ein notwendiger Baustein – aber kein Ersatz für langfristige Lösungen.“
Helfen, bevor es kalt wird: Die Caritas Regensburg sucht Ehrenamtliche für das Kälteschutztelefon.
Das Kälteschutztelefon wird im Winterhalbjahr durch ehrenamtliche Mitarbeitende unterstützt. Zu den Aufgaben gehören die Annahme eingehender Hinweise sowie die Vermittlung an zuständige Stellen.
Die Einsätze finden werktags zwischen 8 und 18 Uhr statt und können flexibel übernommen werden. Voraussetzung sind Volljährigkeit, Einfühlungsvermögen, Reaktionsfähigkeit und Offenheit für die Lebenslagen wohnungsloser Menschen.
Die Caritas begleitet die Ehrenamtlichen mit Schulungen, festen Ansprechpartnern, regelmäßigem Austausch und Teamevents. Zudem sind eine Aufwandsentschädigung im Rahmen der Übungsleiterpauschale sowie weitere Angebote für Ehrenamtliche vorgesehen.
Interessierte wenden sich per E-Mail an: kaelteschutz@caritas-regensburg.de
Caritas Regensburg/JM