Di., 09.05.2023 , 17:19 Uhr

Jahrespressekonferenz 2023

Regensburg: Bayernwerk ist bereit für Energiewende

Der Umstieg auf erneuerbare Energien, dazu auch noch der Umstieg auf umweltfreundlichen Verkehr. Die Herausforderungen sind für alle groß. Auch für Energieunternehmen wie die Bayernwerk AG. Wer die Erneuerbaren entfesseln will, müsse die Netze entfesseln, so der Vorstandsvorsitzende des Bayernwerks Dr. Egon Leo Westphal bei der heutigen Jahrespressekonferenz. Die Energiewende gehe in eine entscheidende Phase.

„Die Energiewende geht in eine entscheidende Phase“, betont der Vorstandsvorsitzende der Bayernwerk AG, Dr. Egon Leo Westphal, bei der Jahrespressekonferenz des Unternehmens in der Zentrale des Regensburger Firmensitzes. Mit dem sogenannten Osterpaket des Bundes und dem Bayerischen Klimaschutzgesetz, das für Bayern Klimaneutralität bis 2040 vorschreibt, habe die Politik Fakten geschaffen. Westphal: „Das bundespolitische Ziel, bis 2030 mindestens 80 Prozent des deutschen Bruttostromverbrauchs aus Erneuerbaren zu beziehen, ist ein Fixpunkt für gesellschaftliche, wirtschaftliche und industrielle Entwicklung.“ Der Weg dorthin führe aber ausschließlich über die Energienetze.

 

 

Politische Ziele für Erneuerbare fordern nie dagewesene Transformation der Energiewirtschaft

„Wer die Erneuerbaren entfesseln will, muss die Netze entfesseln. Die Zeit der Theorie ist vorbei, jetzt muss es ans Eingemachte gehen“, so Westphal. Nach eigenen Bayernwerk-Studien ist demnach in Bayern bis zum Jahr 2030 ein Anstieg der Erzeugung bei PV-Freiflächenanlagen von heute von fünf auf 30 Gigawatt, bei PV-Aufdachanlagen von heute 13 auf 21 Gigawatt und bei Windanlagen von heute drei auf acht Gigawatt erforderlich. Zudem wächst der Strombedarf. Laut Studie steigt die Anzahl an E-Fahrzeugen von heute 200.000 auf 2.000.000, die Anzahl an Wärmepumpen von 300.000 auf 1.000.000. Zudem verändert sich der Strombedarf der Industrie. Westphal: „In Summe erleben wir massive Zuwächse im Strombedarf.“

Um die enormen zusätzlichen Kapazitäten in den Energienetzen bereitzustellen, müsse das Bayernwerk mit Blick auf 2030 tausend Kilometer Hochspannungsleitungen, 36.000 Kilometer Mittel- und Niederspannungskabel sowie 300 neue Umspannwerke bauen. Dr. Egon Leo Westphal: „Osterpaket und Klimaneutralität verändern die Maßstäbe. Aber nicht nur für Erneuerbare, sondern für das gesamte System. Die Energiewirtschaft steht vor einer nie dagewesenen Transformation. Das gilt auch für uns. Um die Aufgaben zu stemmen, müssen wir das Bayernwerk in den kommenden 15 Jahren verdoppeln. Es geht nicht mehr nur darum, Wachstumschancen zu suchen, sondern Wachstum in allen Facetten zu planen und zu organisieren. Auch das zählt zu den Herausforderungen einer neuen Zeit, in der wir Energie neu denken müssen.“

 

Netzausbau mit Rekordbudgets

Bayernwerk-Finanzvorständin Dr. Daniela Groher verweist darauf, dass im Bayernwerk schon deutlich vor dem Osterpaket die Weichen auf Energiezukunft gestellt wurden. „Für den Kurs in die Klimaneutralität haben wir frühzeitig jährlich wachsende Rekordbudgets für den Ausbau unserer Energienetze auf den Weg gebracht“, so Dr. Daniela Groher. Im vergangenen Jahr lag das Netzbudget bei rund 680 Millionen Euro, in diesem Jahr beträgt es knapp 790 Millionen Euro. Im kommenden Jahr plant das Energieunternehmen mit rund 815 Millionen Euro und 2025 mit 850 Millionen Euro. Der mit dem Osterpaket erforderliche Mehraufwand ist laut Groher in diesen Planungen noch nicht berücksichtigt. „Dieser Prozess ist nicht abgeschlossen. Aber was die Aufwendungen für unsere Energienetze betrifft, gehen wir als Bayernwerk bei unseren Netzbudgets stramm auf eine Milliarde Euro pro Jahr zu und sehr absehbar auch darüber hinaus. Damit sind wir nicht nur technisch und innovativ, sondern auch in puncto Investitionen einer der wesentlichen Motoren für Bayerns Energiezukunft“, betont die Finanzvorständin.

 

Bayernwerk-Gruppe auf Wachstumskurs – Photovoltaik: rasanter Anstieg im Bayernwerk-Netz

Die frühzeitige strategische Ausrichtung auf Energiezukunft schlägt sich nach den Worten des Bayernwerk-Vorstandsvorsitzenden Dr. Egon Leo Westphal auch in einem erfolgreichen Wachstum der Bayernwerk-Gruppe nieder. „Im Jahr 2022 konnten wir unser Netz wieder deutlich erweitern und viele Neubaugebiete energetisch erschließen. In Summe haben wir praktisch eine bayerische Kleinstadt ans Netz gebracht“, erklärt Westphal. Im Gebiet der Bayernwerk Netz GmbH, der Netztochter der Bayernwerk AG, wurden rund 35.000 PV-Anlagen, 16 Windkraftanlagen und 23.000 Speicher neu ans Netz genommen. Insgesamt hat das Unternehmen 395.000 dezentrale Einspeiseanlagen an das Energienetz angeschlossen, davon 385.000 Photovoltaik-Anlagen. „Wir gehen rasenden Schrittes auf die 400.000ste PV-Anlage im Bayernwerk-Netz zu. Allein an unser Energienetz ist mehr PV angeschlossen als in ganz Baden-Württemberg oder in Nordrhein-Westfalen“, betont Westphal. Mit dem neuen Tochterunternehmen „Bayernwerk Asset- und Projektservice“ hat die Bayernwerk-Gruppe zum Jahreswechsel Knowhow in der Wartung und Instandhaltung großer Wasserkraftwerksanlagen in die Unternehmensgruppe geholt.

 

Im Wettbewerb um kommunale Konzessionen konnte sich die Bayernwerk Netz GmbH vollumfänglich behaupten. „Über 100 Konzessionen haben wir im Jahr 2022 gesichert und wie in den Vorjahren keine einzige verloren. Das ist für uns ein enorm wichtiger Vertrauensbeweis seitens der Kommunen. Die Energiezukunft findet in den Regionen statt. In einer Zeit mit wachsender Unsicherheit und gänzlich neuen Herausforderungen wird Vertrauen zu einer immer härteren Währung“, betont Westphal. Auf Basis des Vertrauens arbeite das Unternehmen auch an einer strategischen Gebietserweiterung. Zum 1. Juli soll das Netz des Energieunternehmens Kraftwerke Haag im Landkreis Mühldorf a. Inn mit 17.000 Abnahmestellen in 21 Kommunen übernommen werden.

 

Lösungen entwickeln, Lösungen vorschlagen – Bayernwerk-Plan für beschleunigte Energiewende

Die Energiezukunft braucht nach den Worten des Bayernwerk-Chefs Lösungen. Um dem enormen Ausbaubedarf bei Umspannwerken gerecht zu werden, entwickle das Unternehmen derzeit mobile Container-Umspannwerke. „Diese Entwicklung ist revolutionär und wird den erforderlichen Umspannwerk-Ausbau massiv beschleunigen“, so Westphal. Von zentraler Bedeutung für eine schnelle Umsetzung seien jedoch vor allem die politischen Rahmenbedingungen. Das Unternehmen habe daher einen lösungsorientierten Bayernwerk-Plan mit zehn Punkten entworfen, der sich an die bayerische Landespolitik und die Bundespolitik richtet. Zu den Vorschlägen zählen unter anderem ein bayerisches Landesbedarfsplangesetz, das vorabgestimmte Vorrangflächen für den Ausbau Erneuerbarer Energien festlegt sowie ein Cluster für den Netzanschluss von Anlagen. Beim Anschluss Erneuerbarer soll der Fokus auf Anlagen mit hoher Realisierungswahrscheinlichkeit liegen. „Wir müssen auf die Antragsflut reagieren und die Spreu vom Weizen trennen“, so Westphal. Für die Entfesselung der Energienetze brauche es schnellere Genehmigungen. „Zudem bleiben Komplexität und Bürokratie ein Bremsklotz im System. Hier muss aktiv gegengesteuert werden, um die Energiewende nicht abzuwürgen“, fordert Westphal. Der Bayernwerk-Plan benennt zudem ein Förderprogramm für PV-Speicheranlagen in Häusern als Anreiz für eine schnellere Umsetzung der dezentralen Energiewende. Mit Blick auf die Regulierungsbehörden des Bundes und der Länder mahnt der Bayernwerk-Plan an, den gestalterischen Auftrag von Netzbetreibern für eine klimaneutrale Energiezukunft anzuerkennen. Westphal: „Derzeit zielt die Regulierung auf eine immer höhere Effizienz von Netzbetreibern ab. Das schränkt erforderliche Investitionen in die Energiewelt von morgen ein.“

 

Mensch im Mittelpunkt – Bayernwerk startet Offensive am Fachkräftemarkt – Ausbildungsplätze verdoppeln –Bayernwerk-Akademie schafft neue Lernwelt

Albert Zettl, Vorstand für Personal und Markt, verwies auf die unternehmerischen Herausforderungen, die der Arbeitsmarkt der Zukunft mit sich bringt. „Die Energiebranche ist das Silicon Valley unserer Zeit. Der enorme Zuwachs an Digitalisierung, an neuen Technologien wie Wasserstoff oder Speicher erfordert neue Fähigkeiten. Wir stoßen zudem auf veränderte Lebenswünsche der unterschiedlichen Generationen. Wir brauchen darauf neue Antworten in der Berufswelt“, so Albert Zettl. Das Bayernwerk werde daher die Zahl der neuen Auszubildenden bis 2025 verdoppeln. Zettl: „Seit vielen Jahren beginnen jährlich rund 70 neue Auszubildende ihr Berufsleben bei uns. Diese Zahl erhöhen wir bereits in diesem Jahr auf 120 und bis 2025 auf dann jährlich 140 Ausbildungsplätze. Im Schnitt werden wir dann knapp 500 Auszubildende im Bayernwerk beschäftigen.“

 

Die Bayernwerk-Gruppe wird nach den Worten des Personalvorstands das gesamte Bildungswesen auf neue Beine stellen. „In den kommenden fünf Jahren entwickeln wir mit einer Bayernwerk-Akademieeine neue Lernwelt. Unter dem Dach der Akademie werden wir in diesem Zeitraum eine bayernweite Campus-Struktur aufbauen. Die Bayernwerk-Akademie wird unsere zentrale Energiequelle für Lernen, Wissen, Denken und sicheres Arbeiten. In Vernetzung zu Wissens- und Forschungseinrichtungen kann die Akademie auch eine Rolle als „Think Tank“ für die stete Weiterentwicklung von Gesellschaft, Unternehmen und der Energiewelt einnehmen. Damit geben wir konkrete Antworten auf die Arbeitswelt von morgen“ betont Albert Zettl. Ziel sei es, das Bayernwerk als eine der TOP-Arbeitgebermarken in Bayern zu etablieren.

 

Bayernwerk Natur versorgt Olympiazentrum in München mit Wärme

Eine positive Entwicklung kann Albert Zettl auch in Wettbewerbsmärkten aufzeigen. „In unserer Wärmestrategie ist uns mit der Übernahme von Wärmenetzen in München ein wichtiger Schritt gelungen. Künftig versorgen wir dort das Olympische Dorf, die Olympiahalle, die Schwimmhalle, das Olympiastadion, den TUM-Campus im Olympiapark und die Wohnanlage am Olympiapark mit Wärme“, so Albert Zettl. Im kommunalen Umfeld wird im niederbayerischen Bad Abbach ein Pilotprojekt zur kommunalen Wärmeversorgung gestartet.

Im Geschäftsfeld Straßenbeleuchtung treibt das Unternehmen den Einsatz von LED-Technologie voran. Zettl: „Das Bayernwerk ist mit rund 660.000 Leuchten in unseren rund 1.300 bayerischen Partnerkommunen Deutschlands größter Betreiber von Straßenbeleuchtungsanlagen. Bei der Umrüstung auf nachhaltige LED-Technologie sind wir weit gekommen, zwei Drittel aller Leuchten sind umgerüstet. Wir werfen weiter den LED-Turbo an und wollen bis 2025 alle unsere Straßenleuchten mit LED-Technologie betreiben.“

 

Eine neue Bayernwerk-Ära beginnt

Im Zuge der Transformation des Energiesystems sieht sich das Bayernwerk laut seinem Vorstandsvorsitzenden Dr. Egon Leo Westphal auch als Unternehmen auf dem Weg in eine neue Ära. „Wir freuen uns darauf, für diese neue Welt unseren Beitrag zu leisten. In unserer Unternehmensgeschichte mit über 100 Jahren Bayernwerk – angefangen bei unserem Gründervater Oskar von Miller – stehen wir am Beginn des nächsten Kapitels. Unsere Geschichte geht weiter.“

 

Lösungen für die Energiezukunft im Innovations-Parkour

In einem Innovations-Parkour stellt das Unternehmen Lösungen vor, die den Weg in die Energiezukunft begleiten und beschleunigen:

 

Bayernwerk AG

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