Mo., 04.12.2017 , 08:21 Uhr

Personalentscheidung: Doppelspitze bei der CSU?

CSU-Chef Horst Seehofer hofft, die Streitigkeiten in der Partei mit der sich abzeichnenden Trennung von Vorsitz und Ministerpräsidentenamt schnell beenden zu können. «Ich habe einen Vorschlag gemacht, den ich als Konsensvorschlag bezeichne, in unzähligen Gesprächen, und der ist allgemein gut geheißen worden», sagte der 68-Jährige am späten Sonntagabend nach mehreren Gremiensitzungen in München. Mit diesem Vorschlag gehe man nun am Montag in die CSU-Landtagsfraktion und den Parteivorstand – «und ich nehme an auch auf den Parteitag». 

Details zu seinem Vorschlag wollte Seehofer nicht nennen. Nach Teilnehmerangaben hatte er zuvor angeboten, auf die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl 2018 zu verzichten und schon im ersten Quartal des kommenden Jahres vom Posten des Regierungschefs zurückzutreten. Im Dezember will er demnach aber auf dem Parteitag in Nürnberg erneut für den Parteivorsitz kandidieren. «Wir haben gut gearbeitet und ich glaube, es wird morgen ein erfolgreicher Tag», betonte Seehofer.

Am Montagmorgen wollen die 101 Abgeordneten um 08.30 Uhr zu einer Sondersitzung im bayerischen Landtag zusammenkommen, um ihren Favoriten für die Spitzenkandidatur zu küren. Unklar war zunächst weiterhin, ob der bayerische Finanzminister Markus Söder sein Nachfolger werden soll oder ob es eine Kampfabstimmung zwischen Söder und Innenminister Joachim Herrmann geben könnte. Herrmann ließ die Frage auch in der vertraulichen Sitzung bis zum Ende offen. Seehofers optimistische Prognose für den Montag könnte aber als Indiz für einen Verzicht gewertet werden, da eine Kampfkandidatur zwischen Söder und Herrmann weder Partei noch Fraktion umgehend befrieden könnten.

Offen ist auch, ob Seehofer und Herrmann Ministerämter in einer möglichen Bundesregierung anstreben wollen, sollte es zu einer Regierungsbildung kommen. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) betonte am Sonntagabend im ZDF, die CSU müsse in Berlin stark vertreten sein, mit Seehofer wäre dies gewährleistet. Dies könnte wiederum für neuen Ärger in der CSU-Landesgruppe sorgen, wenn zwei CSU-Politiker ohne Bundestagsmandat nach Berlin wechseln würden.

Seehofer steht seit dem CSU-Fiasko bei der Bundestagswahl unter Druck, mindestens eines seiner beiden Spitzenämter abzugeben. Am Montagmorgen will er sich nun offiziell äußern. Als erstes will die Fraktion ihren Favoriten für die Spitzenkandidatur küren. Unter Abgeordneten gilt eine Mehrheit für Söder als sicher – selbst wenn Herrmann am Ende doch noch antreten sollte. Anschließend will der Parteivorstand über die Personalien beraten und eine Beschlussempfehlung für den Parteitag Mitte Dezember beschließen.

Ziel Seehofers und der CSU-Spitze ist es, den seit der Bundestagswahl und teils erbittert geführten Machtkampf in der CSU zu befrieden. «Der ganz überragende Wunsch in der Partei ist, dass wir im Konsens, gemeinsam die riesigen Aufgaben anpacken, um die es geht», sagte Seehofer am Sonntag vor den Beratungen der engeren Parteiführung in München. «Jetzt versuchen wir so schnell wie möglich, wieder zu der legendären Gemeinsamkeit und Geschlossenheit zu kommen, die die CSU über Jahrzehnte ausgezeichnet hat.»

dpa/MF

Das könnte Dich auch interessieren

23.10.2026 Steuerschätzung: Der Bund kann sich freuen, der Freistaat nicht Bayern kann sich nach der neuesten Steuerschätzung anders als der Bund bis 2027 nicht auf steigende Steuereinnahmen freuen. Finanzminister Albert Füracker (CSU) sagte der Deutschen Presse-Agentur in München, für 2026 müsse Bayern mit einem leichten Minus von 0,3 Milliarden Euro im Vergleich zum Haushalt 2026 rechnen.   Leichtes Minus für 2026 und 2027 Für 2027 22.10.2026 Politik: Klingbeil lehnt Änderung des Finanzausgleichs ab Finanzminister Lars Klingbeil hält nichts davon, Länder mit AfD- oder Linke-Regierung vom Länderfinanzausgleich abzuschneiden. Das sagte der SPD-Chef in Berlin.   Klingbeil lehnt Konsequenzen für Länder ab «Ich habe Probleme damit, Ländern zu sagen, ihr habt aus unserer Sicht falsch gewählt und deswegen gibt es Konsequenzen», sagte Klingbeil in Berlin. Sollten sich Landesregierungen nicht an 22.10.2026 Umfrage: Viele Bayern sehen KI skeptisch Viele Menschen in Bayern sehen Künstliche Intelligenz einer neuen Umfrage zufolge eher skeptisch. 38 Prozent erwarten, dass KI das Leben der Menschen in den kommenden Jahren verschlechtern wird. Nur 27 Prozent gehen von einer Verbesserung aus, 35 Prozent sind unentschieden. Umfrage von Civey im Auftrag des Genossenschaftsverbands Das Ergebnis stammt aus einer Erhebung des Instituts 19.10.2026 Olympia 2036: Wie schnell kann Bayern bauen? Die Macher der Münchner Sommerspiele-Bewerbung wollen mit einem Olympia-Gesetz die Umsetzung ihrer Pläne forcieren. Das Gesetzesvorhaben solle „so schnell wie möglich“ auf den Weg gebracht werden, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Ziel sei es, schon für eine Olympia-Austragung im Jahr 2036 fit zu werden. Söder: Baurecht und Planung beschleunigen Der CSU-Vorsitzende kündigte an: „Wir werden