Mo., 08.11.2021 , 12:41 Uhr

Parteispenden-Prozess: CSU-Abgeordneter Rieger schweigt vor Gericht - Fortsetzung am Mittwoch

Es ist ein weiteres Verfahren in der sogenannten Regensburger Korruptionsaffäre. Dem CSU-Abgeordneten Franz Rieger wird unter anderem wegen Erpressung der Prozess gemacht. Der Angeklagte hat heute vor Gericht geschwiegen. Die Hauptverhandlung wird am Mittwoch fortgesetzt.

Der CSU-Landtagsabgeordnete Franz Rieger muss sich im Zusammenhang mit der Einwerbung von Wahlkampfspenden im Jahr 2013 vor dem Landgericht Regensburg verantworten. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft hat er sich der Beihilfe zur Steuerhinterziehung, Erpressung sowie wegen Verstoßes gegen das Parteiengesetz schuldig gemacht. Zum Prozessbeginn am Montag schwieg der 62-Jährige. Er hat die Vorwürfe bislang stets zurückgewiesen.

Für den Prozess sind zunächst acht Verhandlungstage angesetzt worden. Nach dem Beginn am Montag zogen sich Verteidiger und Staatsanwälte mit den Richtern für ein Rechtsgespräch zurück. Die Hauptverhandlung soll am Mittwoch fortgesetzt werden.

 

Hintergrund

Laut Anklage warb Rieger 2013 bei einem Bauträger um Spenden in Höhe von 60 000 Euro für seine Landtagskandidatur. Nachdem sein Gegenüber dies ablehnte, soll Rieger ihm angesichts der bevorstehenden Kommunalwahl gesagt haben: «Sie wissen schon, wer in Zukunft über die Bauprojekte und die Baugenehmigungen entscheidet.» Die Staatsanwaltschaft wertet dies als Erpressung.

Der Unternehmer habe sich damals auf Riegers Anmerkung hin zu einer Spende - knapp unter der Veröffentlichungsgrenze von 10.000 Euro - sowie zur Übernahme von zwei Scheinrechnungen einer Regensburger PR-Firma in Höhe von rund 30.000 Euro bereiterklärt.

Der Inhaber dieser PR-Agentur sitzt gemeinsam mit Rieger auf der Anklagebank. Der Politiker soll diesen zur Verschleierung der Spenden des Bauträgers hinzugezogen haben. Demnach stellte der PR-Mann dem Bauunternehmer dann Scheinrechnungen, die dieser laut Anklage bei der Körperschafts- und Gewerbesteuererklärung 2013 als Betriebsausgaben geltend machte. Somit habe er weniger Steuern gezahlt. Aus Sicht der Ankläger haben sich Rieger und der PR-Mann der Beihilfe zur Steuerhinterziehung schuldig gemacht.

Darüber hinaus wirft die Anklagebehörde Rieger vor, ein System aus Strohmann-Spenden eines weiteren Bauträgers unterstützt zu haben, indem er den Rechenschaftsbericht des CSU-Kreisverbandes Regensburg-Stadt, in dem die laut Ermittler fingierten Einzelspenden mehrerer Mitarbeiter der Baufirma aufgeführt waren, unterzeichnete. Es habe so aussehen sollen, als hätten die Arbeitnehmer privat je knapp 10 000 Euro gespendet - so habe verschleiert werden sollen, dass das Geld eigentlich aus dem Vermögen des Bauträgers stammt.

 

dpa/JM

Video: Prozessauftakt in Regensburg
Dem CSU-Abgeordneten Franz Rieger wird unter anderem wegen Erpressung der Prozess gemacht. Der Angeklagte hat heute vor Gericht geschwiegen.

Das könnte Dich auch interessieren

27.04.2026 Landkreis Regensburg: Langjährige Bürgermeister im Landratsamt verabschiedet Landrätin Tanja Schweiger würdigte das Engagement der scheidenden Gemeindeoberhäupter und dankte für die enge Zusammenarbeit auf Landkreisebene. Langjährige Bürgermeister verabschiedet Verabschiedet wurden Herbert Heidingsfelder (Gemeinde Alteglofsheim), Hans Thiel (Gemeinde Barbing), Irmgard Sauerer (Gemeinde Brennberg), Diethard Eichhammer (Gemeinde Deuerling), Jürgen Sommer (Markt Donaustauf), Thomas Eichenseher (Gemeinde Duggendorf), Herbert Tischhöfer (Stadt Hemau), Christian Hauner (Markt 02.03.2026 Landkreis Regensburg: U18-Wahl mit digitalem Pilotprojekt erzielt hohe Beteiligung Der Landkreis Regensburg erzielte bei der erstmals auch digital durchgeführten U18-Wahl mit 1.247 abgegebenen Stimmen und einer Wahlbeteiligung von 17,40 Prozent ein über dem bayernweiten Durchschnitt liegendes Ergebnis und setzte damit ein Zeichen für moderne Jugendbeteiligung. 14.02.2026 Bayern: 95 Millionen Euro Hochwasserhilfe von der EU Bayern hat nach dem verheerenden Hochwasser im Juni 2024 rund 95 Millionen Euro aus dem Europäischen Solidaritätsfonds erhalten. Das bestätigte eine Sprecherin des Finanzministeriums auf dpa-Anfrage. Zuvor hatte die „Augsburger Allgemeine“ darüber berichtet. Den Antrag auf die europäischen Hilfen hatte der Freistaat gemeinsam mit Baden-Württemberg gestellt. 95 Millionen Euro aus dem Europäischen Solidaritätsfonds Mit den 22.10.2025 Regensburg/Berlin: Folgt Friedrich Merz der Einladung von Peter Aumer in die Domstadt? Seit vergangener Woche erntet Bundeskanzler Friedrich Merz ordentlich Kritik, wegen einer Aussage zur Migrationspolitik. Bundestagsabgeordneter Peter Aumer reagiert darauf mit einem offenen Brief und einer Einladung nach Regensburg.