Mi., 29.04.2026 , 10:35 Uhr

OTH Regensburg: AI Day macht Künstliche Intelligenz erlebbar

Vom digitalen Bauhelfer bis zum automatischen Faktencheck zeigten Studierende, Forschende und Vertreterinnen und Vertreter aus Unternehmen, wie alltagsnah Künstliche Intelligenz heute bereits eingesetzt wird.

Wie verlegt man ein perfektes Pflastermuster ganz ohne jahrelange Erfahrung im Handwerk? Beim AI Day an der OTH Regensburg genügte dafür ein Blick durch die Brille: Eine KI, entwickelt vom Team des Building Labs, zeigte in Echtzeit, wo der nächste Stein hingehört. Damit soll handwerkliche Arbeit nicht ersetzt werden, sondern gezielt unterstützt. Was für einige zunächst nach Zukunftsmusik klingt, konnten Besucherinnen und Besucher am Mittwoch, 22. April 2026, an der Hochschule selbst erleben.

 

„Es wartet ein spannender Tag mit vielen neuen Impulsen, Diskussionen und ganz praktischen Erfahrungen auf Sie“, hatte Prof. Dr. Christoph Skornia, Vizepräsident für Digitales und Nachhaltigkeit an der OTH Regensburg, zur Eröffnung angekündigt. Ein Versprechen, das eingelöst wurde: Von medizinischer Faktenprüfung über intelligente Industrieprozesse bis hin zu selbstlernenden Fahrzeugen präsentierte sich Künstliche Intelligenz so greifbar wie selten.

 

Zugleich machte Skornia deutlich, welche Rolle die Hochschule dabei einnimmt: „Als OTH Regensburg verstehen wir uns nicht nur als Ort der Wissensvermittlung, sondern als aktiven Gestalter der KI-Entwicklung, im engen Zusammenspiel von Forschung, Praxis und gesellschaftlicher Verantwortung.“

 

Das Interesse war enorm: Da der Hörsaal bis auf den letzten Platz besetzt war, wurden die Vorträge zusätzlich in einen anderen Raum gestreamt. Organisiert wurde der AI Day vom Research Center for Artificial Intelligence (RCAI) unter der Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Mauerer. Hier bündelt die OTH Regensburg seit 2020 ihre KI-Aktivitäten, von der Grundlagenforschung bis zur Anwendung. Für den reibungslosen Ablauf der Veranstaltung sorgte Nicole Höß, Wissenschaftliche Koordinatorin am RCAI.

 

 

Mehr zum AI Day an der OTH Regensburg sehen Sie am 30.04.2026 bei TVA – ab 18:30 Uhr in unserer Sendung Ostbayern 4.0 – KI im Alltag

 

Studierendenwettbewerb: KI-Demonstratoren mit Praxisbezug

Ein Höhepunkt des Tages war ein Wettbewerb, in dem Studierende ihre eigenen KI-Projekte präsentierten. Die Beiträge zeigten die thematische Breite und den hohen Anwendungsbezug aktueller KI-Forschung. Den Sieg und das Preisgeld in Höhe von 1000 Euro holte sich Benjamin Zec.

Benjamin Zec (OTH Regensburg, Labor für Digitalisierung) demonstrierte die bereits heute beeindruckende Fähigkeit von Quantencomputern bei Optimierungsaufgaben und Reinforcement-Learning anhand des Szenarios eines autonomen Fahrzeugs auf einer Rennstrecke. Ausgestattet mit Kommunikationstechnologie und einer begrenzten Menge wählbarer Aktionen (z.B. Beschleunigen, rechte Spur wählen) lernt das Fahrzeug mit jeder Runde aus seinen gesammelten Erfahrungen dazu und verbessert kontinuierlich sein Fahrverhalten. Das Besondere: Der Quantenrechner kommt schneller zum optimalen Ergebnis als der Klassische.

Jonas Boerschmann und Rijak Singh Malhotra (Technische Universität Chemnitz) stellten ein KI-gestütztes System zur medizinischen Faktenprüfung von Instagram-Videos vor. Das Tool läuft parallel zur Nutzung der Plattform und erkennt Inhalte mit medizinischem Bezug. Einzelne Aussagen der Videos werden identifiziert und auf Basis frei zugänglicher medizinischer Fachpublikationen auf deren Wahrheitsgehalt überprüft. Nutzerinnen und Nutzer erhalten direkt in der Anwendung eine Einschätzung, ob Aussagen korrekt oder irreführend sind. Dies soll Falschmeldungen im Internet entgegenwirken.

Dominik Köster und Denis Bucher (OTH Regensburg, Labor für Digitalisierung) präsentierten einen KI-basierten Wissensassistenten, der sowohl für Unternehmen als auch die OTH Regensburg zum nachhaltigen Wissensmanagement beitragen kann. Das System wertet unter anderem bestehende Online-Informationen aus und beantwortet beispielsweise Fragen zu Studiengängen, Standorten und Services. Studieninteressierte können sich so schnell und gezielt über Inhalte und Rahmenbedingungen ihres Studiums informieren.

Leon Dresel (OTH Regensburg, Building Lab) zeigte mit seinem Projekt „Koda“, wie natürliche Sprache und KI die Zusammenarbeit zwischen Architektinnen, Architekten und Auftraggebenden verbessern können. Während Kundinnen und Kunden ihre Vorstellungen meist sprachlich und emotional beschreiben, arbeiten Architekturbüros mit komplexen dreidimensionalen Modellen. Das System übersetzt sprachliche Eingaben in 3D-Modelle und erleichtert so die Kommunikation und das gemeinsame Verständnis geplanter Bauvorhaben.

Das Team um Noah Meißner und Samuel Bullard (Universität Regensburg) stellte ein KI-Werkzeug zur Nachvollziehbarkeit der Aktivitäten von KI-Agenten anhand der Strukturierung von Dateien und Ordnern beim Arbeiten an Computern vor. Ihr Programm ScopeWeaver analysiert chaotische Desktop-Strukturen, sortiert Inhalte und schlägt verständliche Bezeichnungen vor. Dabei bleibt der Mensch stets eingebunden: Jede Aktion erfordert eine explizite Freigabe, um Transparenz und Kontrolle sicherzustellen.

 

Impulse aus Forschung und Industrie

Für wissenschaftliche Impulse sorgte zu Beginn Prof. Dr. Volker Tresp von der LMU München. In seiner Keynote spannte er den Bogen von modernen Machine-Learning-Methoden bis hin zu grundlegenden Fragen: Wie „versteht“ eine KI eigentlich Sprache? Und was unterscheidet maschinelles Lernen vom menschlichen Denken?

Am Nachmittag verlagerte sich der Fokus auf die infrastrukturellen Voraussetzungen moderner KI. Prof. Dr. Dieter Kranzlmüller (Leibniz-Rechenzentrum) stellte die Vision einer bayerischen KI-Gigafactory vor: leistungsfähige Rechenzentren, die enorme Datenmengen verarbeiten können. Gemeinsam mit Daniel Hofmann (T-Systems) wurde deutlich, wie solche Strukturen Innovation beschleunigen: von vorausschauender Wartung in der Industrie bis hin zu intelligenten Mobilitätslösungen.

 

 

KI als strategisches Zukunftsfeld

Der AI Day machte auch die strategische Bedeutung von Künstlicher Intelligenz an der OTH Regensburg deutlich. Mit dem Research Center for Artificial Intelligence (RCAI), zusätzlichen Fördermitteln für den Ausbau von Hochleistungsrechnern und zuletzt rund 40 Millionen Euro eingeworbenen Drittmitteln stärkt die Hochschule ihre KI-Kompetenz gezielt.

Vor allem aber zeigte die Veranstaltung eines: Künstliche Intelligenz ist längst Teil unseres Alltags und ihre Entwicklung lebt vom Austausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Der AI Day an der OTH Regensburg bot dafür die passende Plattform.

Unterstützt wurde der AI Day an der OTH Regensburg von den Sponsoren ams-Osram International GmbH, Infineon Technologies AG und knowis AG.

 

Pressemitteilung OTH Regensburg

Das könnte Dich auch interessieren

23.02.2026 Bayern: Exporte steigen 2025 leicht Bayerns exportabhängige Industrie hat sich im Jahr 2025 trotz schwieriger Bedingungen behauptet. Wie das Statistische Landesamt mitteilte, stiegen die weltweiten Ausfuhren um 0,9 Prozent auf knapp 227 Milliarden Euro. Gleichzeitig legten auch die Importe um 0,9 Prozent auf 229,3 Milliarden Euro zu. Damit bleibt es bei einem – wenn auch vergleichsweise kleinen – Handelsdefizit. Besonders 05.02.2026 Konjunkturumfrage: Industrie tastet sich vor, Bau bleibt Sorgenkind Die aktuelle Konjunkturumfrage der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim zeigt zum Jahresbeginn leichte Aufwärtssignale, jedoch keinen breiten wirtschaftlichen Aufschwung. Grundlage sind die Rückmeldungen von 280 Unternehmen aus der Region. Die Wirtschaftslage stagniert weiterhin, auch wenn sich in einzelnen Branchen vorsichtiger Optimismus bemerkbar macht. Verhaltene Entwicklung in Industrie, Handel und Tourismus „Insgesamt spiegelt unsere Konjunkturumfrage 02.01.2026 Neue Stromleitungen: Bayernwerk startet massiven Netzausbau Das Bayernwerk mit Sitz in Regensburg will in den kommenden Jahren zehntausende Kilometer neuer Stromleitungen errichten. Hintergrund ist der grundlegende Umbau der Stromversorgung in Bayern und Deutschland hin zu erneuerbaren Energien. „Wir bauen bis 2030 ungefähr 40.000 Kilometer Mittel- und Niederspannungsleitungen, das entspricht einmal rund um den Äquator“, sagte Vorstandschef Egon Westphal der Deutschen Presse-Agentur. 01.12.2025 Regensburg: BMW startet Bau der neuen Wasserstoff-Infrastruktur im Werk Im Regensburger BMW-Werk hat der symbolische Baubeginn für eine neue Wasserstoff-Infrastruktur stattgefunden. Vertreter des Werks und der Stadt Regensburg verlegten auf dem Dach einer Werkshalle die erste Edelstahlleitung des künftigen Netzes. Dieses soll ab dem zweiten Halbjahr 2026 Wasserstoff zu Routenzügen und Gabelstaplern leiten, die in der Produktionslogistik eingesetzt werden. Ab 2026: Wasserstoffbetriebene Logistikflotte Geplant