Mi., 17.10.2018 , 10:41 Uhr

Ostbayern: Wirtschaft weiterhin obenauf

Die Firmen in der Oberpfalz und dem Landkreis Kelheim trotzen weltwirtschaftlichen Turbulenzen. „57 Prozent der Unternehmen konnten ihr Geschäftsvolumen steigern“, berichtet Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes von der Herbst-Konjunkturumfrage der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim, bei der über 300 Unternehmen aus der Region befragt wurden. Vor allem Industrie und Dienstleister freuen sich über mehr Aufträge. Das Exportgeschäft wächst kontinuierlich und weist seit Jahresbeginn ein Plus von acht Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aus.

Beim Blick in die Branchen meldet der Bau ein Ende der Marktüberhitzung, aber dennoch weiterhin volle Auftragsbücher. Industrie und Dienstleister bleiben die Zugpferde der regionalen Wirtschaft. „2018 wird für uns ein gutes Jahr. Wir haben uns auf die Veränderungen in der Versicherungsbranche eingestellt und nicht wenige Mitbewerber hören derzeit auf“, sagt der Versicherungsmakler Michael Richthammer aus Weiden.

Sommer ohne Ende, trübe Weihnachten

Der nicht enden wollende Sommer 2018 strahlt auf die Tourismusbetriebe: Fast 20 Prozent der Hotels, Pensionen und Campingplätze in Ostbayern melden für 2018 einen höheren Umsatz mit Urlaubsgästen. Dem gegenüber zeigt sich der Handel pessimistisch. Trotz guter Geschäftslage sind die Umsätze bei den Händlern seit Jahresbeginn rückläufig und selbst das anstehende Weihnachtsgeschäft mag die Händler nicht froh stimmen.

Investitionen geplant, Personal knapp

Aufgrund der anhaltend hohen Kapazitätsauslastung fallen die Investitionspläne der Industrie nochmals günstiger aus als im Frühjahr. Sorgen bereiten den Unternehmen höhere Kraftstoff- und Heizölpreise sowie der Fachkräftemangel. „46 Prozent der Betriebe finden nicht genug Fachkräfte mit dualer Ausbildung“, weiß Helmes. Das bestätigt Thomas Hofmann von der Hofmann Leiterplatten GmbH in Regensburg: „Herausforderungen in diesem Jahr waren Engpässe bei der Beschaffung elektronischer Bauteile und vor allem der Fachkräftemangel, der uns gezwungen hat, Aufträge abzulehnen. Mit Blick auf das nächste Jahr gehe ich unter normalen politischen und weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen von einer guten bis sehr guten Auftragslage aus.“

Ausblick auf 2019

Nach den Geschäftsaussichten zum Jahresende gefragt, droht bei den Firmen in absehbarer Zeit kein Konjunktureinbruch. Jedes vierte Unternehmen möchte seine Beschäftigtenzahl in den nächsten Monaten erhöhen, vor allem die Industrie meldet hohen Bedarf an. Allerdings kann jeder zweite Betrieb offene Stellen längerfristig nicht besetzen. „Investitionen ins Geschäft sind meistens mit Personal verbunden. Die Firmen werden vermehrt um qualifizierte Fachkräfte ringen“, sagt Dr. Jürgen Helmes. „Da der Arbeitsmarkt nicht mehr hergibt, müssen sie verstärkt die Effizienz-Potenziale der Digitalisierung nutzen und Menschen gezielt weiter qualifizieren“.

Arbeitskräfte mit dualer Berufsausbildung oder Weiterbildungsabschlüssen wie Fachwirte oder Meister stehen auf der Bedarfsliste oben. In der Tourismusbranche zeigen sich 41 Prozent der Betriebe offen für Arbeitskräfte ohne Ausbildung. Mit Blick auf ausländische Fachkräfte wünscht sich die Mehrzahl der Unternehmen von den Behörden einfachere Verfahren bei der Anstellung und Unterstützung beim Anwerben. Die Realität gestalte sich oft anders. Umso höher sind die Erwartungen an das geplante Fachkräftezuwanderungsgesetz.

 

pm/MS

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