Do., 16.07.2026 , 13:33 Uhr

Ostbayern: Umsätze sinken, Aufträge fehlen – wie ernst ist die Lage im Handwerk?

Das ostbayerische Handwerk ist mit einer schwächeren Konjunktur ins zweite Quartal 2026 gestartet. Der Geschäftsklima-Index der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz sank gegenüber dem Vorquartal um fünf Punkte auf den Wert eins. Damit setzt sich der Abwärtstrend nach einer kurzen Erholung erneut fort.

Frühjahrsbelebung blieb aus

Nach Angaben der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz blieb sogar die sonst übliche Belebung im Frühjahr aus. Handwerkskammerpräsident Dr. Georg Haber erklärt: „Sogar die normal übliche saisonale Frühjahrsbelebung blieb diesmal aus.“

Als Gründe nennt die Handwerkskammer die anhaltend schwache Wirtschaftslage, eine zurückhaltende Nachfrage, hohe Kosten sowie internationale Krisen. Haber fordert deshalb schnelle Reformen und zusätzliche Wachstumsimpulse durch die Bundesregierung. „Entscheidend ist nicht, was beabsichtigt wird, sondern ob Maßnahmen im Alltag der mittelständischen Betriebe auch schnell, effektiv und wirklich spürbar ankommen.“

Nur wenige Betriebe blicken optimistisch nach vorn

Laut dem Konjunkturbericht bewertet nur noch jeder dritte Betrieb (36 Prozent) seine aktuelle Geschäftslage als gut. Vor fünf Jahren lag dieser Wert noch bei rund 50 Prozent. Auch der Blick auf die kommenden Monate fällt verhalten aus: Lediglich sechs Prozent der Betriebe erwarten eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage.

Die Nachfrage bleibt ebenfalls schwach. 29 Prozent der Betriebe meldeten zuletzt sinkende Neuaufträge. Gleichzeitig stuft fast jeder dritte Betrieb seinen Auftragsbestand als unterdurchschnittlich ein.

Umsätze entwickeln sich weiter rückläufig

Auch bei den Umsätzen überwiegen die negativen Meldungen. 26 Prozent der Betriebe verzeichneten Umsatzrückgänge, während nur 20 Prozent steigende Umsätze meldeten.

HWK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Kilger sieht darin ein Warnsignal: „Mit Ausnahme des Vorjahresquartals ist dieser Saldo bei der Umsatzentwicklung gegenüber dem Vorquartal seit drei Jahren durchgehend negativ. Und das ist kein gutes Zeichen für die weitere wirtschaftliche Entwicklung.“

Beschäftigung und Kosten bleiben Herausforderungen

Auch auf dem Arbeitsmarkt bleibt die Situation angespannt. 16 Prozent der Betriebe bauten Personal ab, lediglich neun Prozent stellten zusätzliche Beschäftigte ein. Drei Viertel der Unternehmen hielten ihre Mitarbeiterzahl konstant.

Zudem berichten viele Betriebe weiterhin über steigende Einkaufspreise und einen anhaltend hohen Kostendruck.

Lebensmittelgewerbe besonders betroffen

Besonders deutlich verschlechterte sich die Stimmung im Lebensmittelgewerbe. Dort meldeten 38 Prozent der Betriebe einen Rückgang der Nachfrage. Verbesserungen gab es lediglich in den Handwerken für den privaten sowie den gewerblichen Bedarf. Insgesamt bleiben die Erwartungen für die kommenden Monate jedoch in allen Handwerksgruppen zurückhaltend.

Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz

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