Fr., 22.07.2022 , 15:41 Uhr

Ostbayern: Sinkende Wasserstände durch extreme Hitze und Trockenheit

Die Wasserstände und Abflüsse in unseren Bächen, Flüssen und Seen sind aufgrund der fehlenden Niederschläge und hohen Temperaturen in den letzten zwei Wochen weiter zurückgegangen.

Bewertung der aktuellen allgemeinen Lage

Während der Regen und seine Zuflüsse etwa den Mittleren Niedrigwasser Abfluss (MNQ) führen, also einem Wert der für die trockenen Sommermonate „noch“ normal ist, unterschreiten Naab, Schwarzach und Schwarze Laber mit ihren Zuflüssen diesen Wert bereits, sind aber noch von den bisher niedrigsten gemessenen Werten entfernt. Im Landkreis Neumarkt konnte bereits ein Trockenfallen kleinerer Gewässer III. Ordnung festgestellt werden.

Die Wasserstände im Ludwig-Donau-Main-Kanal sind derzeit stark rückläufig. Durch die geringen Zuflüsse der Leitgräben findet kein Wasseraustausch über die Schleusen statt, mit der Folge weiter sinkender Wasserstände und steigender Wassertemperatur.

Aufgrund der Wettervorhersage für die kommenden Tage mit hohen Temperaturen und keinen relevanten Niederschlägen dürften sich die Abflussverhältnisse weiter verschärfen.

In den nächsten Tagen werden Mitarbeitern des Wasserwirtschaftsamtes den Zustand der Gewässer intensiv beobachten und verstärkt Abflussmessungen durchführen. Ähnlich stellt sich die Situation mit niedrigen bis sehr niedrigen Ständen bei den Grundwassermessstellen dar.

Die Füllstände von Perlsee, Silbersee und Drachensee sind im Bereich ihrer Stauziele oder leicht darunter, die Zuflüsse fallen derzeit weiter leicht.

 

1.1  Beeinträchtigungen

Die Freizeit- bzw. Badenutzung im Drachensee ist durch starkes Blaualgenwachstum beeinträchtigt. An kleineren Gewässern im Landkreis Cham ist die Wasserkraftnutzung aufgrund des Niedrigwassers zum Teil zum Erliegen gekommen.

 

2. Wer darf wieviel Wasser aus Oberflächengewässern entnehmen?

Wasserentnahmen aus Oberflächengewässern (Flüsse, Bäche, Gräben, Seen und Teiche) können diese vor allem in heißen Trockenperioden erheblich belasten. Insbesondere bei kleinen Bächen und Gräben leidet deren sensibles Ökosystem dann schnell. Aus diesem Grund werden Entnahmen durch gesetzliche Regelungen begrenzt, um das Überleben von Pflanzen und Tieren im und am Gewässer sicherzustellen.

Nur wer eine wasserrechtliche Genehmigung vorweisen kann, darf Wasser in den darin fest- gelegten Grenzen entnehmen. Die Entnahme von kleinen Mengen bleibt genehmigungsfrei. Dieser sog. Gemeingebrauch steht grundsätzlich jedermann zu. Ihm sind aber auch enge Grenzen gesetzt wie die, dass das Schöpfen nur mit Handgefäßen erfolgen darf. Nur bei großen Flüssen wie der Donau, dem Regen oder der Naab darf für das Tränken von Vieh und den häuslichen Bedarf der Landwirtschaft Wasser mithilfe einer Leitung und Pumpe ohne Genehmigung entnommen werden. Für alle anderen Entnahmen wie für die Bewässerung von Gärten und Felder ist eine Genehmigung notwendig.

Ob mit oder ohne Genehmigung, grundsätzlich sollte in diesen Tagen nur unter größter Zurückhaltung Wasser aus Oberflächengewässer entnommen werden.

In vielen kleinen Gewässern, wie z.B. dem Wenzenbach im Landkreis Regensburg (Foto), ist derzeit die Entnahme ohnehin untersagt.

 

3. Gewässerökologie Fließgewässer und Seen

Die Lebensbedingungen in unseren Fließgewässern wird maßgeblich durch das Zusammen- spiel von Wassertemperatur, Sauerstoff und Wassermenge und Strömung bestimmt. Noch liegen die Wassertemperaturen in den meisten Fließgewässern in einem unkritischen und jahreszeitlich nicht ungewöhnlichen Bereich.

Für die Donau gibt es einen gewässerökologischen Alarmplan, um frühzeitig vor kritischen Situationen warnen und auf diese reagieren zu können. Die Wassertemperatur zwischen Straubing und Deggendorf liegt inzwischen über 25°C, einem Wert, bei dem Achtsamkeit ge- boten ist, die Sauerstoffverhältnisse in der Donau sind jedoch noch gut.

Temperatur und Sauerstoff werden regelmäßig von der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) am Pfaffensteiner Wehr in Regensburg bestimmt und sind online abrufbar.

 

4. Trinkwasserversorgung

Beeinträchtigungen bzw. Engpässe in der öffentlichen Wasserversorgung sind uns bisher nicht bekannt.

 

5.  Bayernweiter Überblick zur Grundwassersituation

Die Grundwasserneubildung und die damit einhergehende Erholung der Grundwasserstände findet vorwiegend im hydrologischen Winterhalbjahr (November bis April) statt. Die Niederschlagsbilanz des vergangenen Winterhalbjahres 2021/22 fiel jedoch, besonders in Südbayern, erneut zu trocken aus. Auch die Folgemonate Mai, Juni sowie der bisherige Juli waren in weiten Teilen Bayerns insgesamt zu trocken.

Entsprechend werden in Nordbayern vermehrt niedrige Grundwasserstände registriert. Im ostbayerischen Kristallin bewegen sich die aktuellen Messwerte mehrheitlich noch auf dem für diese Jahreszeit üblichen Niveau.

Die Grundwassermessstellen der tieferen Grundwasserstockwerke weisen bereits seit dem Trockenjahr 2015 mehrheitlich niedrige Grundwasserstände auf. Zuletzt kam es, als Folge der teilweise sehr feuchten Sommermonate 2021, zu einer geringfügigen Erholung, welche sich jedoch insgesamt als nicht nachhaltig erwies. Der Anteil der als niedrig und sehr niedrig klassifizierten Grundwassermessstellen liegt mit derzeit bayernweit rd. 74% bereits wieder über dem Niveau der Jahre 2020 (rd. 68%) und 2021 (rd. 59%). Besonders von niedrigen Grundwasserständen betroffen sind die Messstellen des Jura.

Umfangreiche Informationen und aktuelle Messdaten finden Sie beim Niedrigwasser-Infor- mationsdienst Bayern des Bayerischen Landesamtes für Umwelt: https://www.nid.bayern.de/

Aktuelle Messwerte am Pfaffensteiner Wehr: https://www.nid.bayern.de/sauerstoff/donau_bis_passau/regensburg-pfaffenstein-ow-10060455

 

Wasserwirtschaftsamt Regensburg

 

Auch in Kelheim gibt es Niedrigwasser:

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