Zum Start des Ausbildungsjahres am 1. September meldet die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz 5.386 neu abgeschlossene Lehrverträge. Das entspricht einem Plus von 7,40 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Besonders deutlich fällt der Zuwachs in der Oberpfalz aus. Dort wurden 2.679 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen – 10,16 Prozent mehr als im Vorjahr. In Niederbayern sind es 2.707 neue Lehrverhältnisse und damit 4,80 Prozent mehr.
Damit setzt sich der Aufwärtstrend im ostbayerischen Handwerk trotz schwieriger wirtschaftlicher und demografischer Bedingungen im vierten Jahr in Folge fort.
Der stellvertretende HWK-Hauptgeschäftsführer Hans Schmidt führt die Entwicklung unter anderem auf die intensive Nachwuchsgewinnung der Betriebe und der Handwerkskammer zurück. „Wir haben lange dafür gekämpft, das Handwerk von völlig veralteten Klischees zu befreien“, sagt Schmidt.
Angebote zur Berufsorientierung sollen Jugendlichen und Eltern zeigen, welche beruflichen Möglichkeiten das Handwerk bietet. „Handwerk steht für Stabilität und Regionalität und verbindet Tradition und Innovation. Es bietet vielfältige Aufstiegschancen und spannende Perspektiven – heute mehr denn je.“
Auch HWK-Präsident Dr. Georg Haber sieht gute Zukunftsaussichten für handwerkliche Berufe. Vor allem für die Klima- und Energiewende seien qualifizierte Fachkräfte notwendig. „Ohne Handwerkerinnen und Handwerker sind die großen Zukunftsaufgaben nicht zu bewältigen“, betont Haber.
Auch durch Künstliche Intelligenz sieht er die Bedeutung des Handwerks nicht gefährdet. „Kein Handwerker und keine Handwerkerin wird in absehbarer Zeit durch Künstliche Intelligenz ersetzt werden. Handwerker sind individuelle Problemlöser. Sie verbinden Erfahrungswissen und handwerkliche Tradition mit modernster Technik und digitalen Möglichkeiten.“
Gleichzeitig bleibt der demografische Wandel eine Herausforderung. Laut den von der Handwerkskammer genannten Studien scheidet in den kommenden zehn Jahren ein Drittel der heutigen Erwerbsbevölkerung altersbedingt aus dem Arbeitsmarkt aus.
Schmidt sieht deshalb die Zuwanderung von Arbeitskräften als wichtigen Baustein: „Wir sind auf gesteuerte Zuwanderung angewiesen, um unseren Arbeitsmarkt zu stabilisieren – auch im Handwerk“.
Die Handwerkskammer beteiligt sich nach eigenen Angaben an verschiedenen Projekten, über die Auszubildende und Fachkräfte aus Drittstaaten für ostbayerische Betriebe gewonnen werden. Der Anteil der Auszubildenden ohne deutschen Pass im Handwerk ist 2026 auf 18,5 Prozent gestiegen.
Trotz der steigenden Zahl der Lehrverträge können Jugendliche weiterhin aus vielen Angeboten wählen. „Trotz der positiven Entwicklung bleibt der Ausbildungsmarkt in Ostbayern ein Bewerbermarkt“, so Hans Schmidt.
Nach Angaben der Arbeitsagentur kommen in Niederbayern über alle Wirtschaftszweige hinweg auf 100 betriebliche Ausbildungsstellen 69 Bewerber. In der Oberpfalz sind es 47 Bewerber.
In der Lehrstellenbörse der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz sind derzeit noch 692 Ausbildungsplätze ausgeschrieben. Davon entfallen 304 auf Niederbayern und 388 auf die Oberpfalz. Ein Ausbildungsstart ist auch nach dem 1. September noch möglich.
Besonders gefragt sind die Ausbildungsberufe Kfz-Mechatroniker, Elektroniker und Anlagenmechaniker SHK. Die meisten noch freien Stellen gibt es für Elektroniker, Anlagenmechaniker SHK, Kfz-Mechatroniker und Maurer.
PM Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz