Do., 30.07.2020 , 15:06 Uhr

Oberpfalz: Corona-Krise trifft die Metall- und Elektroindustrie hart

Die Corona-Krise hat auch die Metall- und Elektroindustrie in der Oberpfalz hart getroffen. Eine Erholung ist noch lange nicht in Sicht. Das zeigt auch die aktuelle Konjunkturumfrage der bayerischen Metall- und Elektroindustrie. Seit 2001 gibt es diese Umfrage – und die Ergebnisse sind aktuell so schlecht wie noch nie.

 

 

Die oberpfälzische Metall- und Elektro-Industrie befindet sich in tiefer Rezession. Das ist das Ergebnis der aktuellen Umfrage der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände bayme vbm unter ihren Mitgliedsunternehmen, die heute in Regensburg vorgestellt wurde.

„Zwar hoffen wir ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau auf eine leichte Erholung im zweiten Halbjahr. Das Jahr 2020 ist für die Metall- und Elektroindustrie in der Oberpfalz jedoch ein verlorenes Jahr. Unsere Unternehmen bewerten die aktuelle Lage äußerst negativ. Wir gehen auch nicht davon aus, dass der Beschäftigungsrückgang im kommenden Jahr zu Ende sein wird. Dank des Instruments der Kurzarbeit, unternehmenseigenen Maßnahmen sowie anderen staatlichen Unterstützungsprogrammen wurden bis jetzt nicht noch mehr Stellen abgebaut. Die Beschäftigungspläne der Unternehmen verdeutlichen den Ernst der Lage. Diese sind sowohl an den Inlands- als auch an den Auslandsstandorten im negativen Bereich. Fast 42 Prozent der Betriebe rechnen mit einem weiteren Stellenabbau in der Oberpfalz“, sagt der Vorsitzende der bayme vbm Region Oberpfalz-Nord, Dr. Stefan Klumpp.

Die Kurzarbeit habe viel zur Arbeitsplatzsicherung beigetragen, jedoch müsse auch in den kommendem Monaten mit einem erhöhten Stellenabbau gerechnet werden. Um dies zu verhindern, müsse die Kurzarbeit auch über das Jahr 2020 hinaus weitergeführt werden können, so Klumpp.

Bei den Produktionsplänen wird laut Klumpp das zweite Halbjahr nicht ausreichen, um den Einbruch in der ersten Jahreshälfte auszugleichen. „Wir hoffen auf eine leichte Erholung im zweiten Halbjahr 2020. Das Niveau vor der Corona-Krise werden wir bestenfalls im Laufe des Jahres 2022 wieder erreichen. Wir haben einen sehr langen Aufholprozess vor uns.“

 

Unternehmen blicken düster in die Zukunft

Die Firmen beurteilen die Geschäftslage so schlecht wie noch nie seit Beginn der Umfrage im Jahr 2001.

„Die Corona-Krise wirkt wie ein Brandbeschleuniger, der jegliche protektionistische Tendenzen oder planerische Unsicherheiten durch die Brexit-Diskussion in den Schatten stellt. Folglich bezeichnen rund 81 Prozent der Betriebe das aktuelle Inlandsgeschäft als negativ. Vor einem halben Jahr waren es 12,6 Prozent. Für die Automobil- und Zulieferbranche kommt erschwerend ein grundsätzlicher Transformationsprozess hinzu, so dass praktisch alle Betriebe in diesem Sektor die Lage als schlecht einschätzen“, sagt Klumpp.

Auch das Auslandsgeschäft verspricht keine Besserung: Dieses wird von rund 85 Prozent der Unternehmen als negativ bewertet, im Dezember 2019 lag der Wert noch bei 9,5 Prozent.

Auch die Ertragslage der Unternehmen hat sich gegenüber der Umfrage im Winter klar verschlechtert. Mehr als 85 Prozent der Unternehmen befürchten für das Jahr 2020 eine sehr kritische Ertragslage: 50 Prozent rechnen mit Verlusten, weitere 20 Prozent erwarten eine schwarze Null und 15 Prozent gehen von einer Nettoumsatzrendite von unter zwei Prozent aus.

 

„Aktuell sehen wir Anzeichen einer ersten Bodenbildung. Die bayerische und deutsche Politik hat die Unternehmen schnell, pragmatisch und zielgerichtet unterstützt. Doch für die mittel- und langfristige Krisenbewältigung sind umfassende Unterstützungsmaßnahmen, wie eine Verlängerung der Kurzarbeiterregelung bis zum Ende des nächsten Jahres, ein verstärkter Bürokratieabbau sowie ein Verzicht auf neue Belastungen wie beispielsweise das Sorgfaltspflichtengesetz, zwingend notwendig. Vom Tarifpartner erwarten wir eine verantwortungsvolle Berücksichtigung dieser konjunkturellen Situation im Hinblick auf das Auslaufen des Tarifvertrages Ende 2020“, kommentiert Klumpp.

 

Eine große Herausforderung für die Betriebe in der Metall- und Elektroindustrie sei auch das Ende der Ferien und damit verbunden das steigende Infektionsrisiko, so Klumpp. Deshalb begrüßen sie die Corona-Testpflicht, um eine Verbreitung des Virus in den Betrieben so gering wie möglich zu halten. Die große Hoffnung liegt deshalb auch auf einem passenden Impfstoff. Dieser könnte könnte für einen Aufschwung in der Oberpfalz sorgen.

 

 

PM bayme vbm Gst. Oberpfalz / MB

 

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