Do., 02.06.2022 , 14:12 Uhr

Pressegespräch der oberpfälzischen Wirtschaft

Oberpfalz: Auswirkungen eines Gas-Embargos - 44.000 Arbeitsplätze bedroht

Bei dem heutigen Pressegespräch der vbw zu den Auswirkungen eines Gas-Embargos für die Oberpfalz wurde klar: Die Oberpfälzer Wirtschaft lehnt ein Gas-Embargo entschieden ab.

„Bei einem Gas-Embargo schaden wir uns aber mehr als Russland“

„Wir tragen die Sanktionen gegen den russischen Aggressor mit. Bei einem Gas-Embargo schaden wir uns aber mehr als Russland. Wir würden uns unserer eigenen Stärke berauben – unserer industriellen Basis – und in die Rezession rutschen“,

erklärt Johannes Helmberger, Vorstandsvorsitzender der Bezirksgruppe Oberpfalz der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. im Rahmen eines Pressegesprächs. So ist Erdgas in großen Teilen kurzfristig unersetzbar und Alternativen zum Pipeline-Gas wie LNG (Liquefied Natural Gas) brauchen Zeit.

„Fest steht: Wenn die Gas-Importe aus Russland abrupt ausfallen, stürzen wir in eine für alle kostspielige Versorgungslücke mit teils irreparablen Schäden an Produktionsanlagen. Die Kostenexplosion am Energiemarkt würde damit noch weiter verstärkt“,

so Helmberger.

Der Freistaat wäre zudem durch ein Gas-Embargo besonders betroffen.

„Das liegt insbesondere an der hohen Industriedichte“,

so Helmberger.

 

44.000 Arbeitsplätze in der Oberpfalz bedroht

Entsprechend drastisch wären laut einer vbw Umfrage, an der sich rund 1.100 Unternehmen mit über einer Million Beschäftigten beteiligt haben, die Auswirkungen auf die bayerische Wirtschaft bei kurzfristiger Nicht-Verfügbarkeit: 22 Prozent der Unternehmen im Freistaat müssten den Betrieb einstellen, unter den energieintensiven sogar jedes Dritte. Die Umsatzrückgänge würden sich auf 40 Prozent summieren.

Laut einer Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) sind bei einem Gas-Embargo rund 44.000 Arbeitsplätze in der Oberpfalz bedroht.

„Das entspricht 6,7 Prozent der Erwerbstätigen. Der Verlust an Wertschöpfung würde sich auf rund drei Milliarden Euro belaufen – das entspräche einem Rückgang um etwa sieben Prozent“, erklärt Helmberger und ergänzt: „Allein in Stadt und Landkreis Regensburg fielen 15.000 Arbeitsplätze weg, damit würde sich die Zahl der Arbeitslosen verdreifachen.“

Die vbw rechnet damit, dass die indirekte Betroffenheit entlang der Wertschöpfungsketten durch abreißende Lieferketten oder fehlende Grundstoffe noch schwerer wiegt. Hinzu kommen weitere negative Effekte wie ein Anstieg der Weltmarktpreise für Energie.

„Ein Gas-Embargo wäre ein schwerer Einschnitt für die Beschäftigten, für die Gesellschaft und für unseren Standort. Wir stehen vor dem dauerhaften Verlust von industriellen Strukturen und damit von Wohlstand. Wir müssen uns so schnell wie möglich unabhängig von russischen Gaslieferungen machen. Das ist die nachhaltige Lösung“,

so Helmberger abschließend.

 

vbw Oberpfalz/JM

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