Im Polizeipräsidium Niederbayern ist die Zahl der Fälle von Gewalt gegen Polizeibeamte im Jahr 2025 zurückgegangen. Das geht aus dem bayerischen Lagebild „Gewalt gegen Polizeibeamte (GewaPol) 2025“ hervor, das Innenminister Joachim Herrmann und Justizminister Georg Eisenreich vorgestellt haben. Trotz der positiven Entwicklung betont die Polizei, dass jeder Angriff auf Einsatzkräfte inakzeptabel bleibt.
Im Jahr 2025 wurden in Niederbayern 588 Fälle registriert, in denen Polizeibeamte Opfer von körperlicher oder psychischer Gewalt wurden. Im Vergleich zum Vorjahr mit 652 Fällen entspricht das einem Rückgang von 9,8 Prozent.
Von den registrierten Delikten entfielen 337 Fälle auf körperliche Gewalt. Darunter waren 22 Körperverletzungen, 120 Widerstandshandlungen, 193 tätliche Angriffe auf Vollstreckungsbeamte sowie zwei Raubdelikte. Außerdem wurden 191 Beleidigungen und 29 Bedrohungen erfasst.
Insgesamt waren 1.443 Polizeibeamte von den Vorfällen betroffen – 163 weniger als im Vorjahr. 251 Einsatzkräfte wurden verletzt, eine davon schwer. Die Verletzungen führten zu 312 Dienstausfalltagen.
„Der Rückgang der Fallzahlen sowie die gesunkene Zahl verletzter Einsatzkräfte sind eine erfreuliche Entwicklung. Dennoch bleibt jeder Angriff auf unsere Kolleginnen und Kollegen einer zu viel! Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte setzen sich täglich für die Sicherheit der Menschen in Niederbayern ein und verdienen dafür Respekt statt Gewalt. Deshalb werden wir bei der Bekämpfung von Gewalt gegen unsere Einsatzkräfte auch künftig nicht nachlassen und konsequent gegen entsprechende Straftaten vorgehen.“, so Polizeipräsident Roland Kerscher.
Im Berichtsjahr wurden 510 Tatverdächtige ermittelt. Rund 84 Prozent davon waren Männer. Nach Angaben der Polizei standen 66,1 Prozent der Tatverdächtigen zum Tatzeitpunkt unter dem Einfluss von Alkohol, Drogen oder Medikamenten.
Von den Tatverdächtigen waren 386 Deutsche und 124 Nichtdeutsche, darunter 41 Zuwanderer. Knapp ein Viertel der Tatverdächtigen war bereits zuvor wegen Gewalttaten gegen Polizeibeamte auffällig geworden.
Rund 44 Prozent aller Vorfälle ereigneten sich auf öffentlichen Straßen, Wegen oder Plätzen. Der Großteil der Angriffe geschah während des regulären Polizeidienstes. Häufig gingen den Taten Festnahmen, Gewahrsamnahmen oder andere freiheitsentziehende Maßnahmen voraus.
Nach Angaben des Polizeipräsidiums setzt Niederbayern auf moderne Schutzausrüstung, Body-Cams, ballistische Schutzwesten, regelmäßige Einsatztrainings sowie taktische Konzepte, um Risiken für Einsatzkräfte zu verringern. Zudem arbeitet die Polizei in besonders schweren Fällen eng mit den Justizbehörden zusammen.
„Der Schutz unserer Einsatzkräfte hat für das Polizeipräsidium Niederbayern höchste Priorität. Deshalb nutzen wir moderne Schutzausstattung wie ballistische Schutzausrüstung und Body-Cams, führen regelmäßig realitätsnahes Einsatztraining durch und entwickeln in taktische Konzepte, die dazu beitragen, Risiken im Einsatz zu minimieren. Zudem werden in enger Zusammenarbeit mit den niederbayerischen Justizbehörden beschleunigte Ermittlungsverfahren in herausragenden Fällen durchgeführt.
Werden Kolleginnen oder Kollegen Opfer von Gewalt, lassen wir sie nicht allein. Ihnen stehen verschiedene Unterstützungsangebote wie der Polizeiliche Soziale Dienst sowie die Psychosoziale Notfallversorgung zur Verfügung. Wir begleiten die Betroffenen auch über den eigentlichen Einsatz hinaus.“
Die durchschnittliche Häufigkeitszahl für Gewalt gegen Polizeibeamte liegt in Niederbayern bei 47 Fällen je 100.000 Einwohner und damit unter dem bayerischen Durchschnitt von 54.
Besonders hoch ist die Belastung in den größeren Städten. Den höchsten Wert erreicht Passau mit einer Häufigkeitszahl von 196. Dort stieg die Zahl der Fälle von 74 auf 104. Auch Landshut verzeichnete einen Anstieg von 75 auf 85 Fälle. In Straubing, Deggendorf und Dingolfing gingen die Fallzahlen dagegen zurück.
In allen niederbayerischen Landkreisen sanken die Häufigkeitszahlen im Vergleich zum Vorjahr.
„Gewalt gegen unsere Kolleginnen und Kollegen ist kein Berufsrisiko, das als selbstverständlich hingenommen werden darf. Wir werden jeder Form von Gewalt mit aller Konsequenz entgegentreten und zugleich alles daransetzen, unsere Einsatzkräfte bestmöglich auf ihre anspruchsvolle Aufgabe vorzubereiten und im Ernstfall zu unterstützen.“
Pressemitteilung Polizeipräsidium Niederbayern / MF