Das Bayernwerk mit Sitz in Regensburg will in den kommenden Jahren zehntausende Kilometer neuer Stromleitungen errichten. Hintergrund ist der grundlegende Umbau der Stromversorgung in Bayern und Deutschland hin zu erneuerbaren Energien. „Wir bauen bis 2030 ungefähr 40.000 Kilometer Mittel- und Niederspannungsleitungen, das entspricht einmal rund um den Äquator“, sagte Vorstandschef Egon Westphal der Deutschen Presse-Agentur.
Zusätzlich sollen rund 1.000 Kilometer Hochspannungsleitungen gebaut und etwa 300 Umspannwerke modernisiert werden. Auch die Digitalisierung der Netzsteuerung steht im Fokus. Der neue Netzausbauplan wurde zum Jahreswechsel vorgestellt.
Der neue Netzausbau ist eine direkte Folge der Energiewende. „Das ist eine Entfesselungsgeschichte“, erklärte Westphal. „Die erste Phase war stark geprägt vom schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien. Wir haben allein in diesem Jahr bis Mitte Dezember rund 60.000 neue Anlagen mit einer Leistung von über 2.000 MW angeschlossen.“
Das Bayernwerk sei inzwischen ein „wetterabhängiges Großkraftwerk“. In der nächsten Phase gehe es um den Ausbau der Stromnetze, danach folge die „Entfesselung des neuen Energiesystems“.
In Zukunft werde sich das Energiesystem grundlegend verändern, so Westphal. „Es gibt nicht mehr einige wenige Großkraftwerke, die Strom produzieren, sondern über eine Million Einspeiser.“ Dazu zählen vor allem Solaranlagen und Windräder. Der Stromverbrauch im Netzgebiet soll sich bis 2045 verdoppeln, die Erzeugungsleistung der erneuerbaren Energien sogar verdreifachen.
Den Bedarf an zusätzlicher gesicherter Stromerzeugung bis 2030 schätzt das Unternehmen auf 7.000 Megawatt. „Es ist ein rasender Veränderungsprozess. Das ist sehr herausfordernd, eröffnet aber auch viele neue Chancen und Möglichkeiten.“
Neben neuen Wind- und Solaranlagen werden künftig auch viele Stromspeicher ans Netz gehen. „Nun zählt nicht mehr allein der Zubau von Photovoltaikanlagen oder Windanlagen, sondern die Frage, wie bringen wir das alles zusammen“, so Westphal. Schon jetzt habe das Unternehmen Anschlussbegehren für 77.000 Megawatt Stromspeicher erhalten.
Bayern sei für Batteriespeicher besonders geeignet, betonte der Bayernwerk-Chef, allerdings müsse deren Betrieb netzdienlich erfolgen. „In den nächsten Jahren wird dann noch das bidirektionale Laden hinzukommen“, sagte Westphal. Elektroautos könnten dann nicht nur Strom aufnehmen, sondern auch wieder ins Netz einspeisen.
„Über allem schwebt jetzt die Erkenntnis: Infrastruktur wird knapper. Netzanschlüsse und Netzkapazitäten sind das neue Gold.“
dpa / MF