Anfang der 1910er Jahre herrschte große Freude in der Jüdischen Gemeinde Regensburg: In der Schäffnerstraße entstand nach den Plänen des Architekten Joseph Koch eine neue Synagoge. Ein Bauwerk mitten in der Stadt – und ein sichtbares Zeichen jüdischen Lebens in der Mitte der Gesellschaft.
1912 wurde die Synagoge feierlich eingeweiht. Sie stand für Selbstbewusstsein, Gemeinschaft und die feste Verankerung der Jüdischen Gemeinde in Regensburg.
Doch diese Zeit währte nicht lange.
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten änderte sich die Situation dramatisch. Die Entrechtung und Verfolgung jüdischer Bürger gipfelte in der Zerstörung der Synagoge während der Reichspogromnacht am 9. November 1938.
Regensburg brannte an diesem Tag. Von der Synagoge blieb kaum etwas übrig. Das jüdische Leben sollte unter den Nationalsozialisten ausgelöscht werden.
Nicht nur das Gebäude verschwand – auch die Gründungsurkunde der 1912 eingeweihten Synagoge galt lange als verschollen.
Erst im vergangenen Jahr, als das Stadtarchiv Regensburg in ein neues Depot umzog, tauchte das historische Dokument wieder auf.
In einem kleinen Festakt wurde die Urkunde nun an die Jüdische Gemeinde Regensburg zurückgegeben. Mit der Rückgabe kehrt ein Stück Identität zurück. Die Urkunde ist ein bedeutendes Geschichtsdokument für die Stadt.
Künftig soll das Schriftstück auch öffentlich zugänglich sein: Die Gemeinde hat es als Leihgabe an das Stadtarchiv übergeben. Dort wird es wissenschaftlich untersucht.
Bis Mitte Juni ist die Gründungsurkunde zudem in einer Sonderausstellung im Historischen Museum Regensburg zu sehen.