In Regensburg erinnern neue Stolpersteine an sechs Männer, die während des Nationalsozialismus verfolgt, ausgegrenzt und in Konzentrationslager verschleppt wurden. Sie gehörten zur Opfergruppe der sogenannten „Verleugneten“ – Menschen, die lange Zeit selbst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht offiziell als NS-Opfer anerkannt waren.
Die Betroffenen wurden verfolgt, weil sie als arbeitslos oder obdachlos galten oder mehrfach ihren Wohnort gewechselt hatten. Andere wurden als straffällig oder kriminell eingestuft. Viele von ihnen kamen zunächst in Vorbeugehaft, später in Konzentrationslager.
Zu den nun gewürdigten Opfern zählen Johann Sauer, Johann Mulzer, Arthur Kirmse, Gottfried Mack und Josef Neuhierl. Sie alle gerieten aus unterschiedlichen, teils nichtigen Gründen in die Vernichtungsmaschinerie des NS-Regimes. Ihr gemeinsames Schicksal: Sie wurden zu „Verleugneten“.
Ein weiterer Stolperstein in Regensburg erinnert an Ferdinand Schieber. Er gehörte zu den sogenannten Bibelforschern – so wurden damals die Angehörigen der Zeugen Jehovas genannt. Auch sie wurden im Nationalsozialismus verfolgt.
Über das Leben der sechs Männer ist heute nur noch wenig bekannt. Lebensdaten lassen sich nur schwer rekonstruieren, Fotos existieren nicht. Die neuen Stolpersteine holen ihre Namen nun zurück ins öffentliche Bewusstsein.
Besonders bitter: Auch nach 1945 erfuhren die sogenannten „Verleugneten“ keine Rehabilitierung. Erst seit dem Jahr 2020 sind sie offiziell als NS-Opfergruppe anerkannt.
Es waren Menschen aus der Mitte der Gesellschaft – ohne festen Arbeitsplatz oder mit häufigem Wohnortwechsel. Sie wurden bedroht, denunziert und erlitten seelische wie körperliche Gewalt. Mit den nun verlegten Stolpersteinen in Regensburg wird ihnen nicht nur ein Ort des Gedenkens gesetzt, sondern auch ein Stück Menschenwürde zurückgegeben.