Mi., 25.03.2026 , 13:52 Uhr

Regensburg: Familienzusammenführung nach Jahrzehnten – Stolpersteine vereinen Grünhuts

Vorübergehende sollen über sie stolpern – zumindest mit den Gedanken. Stolpersteine sind Erinnerung, Gedenken und Mahnung zugleich. Rund 300 Stolpersteine liegen im Stadtgebiet Regensburg verteilt. Sie erinnern an Menschen, die dem Wahn der Nationalsozialisten zum Opfer gefallen sind.

In dieser Woche sind zwei weitere Steine hinzugekommen – bei einer ganz besonderen Familienzusammenführung am Platz der Einheit in Regensburg.

Zwei neue Stolpersteine für Alfred und Esther Grünhut

Die neuen Gedenksteine tragen folgende Inschriften:

Hier wohnte Alfred Grünhut
Jahrgang 1910
Deportiert 1942
Ghetto Warschau
Ermordet

Hier wohnte Esther Grünhut
Jahrgang 1913
Flucht 1936
Palästina

Die Geschwister sind nun gemeinsam mit ihren Eltern Laura und Siegfried Grünhut als Stolpersteine vereint. Eine symbolische Wiedervereinigung der Familie – Jahrzehnte nach den Verbrechen der Nationalsozialisten.

Flucht und falsche Entscheidung

Esther Grünhut konnte dem Terror entkommen. 1936 gelang ihr die Flucht nach Palästina. Ihr Bruder Alfred Grünhut hingegen wurde 1942 deportiert und im Ghetto Warschau ermordet.

Auch er wollte ausreisen, traf jedoch eine folgenschwere Entscheidung, die ihn letztlich das Leben kostete.

Sohn Ilan Peer reist zur Verlegung an

Zur Verlegung der Stolpersteine war Ilan Peer, der Sohn von Esther Grünhut, nach Deutschland gereist. Für ihn war die Zeremonie ein sehr persönlicher Moment.

„Für mich ist es eine Entdeckungsreise. Hierher zu kommen, die Gemeinschaft, die Unterstützer und die Stolpersteine selbst zu sehen, das fügt alles auf wunderbare Weise zusammen. Es ist wie der Abschluss meiner Entdeckungsreise.“

Über ihre Zeit in Regensburg habe seine Mutter nie gesprochen.

„Meine Mutter verstummte nach dem Zweiten Weltkrieg und der Befreiung der Lager, weil sie erst dann erfuhr, was geschehen war. Sie behielt alles für sich. Und deshalb ist es für mich umso erstaunlicher, was sie mir verschwiegen hat. Ich konnte meiner Mutter einige Geschichten über ihre Liebe zur Musik entlocken, aber sie erzählte mir nicht viel über ihre Vergangenheit in Deutschland. Wenn sie jetzt herabschauen könnte, würde sie sagen: Jetzt fühle ich, ich habe meine Stimme und meine Gefühle gefunden.“

Erinnerung als Auftrag

Mit den neuen Stolpersteinen sind seine Mutter, sein Onkel und seine Großeltern nun an einem Ort wiedervereint. Die kleinen Messingtafeln im Boden sollen Menschen im Alltag innehalten lassen.

Sie erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus – und mahnen, dass sich dieses Gräuel niemals wiederholen darf.

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