In München gilt derzeit noch bis 1. August eine Allgemeinverfügung zum Wassersparen. Grund dafür sind niedrige Grundwasserstände in den Gewinnungsgebieten. Doch wie ist die Lage in Ostbayern? Könnte es auch hier zu Einschränkungen kommen? Wir haben mit einem Experten gesprochen.
Mit den steigenden Temperaturen wächst auch die Sorge um die Wasserversorgung. Eine Hitzewelle wirkt sich allerdings nicht sofort auf das Grundwasser aus. Je nach Region und Beschaffenheit des Untergrunds kann es Wochen oder sogar Monate dauern, bis sich längere Trockenphasen bemerkbar machen.
Dabei ist Grundwasser die wichtigste Quelle für Trinkwasser in Deutschland. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts stammen mehr als 60 Prozent des Trinkwassers aus dem Grundwasser.
In München sind die Grundwasserstände im Mangfalltal und Loisachtal derzeit besonders niedrig. Gleichzeitig ist der Wasserverbrauch während der vergangenen Hitzewelle deutlich gestiegen. Deshalb gilt aktuell eine Allgemeinverfügung zum Wassersparen.
Eine vergleichbare Situation ist in Ostbayern derzeit jedoch nicht gegeben. Die Trinkwasserversorgung ist gesichert.
Auch laut REWAG ist die Trinkwasserversorgung im Versorgungsgebiet sehr stabil. Ein Pressesprecher schreibt:
„Wassersparmaßnahmen, wie sie in München angeordnet wurden, sind bei uns nicht zu erwarten. Unsere Wassergewinnungsanlagen, insb. das Wasserwerk Sallern, aus dem rund 75% des Regensburger Trinkwassers kommen, liegen geographisch nahezu optimal, sodass hier sehr ergiebige Quellen sind. Wir fördern längst nicht die Menge an Wasser, die wir könnten. Dementsprechend gibt es auch keine expliziten Wassersparappelle, sehr wohl aber die Bitte um einen sensiblen Umgang mit Trinkwasser.
Es ist natürlich zu hinterfragen, ob das Befüllen von Pools, das Waschen von Autos daheim (Waschanlagen sind hier ausgenommen, da deren Wasser meist wiederaufbereitet wird) oder das Gießen des Rasens wirklich sein muss.“
Beim Grundwasser gibt es unterschiedliche Systeme. Manche reagieren sehr schnell auf Niederschläge, andere deutlich langsamer. Entsprechend können auch Niedrigwasserphasen unterschiedlich lange anhalten.
Ein eindeutiger langfristiger Trend lässt sich aus den Daten nicht ohne Weiteres ableiten. Bereits in den 1970er- und 1990er-Jahren gab es Phasen mit geringer Grundwasserneubildung. An einzelnen Messstellen – etwa in Alling – sind seit 2015 allerdings häufiger niedrige Grundwasserstände zu beobachten.
Nach Einschätzung der Experten fällt insgesamt nicht zwangsläufig weniger Regen. Vielmehr verändert sich die Verteilung der Niederschläge. Längere Trockenperioden wechseln sich häufiger mit kurzen, intensiven Regenfällen ab. Das erschwert es dem Boden, Wasser dauerhaft aufzunehmen und als Grundwasser zu speichern.
Ein kürzlich vorgestelltes Projekt soll dabei helfen, die Wasserspeicherung langfristig zu verbessern. Landwirte sollen verstärkt dazu motiviert werden, auf ökologische Bewirtschaftung zu setzen. Gesündere Böden können mehr Wasser aufnehmen und speichern – ein möglicher Beitrag, um die Grundwasserneubildung langfristig zu unterstützen.