So., 19.06.2016 , 16:47 Uhr

Maßgebliche Tagung zur Geschichte der Dominikaner in Regensburg

Regensburg als unerschöpflicher Ort des Miteinanders von Glaube und Kultur war – einmal mehr! – besonders während der Tagung „Mehr als Schwarz & Weiß“ zu erfahren, die am vergangenen Samstag dort in der Minoritenkirche stattgefunden hat. Die Tagung war eingebettet in die zentrale Ausstellung anlässlich des 800-jährigen Bestehens des Dominikanerordens, die derzeit in der Dominikanerkirche St. Blasius zu besuchen ist. Die Ausstellung ist deutschlandweit zentral. Veranstalter der Tagung waren das Akademische Forum Albertus magnus Regensburg sowie die Katholische Akademie in Bayern. Prof. Dr. Sigmund Bonk, Direktor der Akademischen Forums, nannte die Kooperation mit der Katholischen Akademie in München „Freude und Auszeichnung zugleich“. Bischof Dr. Rudolf Voderholzer fungierte als Schirmherr der Tagung wie er auch als Schirmherr der Ausstellung amtet. Außerdem kam es ihm zu, den ersten Vortrag der auch in ihrer Zusammenstellung einmaligen Tagung zu halten.

„Biblia pauperum – Bibel der armen Bettelmönche?“ lautete dazu das Thema, wobei der Regensburger Oberhirte über die typologische Schriftauslegung als Predigtgrundlage im Ringen mit den Katharern sprach. Dabei wies er die Vorstellung von der Biblia pauperum („Bibel der Armen“) als gemalte Bibel zurück, die für Menschen gemacht wäre, die nicht lesen können. Vielmehr stellte Dr. Voderholzer Auszüge aus einer bebilderten Heiligen Schrift vor, die das Alte Testament und das Neue Testament miteinander verknüpfen. Gnostisch inspirierte bzw. geprägte Bewegungen des Hochmittelalters in Südfrankreich, gegen die die Dominikaner Seelsorge betrieben und predigten, hatten die Schriften des Alten Bundes ausgeschlossen. Ob nun die „Biblia pauperum“ die Bibel der (armen) Bettelmönche – darunter insbesondere Dominikaner und Franziskaner – meinte, wäre nun wohl nicht uneingeschränkt zu bejahen. Allerdings sei vielmehr die These Alfred Weckwerths nicht auszuschließen, der annimmt, dass die Biblia pauperum ihre Entstehung der Bekämpfung der Katharer sowie weiterer sektiererischer Gruppen verdankt. Dabei sei man schließlich, so Bischof Dr. Voderholzer, auf der richtigen Fährte, um die Inhalte zu bezeichnen, die die ersten Predigten des Dominikus bzw. der Dominikaner prägten. Von hier aus spannte der Bischof den theologisch einsichtigen Bogen zur Bedeutung der Schöpfung sowie der Schöpfungstheologie, wie im Anfang des Buches Genesis grundgelegt, bei den Dominikanern. Deren Albertus magnus, von 1260 bis 1262 Bischof von Regensburg, hatte sich der Beschreibung der Schöpfung durch die Naturbetrachtung verschrieben. Thomas von Aquin mit einem Epitheton zu versehen hätte nahegelegt, ihn „Thomas vom Schöpfer“ – Thomas a Creatore – zu nennen.

Prof. Dr. Hans-Christoph Dittscheid vermittelte in der Folge zentrale Einsichten zur Bettelordensarchitektur der Gotik in Regensburg – anhand der Minoritenkirche St. Salvator (woselbst das Symposium tagte) und anhand der Dominikanerkirche St. Blasius, deren beide Westfassaden, miteinander verglichen, die Bauten als „geschwisterlich“, so Prof. Dittscheid, erschienen ließen. Diese Bauwerke seien nicht dazu angetan, um am Wetteifern um den höchsten Turm in Regensburg teilzunehmen. Bemerkenswert in beiden Bauten außerdem die Zitate aus der französischen Kathedralarchitektur, die demnach aus Reims und Chartres „abgerufen“ worden sind. Prof. Dittscheid sprach, beeindruckend, von „gebauter Armut“, um Regensburgs Bettelordensarchitektur zu charakterisieren.

Weitere Themen waren das „Ketzerproblem“ in der frühen Geschichte des Dominikanerordens (Prof. Dr. Jörg Oberste, Regensburg), die Dominikaner in Auseinandersetzung mit Judentum, Islam und anderen Kulturen (P. Elias H. Füllenbach OP, Köln), die Auseinandersetzung der Dominikaner mit der Reformation („Vom Theologenstreit zum Überlebenskampf“, Prof. Dr. Klaus Unterburger, Regensburg), der Auftrag des Dominikanerordens heute (P. Thomas G. Brogl OP, Provinzial der Dominikaner in Süddeutschland und Österreich, Wien) sowie der liturgische Gesang bei den Dominikanern (Prof. Dr. David Hiley, Regensburg). Prof. Bonk bemerkte über die Tagung in trefflicher Weise, sie sei eine „wunderbare Einheit von Ort und Wort“.

Am Ende ging man – so ein Wort Bischof Voderholzers – „vom Wort zur Tat“ und feierte die Vesper in St. Kassian Regensburg. Die Gregorianik sangen Studenten der Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik Regensburg unter der Leitung von Rudolf Fischer. In seiner Predigt spann Dr. Voderholzer erneut kunstvoll die theologischen Fäden von der Ordensgemeinschaft der Predigerbrüder über die marianische Spiritualität sowie überhaupt mariologische Zusammenhänge hin nach St. Kassian, wo an der Nord- und an der Südinnenwand ein „einzigartiges mariologisches Programm“ (Voderholzer) zu betrachten ist, und zwar im Rückgriff auf typologische Zusammenhänge Mariens im Alten und im Neuen Testament. Immerhin eignet dem Predigerorden selbst ein „starkes mariologisches Moment“, wusste der Bischof, der auf Rosenkranz, Schutzmantelmotiv und die tiefe Verehrung des Ave Maria sowie des Salve Regina verwies. Außerdem hatte Pius V. (1566-72), der ursprünglich ein Dominikaner war, den Angelus eingeführt.

Bei diesen Ausführungen in der Predigt ging es leitmotivisch um Schönheit und Wahrheit. So drückte der Regensburger Oberhirte abschließend den Teilnehmern der Tagung gegenüber den Wunsch aus: „Mögen Sie von diesem Tag Resonanz in Sachen Heiligkeit und Schönheit mitnehmen.“

 

PM

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