Mo., 01.03.2021 , 14:31 Uhr

Luftrettung: "Christoph Regensburg" fliegt mit Blut- und Plasmakonserven

Der Rettungshubschrauber „Christoph Regensburg“ mit Standort am Universitätsklinikum Regensburg fliegt ab heute (1. März) immer auch mit Blut- und Plasmakonserven bei seinen Einsätzen. Damit soll vor allem Patienten in kritischem Zustand besser und schneller geholfen werden können. Vor allem auf dem Land kann dies lebensrettend sein, wenn der Transport in die nächstgelegene Klinik länger dauert. 

„Es gab in der Vergangenheit einige kritische Situationen, in denen ich mir gewünscht hätte, wir hätten Blutpräparate dabei gehabt“, sagt Dr. Katrin Judemann, leitende Hubschrauberärztin der DRF Luftrettungsstation Regensburg. Der Faktor Zeit sei häufig auch hinsichtlich einer Bluttransfusion entscheidend: „Blutpräparate, die sehr schwer Verletzte direkt am Einsatzort erhalten, können lebensrettend sein und ich bin sehr froh, dass wir ab sofort damit ausgestattet sind“, ergänzt die Oberärztin der Klinik für Anästhesiologie des UKR.

Die Neuerung in der Luftrettung geht auf ein wissenschaftlich geprüftes, innovatives Verfahren der DRF Luftrettung und der Universitätsmedizin Greifswald zurück. Hier wird seit 2019 der schnelle Transport von Blutprodukten mit dem Hubschrauber ermöglicht. Das ist insbesondere für Notfallpatient*innen mit massivem Blutverlust entscheidend, die durch schnelle Gabe von Blut und Blutprodukten direkt am Einsatzort gerettet werden können – eine Erkenntnis, die nun auch im ländlich geprägten Ostbayern zum Einsatz kommt.

„Christoph Regensburg wird sehr häufig zu schweren Unfällen hinzugezogen und verkürzt aufgrund seiner Schnelligkeit das präklinische Intervall für Schwerstverletzte deutlich. Eine neue Therapieoption, die bisher der Klinik vorbehalten war, nun auch präklinisch einsetzen zu können macht uns sehr stolz. Dies ist nur durch das Engagement aller beteiligten Mitarbeiter und einer hochleistungsfähigen Universitätsklinik wie dem UKR möglich“, erläutert Dr. Jörg Braun, Fachbereichsleiter Medizin der DRF Luftrettung.

Dass Blut- und Plasmakonserven nun zur Ausstattung gehören, wird durch die Kooperation zwischen dem Universitätsklinikum Regensburg und der DRF Luftrettung möglich: „Die auf dem Hubschrauber mitgeführten Erythrozytenkonzentrate stammen aus Blutspenden mit der Blutgruppe 0 Rhesus negativ oder positiv, sowie gefriergetrockneten Plasmakonzentraten der Blutgruppe AB“, erläutert Priv.-Doz. Dr. Robert Offner, Ärztlicher Leiter des Bereiches Transfusionsmedizin des Institutes für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin des UKR. „Diese Blutgruppen eignen sich optimal für den Einsatz in der Notfallmedizin, weil sie von Patienten aller Blutgruppen (A, B, AB und 0) problemlos vertragen werden“, so Dr. Offner weiter. Für das UKR bedeutet dies, einen entsprechenden Bestand dieser lebensrettenden „Universal-Blutpräparate“ für Rettungsflüge rund um die Uhr vorzuhalten. „Wir unterstützen gerne die ab heute beginnende präklinische Transfusionstherapie von Patienten, die dringend auf Blut- und Plasmaübertragung angewiesen sind, denn in solchen Fällen kann jede Minute Verzögerung lebensentscheidend sein.“, sagt Dr. Offner.

Auch für eine weiterführende notfallmedizinische Versorgung ist das Mitführen von Blutkonserven und Blutplasma von Vorteil. „Wenn die Notfallpatienten bereits am Notfallort und während des Transports ans UKR mit Blut versorgt wurden, werden potentielle Schäden durch den Mangel von Sauerstoffträgern (Erythrozyten) vermindert und wir können uns bei Eintreffen im Klinikum direkt mit der eigentlichen Versorgung der Verletzung oder der Erkrankung beschäftigen und somit wertvolle Zeit einsparen“, freut sich Professor Dr. Bernhard Graf, Stellvertretender Ärztlicher Direktor des UKR und Direktor der Klinik für Anästhesiologie des UKR.

 

Die Station Regensburg

Regensburg ist eine Dual-Use-Station (Primär- und Sekundärauftrag) im 24-Stunden-Betrieb. In der Nacht werden bei gezielter Anforderung durch eine*n Notärztin/ Notarzt vor Ort auch Primärtransporte durchgeführt. Durch die Nähe zur Donau und zum Bayerischen Wald kommt es im Bereich der Notfallrettung auch zu Wasser- und Bergrettungseinsätzen.

Die Regensburger Station ist seit 2011 bundesweit die zweite Luftrettungsstation, die Nachtsichtgeräte (Night Vision Goggles) für nächtliche Rettungseinsätze einsetzen darf. Außerdem werden für Patienten*innen mit akutem Atemnotsyndrom oder Herz-Kreislauf-Versagen spezielle Transporte unter Beibehaltung der intensiv-medizinischen Therapie durchgeführt.

Zudem ist „Christoph Regensburg“ in das Projekt „Notarzt für Kinder – NOKI“ eingebunden. Hierzu haben die medizinischen Besatzungen des Regensburger Hubschraubers spezielle Schulungen für pädiatrische Notfälle erhalten. Die Rettungsleitstellen alarmieren NOKI in der Regel bei Meldebildern wie Polytrauma, Reanimation, Schädel-Hirn-Trauma, bei Ertrinkungsunfällen und wenn eine anwesende/r Ärzt*in den Hubschrauber nachfordert.

 

Historische Entwicklung

Seit Inbetriebnahme der Station wurden unterschiedliche Hubschraubermuster, beispielsweise eine Bell 412 oder eine BK 117, eingesetzt. Im September 2008 erfolgte der Umzug in den neuen Hangar und in die neuen Büro- und Sozialräume. Ab Herbst 2010 wurde ein Hubschrauber des Typs EC145 eingesetzt, seit Mai 2015 kommt der derzeit modernste Hubschrauber der Luftrettung zum Einsatz, eine H145.

 

DRF Luftrettung/MB

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